Bildungspaket

36 Millionen Euro für mehr Chancengleichheit in Berlin

Nachhilfe, Mittagessen, Klassenfahrt: Kinder bedürftiger Familien profitieren verstärkt vom Bildungspaket. Die meiste Unterstützung floss nach Neukölln, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg.

Immer mehr Berliner Alleinerziehende und Familien nehmen das Angebot des Bildungspakets in Anspruch. Im vergangenen Jahr unterstützte das Land bedürftige Kinder in Kitas und Schulen mit rund 36 Millionen Euro. Das entspricht einem doppelt so hohen Betrag wie nach der Einführung des Bildungspakets vor vier Jahren. Anspruchsberechtigt sind Kinder und Jugendliche bis zum 25. Lebensjahr, deren Eltern Sozialleistungen wie Hartz IV oder Wohngeld erhalten. Mit dem Geld werden die Empfänger darin unterstützt, an Klassenfahrten, Ausflügen oder dem Schulessen teilzunehmen, Nachhilfe zu erhalten oder sich in Sportvereinen zu betätigen.

Die meiste Unterstützung floss im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres mit jeweils rund 2,3 Millionen Euro in Neukölln und Mitte. Genaue Zahlen für die zweite Jahreshälfte liegen nach Angaben der Sozialverwaltung noch nicht vor. Friedrichshain-Kreuzberg unterstützte Bedürftige mit 1,7 Millionen Euro. Rund 1,2 Millionen Euro wandten Tempelhof-Schöneberg, Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf für arme Kitakinder und Schüler auf. Am wenigsten Geld floss in Steglitz-Zehlendorf (490.000 Euro), Treptow-Köpenick (740.000) und Charlottenburg-Wilmersdorf (870.000).

Auch Nachhilfe wird gezahlt

Das meiste Geld wurde zur Finanzierung von Klassenfahrten ausgezahlt (5,99 Millionen Euro). Für Schulbedarf gaben die Bezirke insgesamt 3,2 Millionen aus. Darunter fallen neben der Schulmappe und dem Sportzeug auch Schreib-, Rechen- und Zeichenmaterialien. Für 1,7 Millionen Euro wurden Nachhilfestunden finanziert.

Beim Start des Bildungspaketes vor vier Jahren hatten nur rund zehn Prozent der 200.000 berechtigten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Angebot genutzt. Inzwischen ist die Zahl bei den Schülern und Auszubildenden auf 58 Prozent gestiegen, heißt es in einem Bericht der Sozialverwaltung an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses. Bei Kitakindern beträgt die Quote nach wie vor zehn Prozent. Praktiker in Schulen, Behörden und Vereinen beklagen den bürokratischen Aufwand. Denn für jede einzelne Fördermaßnahme muss ein eigener Antrag gestellt werden.

Damit sich die Zahl derjenigen erhöht, die von dem Paket Gebrauch machen, sind weitere Vereinfachungen im Antragsverfahren geplant. „Seit dem 1. Februar haben wir die Lernförderung erheblich ausgeweitet“, sagt die zuständige Gruppenleiterin der Sozialverwaltung, Carola Kohlfärber. „Jetzt können auch Kosten für die Sprachförderung und zur Erlangung besserer Schulabschlüsse über das Bildungspaket abgerechnet werden.“ Auch BVG-Fahrten zum Sportverein werden erstattet.

Anteil der Kinderarmut unverändert hoch

Um die Leistungen des Pakets bekannter zu machen, haben Sozial- und Jugendverwaltung in der vergangenen Woche eine Werbekampagne gestartet. Mehr bedürftige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sollen daran teilhaben, um ihre Bildungschancen zu erhöhen. „Das Bildungspaket eröffnet Chancen für alle, ganz unabhängig von ihrem Einkommen“, sagte Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle zum Auftakt. „Mit unserer Kampagne wollen wir dazu beitragen, dass Eltern diese Chancen noch stärker für ihre Kinder nutzen.“

Trotz des anhaltenden wirtschaftlichen Booms in Berlin und so viel sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wie nie, ist der Anteil der Kinderarmut unverändert hoch. Den Angaben der Arbeitsagentur zufolge sind besonders Familien mit jungen Kindern betroffen. So sind die Eltern von mehr als 83.000 unter Siebenjährigen auf staatliche Unterstützung angewiesen. Bei den Acht- bis 13-Jährigen gibt es fast 54.000 Betroffene, in der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen sind es rund 31.500 Kinder. Auffallend hoch ist mit etwa 45 Prozent der Anteil der armen Kinder, die bei Alleinerziehenden aufwachsen. In etwa jeder zweiten Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft mit einem oder mehreren Kindern hat mindestens ein Elternteil eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit.

Die Verteilung auf die Bezirke spiegelt die Ausgaben des Bildungspakets wider. Jedes zweite Kind in Mitte lebt in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft. Es folgten Neukölln mit ebenfalls fast 50 Prozent, Marzahn-Hellersdorf (41 Prozent) und Friedrichshain-Kreuzberg (40 Prozent).