Humboldt-Universität

HU-Präsident Olbertz tritt nicht zur Wiederwahl an

Der Präsident der Humboldt-Universität ist mit seinen Reformplänen offenbar an seine Grenzen gestoßen: Jan-Hendrik Olbertz steht für eine weitere Amtsperiode nicht zur Verfügung.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Der Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin (HU), Jan-Hendrik Olbertz, ist mit seinen Reformplänen für die Verwaltung der Universität an seine Grenzen gestoßen.

Wie die HU am Donnerstag mitteilte, wird Olbertz für eine weitere Amtsperiode nicht zur Verfügung stehen. „Es gibt in den Gremien der Universität keine Mehrheit für ein Kernanliegen von mir – die Wiedereinführung einer Gesamtzuständigkeit und -verantwortung für die zentrale Verwaltung nach dem Kanzlermodell. Eine solche professionelle Gesamtverantwortung halte ich jedoch für unabdingbar“, sagte der HU-Präsident zur Begründung seiner Entscheidung.

Derzeit besteht das Präsidium der Humboldt-Universität aus einem Präsidenten und drei Vizepräsidenten. Es gibt einen Vizepräsidenten für Forschung, einen für Internationales und einen für Haushalt, Personal und Technik. Olbertz kritisierte, dass der Vizepräsident für Haushalt, Personal und Technik für die zentrale Universitätsverwaltung nicht die Gesamtverantwortung trage.

Die liegt in 65 der 77 großen Deutschen Universitäten in den Händen sogenannter Kanzler. Auch an der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Hochschule für Technik und Wissenschaft HTW sitzen Kanzler im Präsidium. Bundesweit haben zudem fünf der großen Universitäten mit einem hauptberuflichen Vizepräsidenten ein vergleichbares Modell, nur sieben arbeiten mit Vizepräsidenten wie die HU, die die Verantwortung auch für das Budget ressortbezogen teilen, sagte die Kanzlerin der Technischen Universität Berlin, Ulrike Gutheil auf Anfrage. „Kanzler haben die Gesamtverantwortung für den Haushalt einer Universität, können den Überblick über die Geldströme behalten und in ihrer zehnjährigen Amtszeit auch Reformen durchführen.“ Für diese Posten brauche man echte Profis mit Verwaltungs- und Führungskompetenzen. Auch wenn Kritiker meinten, die Kanzler hätten zu viel Macht, kehrten einige, die es anders probiert hätten, wieder zum Kanzlermodell zurück, so Gutheil.

Termin für Wahl des neuen Präsidenten steht noch nicht fest

Mit seinem Anliegen konnte Olbertz sich offenbar gegenüber der HU-Gremien nicht durchsetzen. Die HU-Vizepräsidenten wollten sich am Donnerstag ebensowenig wie der Präsident weiter zu dem Thema äußern, so Pressesprecherin Susanne Cholodnicki. Jan-Hendrik Olbertz werde das Präsidentenamt planmäßig bis Mitte Oktober fortsetzen und es anschließend an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben, teilte die Pressestelle der HU mit. Ein Termin für die Wahl des Präsidenten stehe noch nicht fest. Geplant sei ein Termin für Ende Juni oder Anfang Juli.

Jan-Hendrik Olbertz wurde im Oktober 2010 zum Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin gewählt, zuvor war er acht Jahre lang Kultusminister in Sachsen-Anhalt. Der 60-jährige gebürtige Ost-Berliner führte die Universität zum Erfolg in der dritten Förderlinie „Zukunftskonzepte“ im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Seit 2012 ist die Humboldt-Universität eine von insgesamt elf sogenannten Exzellenzuniversitäten in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurde unter seiner Führung eine Fakultätsreform umgesetzt.