Sanierung

Die Messe Berlin wartet auf den Masterplan

Die Messehallen am Funkturm müssen modernisiert werden - für einen dreistelligen Millionenbetrag. Jetzt warten alle auf das Konzept dafür. Doch das Verhältnis der Manager zum Senat ist belastet.

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Berlins Messe-Chef Christian Göke ist gut vernetzt in der Stadt. Mit Handelskammer und Tourismusbranche unterhält er enge Beziehungen. Nur in der Landespolitik schlägt dem Manager Misstrauen entgegen. Zu stark pflegten die Veranstaltungsprofis am Funkturm ihr Eigenleben und eigene Interessen, so der Vorwurf in Senat und Abgeordnetenhaus. Zu wenig achte die Messe auf die Belange des Landes Berlin.

Ein neuer Mitarbeiter soll nun Abhilfe schaffen. Als persönlicher Referent des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) hat Emanuel Höger gelernt, wie die Uhren in den innersten Machtzirkeln ticken. Jetzt soll Höger Brücken bauen zwischen einem der wichtigsten Landesunternehmen, das Geschäftsleute und Gäste in die Stadt zieht, und den politischen Entscheidungsträgern.

Eine Verständigung ist auch nötig, denn die Zukunft der Messe drängt wieder auf die Agenda. Der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist entschlossen, das Internationale Congress Centrum (ICC) wieder für Kongresse zu sanieren. Von der Messe, die das ICC nie sonderlich mochte, obwohl sie dort erfolgreich Tagungen ausrichtete, wird erwartet, dass sie sich in ein Konzept einbringt. Verweigern können sich Göke & Co wohl kaum, obwohl sie ein anderes, neues Kongresszentrum bevorzugen würden. Aber die Messe drücken Sorgen, die sie ohne politische Unterstützung nicht bewältigen kann. Und da sind die 2,5 Millionen Euro jährlicher Stillstandskosten für das ICC, die der Senat der Messe überlassen hat, nicht die größte Hilfe.

Hallen unter dem Funkturm müssten saniert werden

Die 26 Hallen unter dem Funkturm kommen in die Jahre. Zwar fällt noch nirgendwo Putz von der Decke, aber auch die in den 1990er-Jahren errichteten Bauten müssten allmählich saniert werden. Zu allem Überfluss betreibt die Messe mit ihren zum Teil auf Pfeilern gelagerten Hallen das „größte Brückenbauwerk Europas“, wie Messe-Sprecher Michael T. Hofer sagt. Die Botschaft: Das zu sanieren, wird teuer. Die Bauexperten der Messegesellschaft sind seit Wochen dabei, den genauen Sanierungsbedarf zu erheben. Dabei geht es nicht nur um Reparaturen. Andere Messeplätze investieren stark in Schönheitskuren.

Die 22 europäischen Messestädte, die sich im Verband Emeca zusammengeschlossen haben, wollen in den nächsten Jahren vier Milliarden Euro in ihr Messegelände stecken. Weniger in zusätzliche Ausstellungsflächen, eher in Modernisierung und Kundenfreundlichkeit. Auch die Messe Berlin überlegt, veraltete Räume abzureißen, Hallen zusammenzulegen oder größere in die letzten Lücken zu stellen. Zwar laufen Leitmessen wie Internationale Tourismus Börse, Grüne Woche, Funkausstellung oder Fruit Logistica ausgezeichnet. Die Messe erzielte 2014 einen Rekordumsatz von 265 Millionen Euro. Aber eine Garantie, dass die Kunden auch in zehn Jahren kommen, wenn anderswo die Hallen moderner sind, gebe es nicht, warnen die Messe-Macher.

Investitionsbedarf im dreistelligen Millionenbereich

Ein Masterplan für das Messegelände soll im Sommer vorliegen. Niemand geht von einem Investitionsbedarf unterhalb einer dreistelligen Millionensumme aus. Das wäre ein weiteres Großprojekt für die Stadt, nach ICC, Flughafen Tempelhof und Bibliotheksneubau. Ohne eine starke politische Lobby läuft die Messegesellschaft Gefahr, sich hinter Schulen, Bädern, Wohnungsbau, Krankenhäusern und Forschungslabors einreihen zu müssen.

Dass die Messe diese Investitionen alleine stemmen kann, schließt man am Funkturm aus. Schon jetzt lässt sich die Gesellschaft den Erhalt ihres Geländes 51 Millionen Euro pro Jahr kosten. Vom Land bekommt sie dafür zehn Millionen. Dabei ist die Messe nicht Eigentümerin der Immobilien. Das würde sie gerne ändern, um das Vermögen beleihen und Kredite für die Sanierung aufnehmen zu können. Aber bisher hat sich noch keine Koalition durchgerungen, die selbstbewussten Messe-Manager, die vor Jahren ihre eigene Privatisierung betrieben, durch Immobilienbesitz noch aufzuwerten.

So bleiben die Finanzströme zwischen dem Land und der Firma, die ihm zu 99 Prozent gehört, undurchsichtig. Eine Trennung zwischen dem, was geschäftspolitisch bestimmt ist, und dem, was politischen Wünschen folgt, gibt es nicht. Die Messe bezahlte die 80 Millionen Euro für den als ICC-Ersatz errichteten City Cube alleine. Sie sitzt auch noch auf fünf Millionen Euro Defizit, das die letzte Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) 2014 in Selchow am Flughafen Schönefeld hinterlassen hat. Jetzt muss Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) mit dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie und dem Land Brandenburg über die Lastenteilung diskutieren. Drei Millionen Euro wollten die Länder übernehmen.

Absage an Expansionspläne

2016 wird die ILA wohl noch einmal wie gehabt stattfinden können. Aber wenn der Flughafen BER Ende 2017 eröffnet, möchten die Flughafen-Manager Störungen durch Flugshows an Berlins dann einzigem Flughafen lieber vermeiden. Ohne ILA dürfte es schwierig sein, die Existenz des Messegeländes in Selchow zu rechtfertigen. 43 Millionen Euro haben beide Länder dort investiert, 27 davon hat die Messe mit einem Kredit selbst beigesteuert. Doch das ExpoCenter Airport erwirtschaftet Jahr für Jahr Verluste.

Am ehemaligen Flughafen Tempelhof kommt die Messe hingegen nicht zum Zuge. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) hat sich durchgesetzt. Tempelhof bleibt unter Kontrolle seines Ressorts. Ob die Betreibergesellschaft Tempelhof Projekt bestehen bleibt oder unter dem Dach der Mutterfirma Wista angedockt wird, muss noch entschieden werden. Anders als Messe-Chef Göke genießt Wista-Geschäftsführer Hardy Schmitz das Vertrauen der Berliner Politik.