„Menschen Museum“

Brandenburg verbietet Besuch von Körperwelten-Museum

Die Schüler aus Brandenburg dürfen aus ethischen Gründen nicht in das „Menschen Museum“ am Alexanderplatz von Gunther von Hagens. In Berlin entscheiden darüber die Schulen.

Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) hält nichts davon, dass brandenburgische Schulklassen das Berliner Museum des Leichen-Plastinators Gunther von Hagens im Rahmen schulischer Veranstaltungen besuchen. Das vor einigen Jahren aus ethischen Gründen für das 2006 in Guben eröffnete Plastinarium erteilte Verbot gelte auch für das „Menschen Museum“, das vor knapp einer Woche in Berlin eröffnet wurde, sagte der Sprecher des Bildungsministeriums, Florian Engels, am Montag in Potsdam. Kein Kind dürfe zum Besuch der kommerziellen Ausstellung im Rahmen einer verpflichtenden Schulveranstaltung gezwungen werden.

In Berlin gibt es kein derartiges Verbot. Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte der Berliner Morgenpost, dass die Bildungsverwaltung die Entscheidung den Schulen überlasse. „Die Schulen und Schulkonferenzen, denen Lehrer, Eltern und Schüler angehören, sollen selbst entscheiden, ob Schulklassen das ‚Menschen Museum‘ besuchen oder nicht“, sagte Stoffers.

Roland Rahmig, Sprecher der Berliner Oberstufenzentren, hält das Vorgehen der Bildungsverwaltung für angemessen. „Die Schulen wissen am besten, was sie ihren Schülern zumuten können“, sagte er. Die Ausstellung sei sehr anschaulich und vermittle den Schülern gut, wie es im menschlichen Körper aussehe und wie dieser funktioniere. „Es gibt keine vergleichbaren Materialien“, sagte Rahmig der Berliner Morgenpost. Themen wie Ernährung, Bewegung oder Fortpflanzung könnten anhand der Exponate anschaulich vermittelt werden. Nicht nur für den Biologieunterricht sei das eine Bereicherung.

Brandenburg steht mit seinem Verbot offenbar also ziemlich allein da. In den vergangenen Tagen haben sich bereits viele Schulklassen für einen Besuch im „Menschen Museum“ angemeldet. Das sagte David Eckel von der Agentur Eckel Presse & PR, die mit der Öffentlichkeitsarbeit des Museums beauftragt ist, der Berliner Morgenpost. „Wir haben schon eine lange Liste von Anmeldungen aus verschiedenen Bundesländern und Berlin.“ Lehrer, die sich für einen Besuch mit ihrer Klasse anmelden, bekommen laut Eckel kostenlos ein umfangreiches Material zur Ausstellung zugeschickt, damit sie ihre Schüler vorbereiten können.

Außerdem werde es Lehrer-Info-Tage geben. Der Geschäftsführer des „Menschen Museums“, Rurik von Hagens, sagte, dass man eine Begleitmappe für Schulklassen erarbeitet habe. „Wir haben die Ausstellung für verschiedene Altersgruppen aufbereitet und mit den Inhalten der Lehrpläne für Biologie abgestimmt.“ Lehrer, die sich auf einen Klassenausflug ins Museum vorbereiten wollen, könnten vorher kostenlos die Ausstellung besichtigen. Bisher habe man nur gute Erfahrungen mit dem Besuch von Schulklassen gemacht, sagte von Hagens.

Keine Altersbeschränkung

Die Ausstellung „Körperwelten“ ist umstritten. Bis zum Schluss mussten die Kuratorin und Plastinator Gunther von Hagens um die Eröffnung ihres Museums bangen. Der Bezirk Mitte wollte die Ausstellung auf der Grundlage des Bestattungsgesetzes verbieten. Zwei Prozesse wurden geführt, zweimal hat das Gericht entschieden, dass Plastinate nicht unter das Bestattungsgesetz fallen. Das Bezirksamt ist in Revision gegangen und hatte ein Zwangsgeld von täglich 10.000 Euro angedroht, sollte die Ausstellung eröffnen. Doch das Gericht hat auch diese Forderung in einem Eilverfahren abgewiesen. Sie sei erleichtert, sagte Angelina Whalley. Sie toure seit 20 Jahren mit der Ausstellung, bereits 40 Millionen Besucher hätten sie gesehen, unter anderem in London, New York und Chicago. „Aber so etwas wie mit dem Bezirksamt Mitte haben wir noch nie erlebt“, sagte die 54-jährige Ärztin.

Eine untere Altersgrenze für den Besuch des „Menschen Museums“ gibt es nicht. Rurik von Hagens sagte, dass auch kleine Kinder sehr interessiert seien. „Schulen empfehlen wir einen Besuch für Schüler von der siebten Klasse an.“ Auf diese Altersgruppe seien auch die Materialien abgestimmt. „Im Biologieunterricht wird dann der menschliche Körper behandelt.“