Party in Berlin

Nachts ohne Alkohol - CDU und SPD wollen Verkaufsverbot

CDU und SPD wollen den nächtlichen Alkoholverkauf in Berlin verbieten. In Baden-Württemberg ist das bereits seit vier Jahren so. Aus Protest trafen sich jetzt die Jungen Liberalen zum Biertrinken.

Partylaune – aber das Bier ist alle? Wer künftig länger feiern möchte, muss vorsorgen - jedenfalls, wenn CDU und SPD ihre Pläne für ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol umsetzen. Denn dann bliebe man sieben Stunden lang, von 22 Uhr bis 5 Uhr, auf dem Trockenen sitzen. Gegen diese Pläne haben nun auch die Jungen Liberalen protestiert - themenbezogen mit einer nächtlichen Biertour.

Dabei statteten sie sich - durchaus züchtig – mit einem Bier und zahlreichen Infoflyern aus auf ihrer „Späti-Tour“ durch die Straßen Pankows. Sie wollten die Besitzer von „Spätis“ und Passanten auf das drohende Verbot aufmerksam machen und über mögliche Folgen informieren.

Den Nachwuchspolitikern gehe es dabei weniger um den Exzess als um die Freiheitseinschränkung.

„Alkoholverkaufsverbot schränkt Freiheit ein“

Der Landesvorsitzende der Julis Berlin, Robert Welker, erklärte: „In Bund wie Land verständigen sich SPD und CDU auf immer mehr Freiheitseinschränkungen.“ Aus Sicht der Julis erscheine ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot neben dem „Einbrechen der SPD“ bei der Vorratsdatenspeicherung wie „eine bedeutungslose Kleinigkeit“, doch zeige es eins: „Politiker der Großen Koalition haben kein Vertrauen in den Bürger, stellen ihn unter Generalverdacht und bevormunden ihn an allen Ecken und Enden.“

Während er Aktion hätten Menschen „mit Entsetzen“ auf die Verbotspläne reagiert. „Für uns ist klar: Die Abgeordneten agieren an dem Lebensgefühl der Berlinerinnen und Berliner vorbei. Berlin ist eine Stadt der Vielfalt, der freien Entfaltung und der Selbstbestimmung.“

Der innenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Peter Trapp, hatte im Sinne des Jugendschutzes vorgeschlagen, den Außer-Haus-Verkauf von Alkohol zwischen 22 Uhr und 5 Uhr generell zu untersagen. Er erhofft sich davon, dass Alkoholexzesse wie Komasaufen sowie Straftaten unter Alkoholeinfluss erschwert würden. Thomas Isenberg, Gesundheitsexperte der SPD-Fraktion, möchte ebenfalls den Verkauf von Alkohol zu später Stunde einschränken.

Weniger betrunkene Jugendliche in Kliniken

In Baden-Württemberg gilt solch ein nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol seit März 2010. Die positive Wirkung: Die Zahl der in Kliniken gebrachten betrunkenen Jugendlichen ist in den vergangenen vier Jahren um rund sieben Prozent gesunken. Das haben das Center for Health Economics und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt. Ähnliche Erfahrungen liegen aus der Schweiz vor.