Berliner Schulen

„Die Toilette zu benutzen, ist jedes Mal eine Überwindung“

Viele Berliner Schulen müssen dringend saniert werden. Unsere 14 Jahre alte Schülerpraktikantin Nina Sassenroth ist an ihrem Wilmersdorfer Gymnasium direkt davon betroffen. Ein Erfahrungsbericht.

Foto: Krauthoefer

„Es klingelt zur Pause, und alle stürmen raus aus dem Klassenzimmer. Ein großer Teil der Schüler geht auf die Toiletten. Auch ich nutze diese mindestens einmal am Tag, doch leider ist es jedes Mal wieder eine Überwindung. Sich in den Kabinen zu setzen, kommt gar nicht infrage, doch wenn man Pech hat, funktioniert auch die Spülung nicht richtig – oder die Toiletten sind verstopft.

Vor allem die Toiletten der Jungen werden, so gut es geht, gemieden. Die Verschmutzung dort ist wirklich haarsträubend. Auch wenn die Mädchentoiletten erfahrungsgemäß etwas hygienischer sind, gibt es doch auch hier immer wieder Probleme. Für mich ist es beispielsweise jedes Mal ein erfreuliches Wunder, wenn es Toilettenpapier, Papier zum Abtrocknen der Hände und Seife gibt. Von solchen Problemen höre ich auch aus vielen anderen Berliner Schulen. Die neuen Seifenspender, die vor Kurzem installiert wurden, bringen mir leider nichts, wenn sie leer sind. Während in der Arbeitsstelle meiner Mutter jeden Tag dreimal die Putzfrauen kommen, haben wir Glück, wenn sie überhaupt die Toiletten reinigen.

Doch es gibt noch andere Probleme. Besonders im Winter leiden wir oft unter undichten Fenstern. Ungehindert zieht die kalte Luft in die Klassenräume. Das sollten die Heizungen ausgleichen. Ich habe mich zwar bereits damit angefreundet, dass man sie nicht höher als auf Stufe 3 stellen kann, doch dass sie manchmal ganz ausfallen, macht mir zu schaffen. Es dauert ewig, die Klassen danach wieder angenehm warm zu bekommen. Viele Lehrer raten uns dazu, uns noch dicker anzuziehen.“