Neue App

Mit dem Taxi ohne Bargeld durch Berlin

In den meisten Taxis kann ab sofort mit dem Handy bezahlt werden. Das Unternehmen Taxi Berlin bietet den Service neuerdings in seiner Smartphone-App an.

Foto: (3) / Reto Klar

Das Smartphone ist ein Freund und Helfer, es weist uns den Weg in einer fremden Stadt und zeigt die Kalorien an, die man beim Joggen verbraucht. Und es dient als Zahlungsmittel, ab sofort auch in einem Großteil der Berliner Taxis. Das Unternehmen Taxi Berlin bietet den Service neuerdings in seiner Smartphone-App „Taxi.eu“ an. „Wir wollten das schon lange einführen, jetzt hat es endlich geklappt“, sagt Taxi-Berlin-Chef Hermann Waldner.

Bei der Bezahlung gibt der Fahrer den Preis in sein IT-System ein, anschließend bekommt der Kunde den Betrag auf seinem Handy angezeigt – und muss nur noch bestätigen. Abgewickelt wird die Zahlung über das Online-Bezahlsystem PayPal. „Eine gute Nachricht. Alles, was das bargeldlose Bezahlen fördert, ist gut für die Branche“, sagt Detlev Freutel vom Taxiverband Berlin Brandenburg.

Fahrzeugtyp wählen

Die Idee ist nicht neu, aber für den Berliner Markt ein großer Sprung. Denn 5700 der 7600 in Berlin gemeldeten Taxis lassen sich Fahrten über Taxi Berlin vermitteln. Zwar bestellen laut Waldner immer noch 94 Prozent der Kunden ihre Fahrt telefonisch über die Zentrale, doch der Trend zur Taxi-App nimmt zu, gerade bei den Jüngeren. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom nutzen 37 Prozent der 14- bis 29-Jährigen Apps zum Bestellen eines Taxis. Ein Vorteil: Bei der Buchung könne der Kunde zudem bevorzugte Fahrer festlegen und Optionen wie Fahrzeugtyp oder einen Kindersitz auswählen, bei einer Verspätung den gebuchte Fahrer direkt kontaktieren.

Dass er seine Fahrt dann auch vermehrt mit der App bezahlen will, ist die Prognose vieler Experten. Auch das Bezahlen mit Kreditkarte via App will Taxi Berlin demnächst einführen. Ab Mai müssen laut Senatsbeschluss alle Taxis EC- und Kreditkartenzahlung akzeptieren. Schon jetzt wird für das bargeldlose Zahlen ein Aufschlag von 1,50 Euro fällig – so auch bei der Zahlung mit App. „Eine Berliner Besonderheit, die wir nicht ändern können“, sagt Waldner. Dafür erschwert das bargeldose Bezahlen Betrug, da jede Fahrt registriert und Schwarzarbeit fast unmöglich wird.

Taxi Berlin schließt eine längst überfällige Lücke. Das Hamburger Unternehmen mytaxi etwa bietet das Bezahlen via App schon seit 2012 an. Man sieht sich als Vorreiter. „Als wir das eingeführt haben, wurden wir von den Taxizentralen ausgelacht“, sagt Sprecher Stefan Keuchel. In Berlin würden bereits 3000 Fahrer die mytaxi-App nutzen. Als Maßnahme, um zur Konkurrenz aufzuschließen, bezeichnet denn auch Waldner den neuen Service. Seit Jahren muss sich Taxi Berlin gegen die Branchen-Neulinge wehren. Anbieter wie mytaxi oder das US-Unternehmen Uber locken mit kostenlosen Angeboten und Rabatten, werden aber aufgrund ihrer Modelle von den Verbänden kritisiert.

So können Fahrer bei mytaxi auf eine Fahrt bieten, in der Folge zahlen sie bis zu 15 Prozent Provision. Und Uber machte zuletzt Werbung für fünf kostenlose Fahrten bis zu 20 Euro. Obwohl der umstrittene Dienst UberPop in Berlin inzwischen verboten ist, drängt das Unternehmen seit Oktober mit UberTaxi auf den Markt. Zudem „ist die Sorge groß, dass Uber mit seiner Beschwerde vor der EU-Kommission Erfolg hat und das Verbot von UberPop gelockert oder aufgehoben wird“, sagt Waldner. Welche App die Fahrer nutzen, ist natürlich ihre Entscheidung. „Wir hoffen aber, dass unsere Mitglieder nicht die von Uber nutzen“, sagt Irene Jaxtheimer von Taxi Deutschland Berlin e.V.

Quittung per SMS

Doch was sagen eigentlich die Fahrer zum Bezahlen via App? Fest steht: Eine Bezahlung in bar geht in der Regel etwas schneller, und „für die Fahrer ist Zeit Geld“, sagt Waldner. „Viele Fahrgästen denken, dass sie das Taxi bar bezahlen müssten“, sagt Taxifahrerin Ruth Armenat, die am Bahnhof Zoo auf Kundschaft wartet. Dies scheint sich im Bewusstsein vieler Kunden manifestiert zu haben, ebenso die Angst, mit einem großen Schein Probleme zu bekommen. Kann Ruth Armenat auf 100 Euro herausgeben? „Morgens um 6 Uhr, wenn ich gerade anfangen habe, könnte das schwierig werden, aber jetzt wäre das kein Problem.“

Von den Apps, mit denen man bargeldlos bezahlt, hat sie schon gehört. Sie steht dem ganzen aber noch ein wenig reserviert gegenüber. Anders sieht es Fahrer Christian Quellmann, der sogar eine Art kleinen Drucker im Auto installiert hat. Damit kann er eine Quittung für den per App zahlenden Fahrgast ausstellen. Alternativ könne dieser sich aber auch eine SMS schicken lassen. In manchen Taxis kann hingegen nur bar bezahlt werden. Saoudi Azzedine hat dafür Verständnis, auch wenn bei ihm das bargeldlose Bezahlen kein Problem ist. Er zeigt auf sein Kartenlesegerät. Das gehört der Taxizentrale, er müsse es für 30 Euro monatlich pachten. Aus Sicht sei der Nachteil der Kreditkartenbezahlung: Die Abrechnung erfolge erst am Monatsende, er müsse also auf das Geld eine Weile warten.