Kobalt-Diebstahl

Radioaktiver Müll versetzt Berliner Polizei in Alarmbereitschaft

Diebe haben Boxen mit radioaktivem Kobalt in Polen gestohlen. Das Bundeskriminalamt hält es für möglich, dass das strahlende Material in Berlin auftauchen könnte.

Foto: PAA

Unbekannte Täter haben in der polnischen Stadt Posen 22 Transportbehälter mit radioaktivem Kobalt 60 von einem Firmengelände gestohlen. Bisher liegen über die Täter und deren Motive keine Hinweise vor. Die Tat ereignete sich bereits am vergangenen Freitagnachmittag, die Berliner Polizei hält es jedoch für möglich, dass die strahlende Diebesbeute in der Hauptstadt auftauchen könnte. „Neben dem ,einfachen’ Schrottdiebstahl kommt auch ein zielgerichtetes Entwenden des radioaktiven Materials in Betracht. Dann wäre auch ein Verbringen nach Deutschland denkbar“, heißt es in einem internen Schreiben der Berliner Polizei, das der Berliner Morgenpost vorliegt.

Darin heißt es weiter, „sollten die Behälter geschlossen aufgefunden werden, so ist der Fundort im Radius einiger Meter abzusperren, die Behälter sind nicht zu berühren! Sie sind auch Spurenträger!“ Falls die Behälter geöffnet worden seien, müsse sofort die Feuerwehr zur Strahlenmessung hinzugezogen werden. „Es muss dann soweit wie möglich abgesperrt werden“ , lautet die weitere Anweisung. Der Fundort könne auch mit Fahrzeugen abgeschirmt werden.

„Der Sachverhalt ist in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport bekannt. Für eine Erhöhung der Gefährdungslage liegen aber keine Anhaltspunkte vor“, sagte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag dieser Zeitung. „Die Polizei Berlin ist für den Fall des Auffindens suspekter Behälter über einen internen Hinweis sensibilisiert, ebenso wie die Berliner Feuerwehr.“

Die 22 gestohlenen Bleibehälter wiegen jeweils 45 beziehungsweise 70 Kilogramm. Nach Angaben der polnischen Polizei in Posen beinhaltet jedes Behältnis jeweils nur ungefähr 1,5 Gramm schwach strahlendes Abfallmaterial, das angeblich aus den 70er-Jahren stammen soll, heißt es in einem Schreiben des Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamtes in Warschau.

Nach Aussagen eines Berliner Strahlenschutzexperten liegt die Halbwertzeit von Kobalt 60 bei fünf Jahren. „Wenn die genannten Mengen und Angaben stimmen, dann ist das eine sehr geringe Konzentration“, sagte er. „Da die Behälter verschlossen sind, können aber keine exakten Angaben zu der Strahlenquelle gemacht werden. Die Bleibehälter sollten auf jeden Fall geschlossen bleiben.“

Der Diebstahl der speziellen öffnungsgesicherten Bleibehälter mit nuklearem Kobalt wurde auf dem Firmengelände eines Unternehmens im polnischen Posen begangen. Laut einer Veröffentlichung der Atombehörde handelt es sich dabei um die Firma Polon Beta in Posen-Grunwald. Laut Internetauftritt beschäftigt sie sich mit dem Bau, der Montage und Wartung von Alarmanlagen, mit der Beschaffung und dem Transport von radioaktivem Material, Strahlungsmessungen, Dichtheitsprüfungen von Strahlungsquellen und ihrer Entsorgung. Kobalt 60 wurde unter anderem in der medizinischen Strahlentherapie eingesetzt. Anwendung findet es auch in der Werkstoffprüfung und in radiometrischen Messanlagen.