Kommentar

Die Deutschen vertrauen der Polizei - zu Recht

84 Prozent der Deutschen vertrauen der Polizei. Ein gutes Signal. Auch sonst zeigt eine Umfrage, dass Deutschland kein sich radikalisierendes Land ist - Pegida zum Trotz, meint Jochim Stoltenberg.

Viele werden es kaum glauben: Die Deutschen (84 Prozent) vertrauen ihren Polizisten. Nach der Umfrage des Berliner Forsa-Instituts genießt die Polizei in einem Ranking der politischen Institutionen das höchste Ansehen im Land. Das ist nicht allein Balsam für die Spitzen in den Innenministerien und Polizeipräsidien, sondern mehr noch für die Beamtinnen und Beamten, die in ihrem täglichen Einsatz für unser aller Sicherheit sorgen. Ein Dienst, der bisweilen gefährlich ist und angesichts von provokativen Beschimpfungen bis hin zu Beleidigungen zudem auch immer öfter deeskalierendes psychologisches Einfühlungsvermögen verlangt.

Und dass die Polizei nach gewaltsamen Demonstrationen wegen ihres angeblich zu martialischen Aufmarschierens ritualhaft als Auslöser für diese verantwortlich gemacht wird, ist seit einiger Zeit auch seltener aus ernst zu nehmenden Kreisen der politischen Linken zu vernehmen. Das hat mit deren besserer Einsicht in die Realitäten ebenso zu tun wie mit verfeinerten Sicherungskonzepten der Polizei. Hinzu kommt das wachsende Schutzbedürfnis der Bevölkerung angesichts der latenten Anschlagsgefahr durch kriegerische Islamisten. Diese Erwartung haben die deutschen Sicherheitsbehörden gottlob bislang erfüllen können. Auch das schafft Vertrauen. Und sollte all denen endlich zu denken geben, die die Sicherheitsbehörden als größeres Risiko für unsere Freiheit erachten als potenzielle Terroristen.

Dass nach den Universitäten (78 Prozent) und dem eigenen Arbeitgeber (75) die politische Ebene mit dem Bundesverfassungsgericht (74), dem Bundespräsidenten (72), der Bundeskanzlerin (65), der Bundeswehr (55), der Bundesregierung (53) und selbst noch dem Bundestag (50 Prozent) am stärksten auf das Vertrauen der Bürger zählen kann, widerlegt einen weiteren sich verbreitenden Eindruck: Deutschland ist kein sich radikalisierendes Land – Pegida hin, Anti-Pedgida her, Islamismus mittendrin. Demonstrationen – friedlich und im rechtlichen Rahmen – sind demokratisch legitimiert. Ob einem das passt oder nicht. In Dresden oder Leipzig mag die Stimmung aufgeheizt sein. Symptomatisch für das ganze Land ist sie wahrlich nicht.

Umso erstaunlicher, dass das US-Außenministerium wegen Pegida eine Reisewarnung an die Amerikaner für Deutschland herausgegeben hat. Zu den Städten, in denen zu besonderer Vorsicht ermahnt wird, zählt Berlin. Unter Freunden muss der Hinweis erlaubt sein, dass die Verfasser im State Departement nicht besonders gut informiert sind.