Kitas

Wie aus Berliner Pädagogen tolle Märchenerzähler werden

Der Erzieher Birger Holz will mit einer Fortbildung andere Pädagogen zu Märchenerzählern ausbilden. Bereits jetzt gibt Hunderte professionelle Geschichtenerzähler in Berlin.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Berlin ist eine Märchenstadt. Es gibt die Märchentage, Kindertheater und Puppenbühnen, die sich auf Märchen spezialisiert haben, und Hunderte Märchenerzähler, die frei arbeiten oder in Vereinen wie Märchenland e.V. und diversen Märchenkreisen organisiert sind und für ein Publikum ab drei Jahre erzählen.

Wie viele Märchenerzähler insgesamt in Berlin unterwegs sind, ist nicht erfasst. Allein der Verein Märchenland hat laut Direktorin Silke Fischer eine Datei mit mehr als 1000 Künstlern, die sich mit Märchen beschäftigen, darunter etwa 500 professionelle Märchenerzähler aus Berlin.

Schulung im freien Erzählen

Wenn es nach Birger Holz ginge, sollte es auch in Berliner Kitas und Grundschulen ausgebildete „Kinder-Märchenerzähler“ geben. Der Berliner Kinderpfleger, Elterntrainer und Dozent hat dafür eine berufsbegleitende Fortbildung entwickelt, die er gemeinsam mit vier weiteren Dozenten und der sozialpädagogischen Bildungsstätte Tempelhofer Forum ab März zum ersten Mal anbietet.

Der über zehn Wochenenden laufende Kurs schult im freien Erzählen und befasst sich mit den Sichtweisen der Hirnforschung und Entwicklungspsychologie, mit der Märchenforschung und der heilenden Kraft von Märchen. Er wird vom Tempelhofer Forum zertifiziert und soll die Absolventen befähigen, Märchen nicht nur frei und spannend zu erzählen, sondern auch gezielt in ihrer Arbeit mit Kindern einzusetzen.

„Kinder brauchen Märchen für ihre Entwicklung, da sind sich Pädagogen, Psychologen, Neurobiologen und Entwicklungsexperten einig“, sagt Birger Holz, der sich vor allem auf die Arbeit des Neurobiologen Gerald Hüther bezieht. Märchen mit ihren klaren Bildern übermitteln Mut, Kraft, Sicherheit und Selbstbewusstsein und können trösten. Darüber hinaus bieten sie eine aktive Sprachförderung, erweitern den Wortschatz und bieten Abenteuerreisen, die Kinder auf das Leben vorbereiten können. Hüther hat die Märchenstunde deshalb auch als „Superdoping für Kindergehirne“ bezeichnet.

Antreten gegen Hörspiele und Fernsehen

„In den Familien werden Märchen heute nicht mehr durch freies Erzählen, sondern meist über Hörspiele und TV-Verfilmungen vermittelt“, sagt Holz. Doch das nehme den Märchen ihre eigentliche Kraft. Diese entfalte sich erst mit den inneren Bildern und der Begeisterung, die der Erzähler bei den Kindern hervorrufe. Die Erzählsituation schaffe zudem Nähe und Vertrauen und könne deshalb gut in der pädagogischen und sozialtherapeutischen Arbeit verankert werden. „Gerade Erzieher wissen, wo die Kinder stehen oder welche Probleme sie gerade bewältigen müssen und können darauf eingehen“, sagt Holz. Märchenlandchefin Silke Fischer hält das Fortbildungsangebot für begrüßenswert. Unter anderem im Rahmen der Märchentage würden derartige Fortbildungen angeboten, sagt sie. „Jede Art, sich den Märchen und deren Erzählen zu widmen, ist wichtig“, so Fischer. Wenn Pädagogen die Lerninhalte durch Märchenerzählen vertiefen und sich profilieren, könne sie das nur begrüßen!

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