Prozess in Berlin

Lkw-Fahrer nach Kollision mit Radfahrer freigesprochen

Der Berufskraftfahrer erfasste den 19 Jahre alten Radfahrer im Juni 2014 in Reinickendorf beim Abbiegen an einer Ampel. Nach dem Prozess am Verkehrsgericht bleibt der genaue Unfallhergang unklar.

Seit dem Unfall sind acht Monate vergangen. Aber Berufskraftfahrer Stephan W., der sich vor einem Moabiter Verkehrsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten musste, steht noch immer unter dem Eindruck des Geschehenen. „Es tut mir leid, dass ich einen Menschen verletzt habe. Aber ich bin mir keiner Schuld bewusst“, sagte der 51-Jährige am Mittwoch.

Der Unfall ereignete sich am 5. Juni 2014, um 7.36 Uhr, in Reinickendorf. Stephan W. kam mit seinem Lkw von der Miraustraße und bog in der zweiten Spur rechts in die Antonienstraße. „Ich bin langsam nach rechts gefahren und habe angehalten, um die Fußgänger die Antonienstraße passieren lassen“, sagte er. Er habe, als die Fußgängerampel auf Rot schaltete, sogar noch kurz gewartet, „weil ja oft noch Leute auf dem letzten Drücker kommen“. Und beim Anfahren habe er dann auch noch mal in den Rückspiegel geschaut.

Sekundenbruchteile später hörte W. „einen Aufprall an der Beifahrertür“. Es war ein Radfahrer. Der 19-jährige Johannes S. war mit seinem Bein unter das rechte Vorderrad des Lkw geraten, hatte schwere Verletzungen erlitten. Inzwischen sei aber alles ausgeheilt, sagte der Auszubildende vor Gericht. Er sei an diesem Tag recht zügig geradelt. Gefahren sei er ordnungsgemäß auf dem Fahrradweg der Miraustraße, er habe also – wie der abbiegende Lkw-Fahrer – Grün gehabt.

Zweifel an den Darstellungen

Genau das ist strittig und wurde von verschiedenen Zeugen auch verschieden geschildert. Es bleibt unklar, ob Johannes S. nicht doch von einem kleinen Parkplatz neben der Miraustraße kam und die Antonienstraße einfach nur zügig im Fußgängerbereich – wo die Ampel schon mehrere Sekunden auf Rot stand – überqueren wollte. Johannes S. hatte Kopfhörer auf, war in Eile. Der Amtsanwalt war dennoch überzeugt, dass sich Stephan W. falsch verhalten hatte und beantragte für den Angeklagten eine Geldstrafe von 1200 Euro.

Stephan W.s Verteidiger forderte einen Freispruch. Er glaube seinem Mandanten, sagte er und betonte, dass W. bereits seit 1987 Berufskraftfahrer sei, zuvor noch nie einen Unfall verursacht und auch keinen einzigen Punkt in Flensburg habe. Die Richterin sah es genauso. Es gebe „bei vernünftiger Betrachtung begründete Zweifel an der Schuld des Angeklagten“, hieß es in ihrer Urteilsbegründung. Sie sprach den angeklagten Stephan W. frei.