Förderung

80 Prozent der Kinder wollen mehr Sport machen

In Berlin sind die Kinder besonders sportbegeistert. Doch die wenigsten können so viel Sport machen, wie sie wollen. Das Projekt „Berlin hat Talent“ will das ändern.

Foto: DAVIDS/Fischer / DAVIDS

Der Welt- und Europameister im Wasserspringen ist sich sicher: „Ohne Sichtung hätte ich nie diesen Sport gefunden.“ Er selbst sei ein perfektes Beispiel dafür, wie eine Talentsichtung und -förderung optimal funktionieren könnte, sagt Patrick Hausding. Und eine Verbesserung der Förderung ist in Berlin dringend nötig. Knapp 80 Prozent der Kinder wollen öfter zum Sport, ergab eine in Treptow-Köpenick, Charlottenburg-Wilmersdorf und Lichtenberg durchgeführte Befragung. Den Sportwilligen stehen wenige Kinder gegenüber, die auch tatsächlich genügend Sport treiben. Nur 15 Prozent der vier bis 17-Jährigen in Deutschland erreichen das empfohlene tägliche Mindestmaß von 60 Minuten Bewegung, gibt die Weltgesundheitsorganisation 2014 an.

Damit mehr Kinder ihre sportlichen Ambitionen in die Tat umsetzen können, haben der Landessportbund Berlin und der Berliner Senat das Projekt „Berlin hat Talent“ entwickelt, das am Mittwoch präsentiert wurde. Ziel ist die Qualitätssicherung für den Schulsport, sowie die sportliche Förderung und Forderung von Berliner Kindern.

„Ein solches Projekt ist die gesellschaftspolitische Unterlegung für eine Olympiabewerbung“, ist sich Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin, sicher. Sport müsse ein Fundament der Gesellschaft sein. Auch für den Spitzensport ist Handeln schnellstens erforderlich. „Der Leistungssport in Deutschland ist auf dem Entscheidungsweg“, so Klaus Böger. Soll heißen: Die Sichtung und Förderung des Nachwuchses muss dringend intensiviert und die Situation der Trainer verbessert werden.

Schulen ist es freigestellt, ob sie mitwirken wollen

„Eigentlich hätten wir das schon vor zehn Jahren einführen müssen“, weiß auch Robert Bartko, zweifacher Radsport-Olympiasieger und LSB-Vizepräsident für Leistungssport. Damit in Zukunft Talente genügend gefördert werden können, müsse viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, so Böger. Die Förderung ist freiwillig, die Zeiten eines Leistungssportsystems, wie es in der DDR üblich war, sind längst vorbei.

Auch beim Projekt „Berlin hat Talent“ ist es den Schulen freigestellt mitzuwirken. Die wissenschaftliche Fundierung des Projektes soll der Deutsche Motorik Test (DMT) liefern. 2014 und 2015 beteiligen sich über 3000 Kinder aus Charlottenburg-Wilmersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg. Im Vergleich mit den bundesweiten Ergebnissen gibt es in Berlin mehr sportlich talentierte Schüler, mehr durchschnittlich Begabte und weniger Kinder mit motorischen Defiziten. Von den drei Bezirken zeigte sich Treptow-Köpenick als der sportlich begabteste, während Lichtenberg den höchsten Prozentsatz an Kindern mit motorischen Defiziten hat.

Fortschritt in „unserer bewegungsarmen Zeit“

„Mit diesem Projekt kann die Gesellschaft ein Wirgefühl finden“, so Robert Bartko. Der LSB-Vizepräsident hofft außerdem darauf, die Vielfalt des Sports zu erhalten. Auch Sigrid Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie, erwartet durch „Berlin hat Talent“ einen Fortschritt in unserer „bewegungsarmen Zeit“. Durch Sport solle der „ganze Mensch, das Denken und das Handeln in einen Einklang“ gebracht werden.

Bevor es so weit ist, hat der Sportbund noch einiges geplant. Im weiteren Verlauf dieses Jahres soll die Sichtung und Betreuung von Schülern auf die Stadtbezirke Steglitz-Zehlendorf und Spandau ausgeweitet werden. Die Umsetzung eines systematischen, flächendeckenden Talentscreenings an dem alle der 440 Berliner Grundschulen teilnehmen, soll bis 2016 umgesetzt werden.

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