Prozess

Angeklagte sollen 18-Jährige in Prostitution verkauft haben

Einen Fall von Zwangsprostitution verhandelte das Gericht. Das Opfer sagte aus, erlitt aber während der Verhandlung einen Zusammenbruch.

Sie kann nur wenig sagen. Die Aufregung ist zu groß. Aber den wichtigsten Anklagepunkt bestätigt die 23 Jahre alte Dominica R.: Die Angeklagte Alena K. habe sie im Sommer 2010 an Russen verkauft.

Es geht um Zwangsprostitution in diesem Prozess vor einer Moabiter Strafkammer. Angeklagte sind der 55-jährige Manfred L. und die 47-jährige Alena K. Beide waren nach Aussage von Manfred L. jahrelang ein Paar. Er habe Alena K. in Teplice (Tschechien) kennengelernt, heißt es in einer Erklärung des Angeklagten. Vermutlich war er damals Freier und sie Prostituierte.

Daraus wurde eine feste Beziehung. Die Zeugin Dominica R. sei die Freundin von Alena K.s Sohn Richard gewesen. Und als Richard K. im Sommer 2010 verhaftet wurde, habe Dominica R. um Hilfe gebeten. „Sie wollte sich in Deutschland Geld mit Prostitution verdienen“ , so Manfred L. Dafür habe sie Unterstützung erhalten. Von russischen Zuhältern, Gewalttätigkeiten oder einem Verkauf der jungen Frau wisse er nichts.

Den Ermittlungen zufolge hatten die Angeklagten Dominica R. in die Hände von drei Männern namens Iwan, Slava und Viktor gegeben. Die sollen der jungen Frau den Ausweis abgenommen und sie in ein Bordell am Rande von Dresden gebracht haben. „Um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern“, heißt es im Anklagesatz, „wurde der Zeugin Crystal Meth verabreicht“. Als sie dennoch nicht genug verdient habe, „wurde sie von einem der Russen vergewaltigt und geschlagen“. Als die Zeugin fliehen wollte, seien sie und ihre Familie mit dem Tod bedroht worden.

Verliebt in den „gut aussehenden“ Mann

Dominica R. erzählte vor Gericht, sie sei damals drogensüchtig und Richard K. ein Dealer gewesen. Er sei ein „gut aussehender“ junger Mann, und sie habe sich ihn verliebt. Drei Tage später habe Richard K. sie mit zu sich nach Hause genommen. Und noch einmal zwei Tage später habe ihr Alena K. mitgeteilt, dass ihr Sohn festgenommen worden sei. „Und dann hat sie mich an die Russen verkauft“, sagte Dominica R.

Sie konnte nicht weiter reden, wollte eine Pause, wurde von Begleitern aus dem Verhandlungssaal geführt. Wenig später teilte die Vorsitzende Richterin mit, dass Dominica R. einen Zusammenbruch erlitten habe und ins Krankenhaus geschafft werden musste. Der Prozess wird am 19. Februar fortgesetzt.