Tourismus Börse

Abenteuer unterm Funkturm - Die ITB beginnt

Heute eröffnet die Internationale Tourismus Börse. Im Trend liegen der Kulturtourismus und Abenteuerurlaub. Gastland ist die Mongolei. Ein Thema ist auch der digitale Wandel in der Branche.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die ganze bunte Reisewelt auf 160.000 Quadratmetern: 10.096 Aussteller aus 186 Ländern und Regionen präsentieren sich vom heutigen Mittwoch bis zum Sonntag auf der 49. Internationalen Tourismus Börse (ITB) in den Messehallen unter dem Funkturm. Sie wurde am Abend von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (beide SPD) eröffnet.

„Wir sind in diesem Jahr erneut ausgebucht“, sagte Messechef Christian Göke am Dienstag im Vorfeld. Er sieht die ITB als starken Marktplatz der internationalen Reiseindustrie. Dies sei in turbulenten Zeiten angesichts eines schwächeren Euros sowie Unsicherheiten durch Terroranschläge und Konflikte besonders wertvoll und wichtig. In 26 Hallen präsentieren die Aussteller ihre Angebote. Am Wochenende öffnet die ITB auch für das Publikum.

Deutsche sind Reiseweltmeister

Zu den Trends in diesem Jahr zählen Themen wie Kulturtourismus, Abenteuerurlaub sowie ökologisch und sozial verantwortliches Reisen. In diesen Kontext passt besonders gut das diesjährige ITB-Partnerland, die Mongolei. „Wir hatten in der Vergangenheit jährlich 450.000 Gäste bei uns“, sagt die mongolische Tourismusministerin Oyunkhorol Dulamsuren, „wir wollen die Zahl 2015 auf eine Million erhöhen.“ Die Mongolei sei von Natur aus nomadisch. „Wir leben in Harmonie mit der Natur.“ Immer größer wird das Angebot geführter Reisen in die unendliche Weite der Wüste Gobi und die Berge des Landes. 30 mongolische Aussteller informieren in Halle 26c über ihre Angebote. In Halle 4.1 präsentiert die Mongolei nachhaltige Reisen. ITB-Besucher können die Kultur des Steppenlandes und das Nomadentum kennenlernen. Dazu wird vor dem Südeingang eine Original-Jurte errichtet mit täglichem Programm von 9 bis 18 Uhr. Auf der großen Bühne in Halle 4.1 sowie am Stand der Mongolei zeigen Pferdekopfgeigenspieler, Kehlkopfsänger, Urtin-Duu-Sänger sowie Schlangenmenschen täglich ihre Künste.

Die Deutschen zählen weiterhin zu den Reiseweltmeistern. Laut Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen ReiseVerbands (DRV), konnten die deutschen Reiseveranstalter ihren Umsatz 2014 um rund eine Milliarde Euro steigern. „Der Gesamtumsatz beläuft sich damit auf eine neue Bestmarke von nunmehr 26,3 Milliarden Euro – ein Plus von fast vier Prozent.“ Dabei seien die Deutschen auch bereit, mehr Geld für den Urlaub auszugeben: „Reisen über 3000 Euro haben sich um zehn Prozent gesteigert.“ Weniger Deutsche reisten im vergangenen Jahr nach Ägypten. „Das Land am Nil spürte noch immer die Auswirkungen des Arabischen Frühlings von 2011 und verzeichnete ein Minus von 15,1 Prozent“, so Fiebig. „Auch Marokko musste ein Minus von 5,6 Prozent verkraften, Zypern sogar 15,8 Prozent.“ Positiv blickt Fiebig auf das Reisejahr 2015. „In den Reisebüros ist bis Ende Januar ein Umsatzplus von fünf Prozent aufgelaufen“, sagt er. „Die Deutschen buchen ihren Urlaub langfristig und mehr als sechs Monate im Voraus.“ Die Frühbucher stünden damit für fast 30 Prozent der Gesamtumsätze.

Die Nachfrage aus den arabischen und asiatischen Ländern ist in diesem Jahr außerordentlich hoch. Der Iran belegt erstmals eine eigene Halle. Auch Indien ist wieder mit einer Halle dabei. Afghanistan ist zurück auf der ITB, erstmals sind Bangladesch und Gilgit-Baltistan, die Wanderdestination aus Pakistan, vertreten. Neu in Halle 3.1 ist das „Turkish Village“.

Ein Thema ist der digitale Wandel

Ein großes Thema auf der ITB ist der Bereich „Travel Technology“. Mehr als 170 Firmen werden ihre Produkte präsentieren. In der „toolsLounge“ werden webbasierte Produkte präsentiert, die sich an Unternehmer im Bereich Tourismus richten und zeigen, wie Geschäftsprozesse erfolgreich digitalisiert und automatisiert werden können. Zur Vorreiterrolle der Tourismusbranche beim digitalen Wandel hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine Umfrage veröffentlicht. Danach nutzt die Tourismusbranche die digitalen Kanäle teilweise sogar doppelt so häufig wie die Wirtschaft insgesamt. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben: „Beim Thema Digitalisierung gut aufgestellt zu sein, zahlt sich für die Betriebe aus. Die Bedeutung von schnellem Breitband auch in der Fläche kann dabei nicht hoch genug eingeschätzt werden. Immerhin sieht knapp ein Drittel der Firmen einen unzureichenden Breitbandanschluss heute als Digitalisierungshürde.“ Hier müsse die Politik ihren Worten schnell Taten folgen lassen.