Adlershof

Tod von Maria P. – Das Kind war dem Täter „egal“

Nach dem brutalen Mord an der hochschwangeren Maria P. versuchen Ermittler die Tat zu klären. Eine Psychologin der Charité sieht bei dem Täter große Brutalität. Die Tat sei geplant gewesen.

Foto: Paul Zinken / dpa

In wenigen Wochen sollte für Maria P. mit der Geburt ihrer Tochter ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Stattdessen endeten vergangene Woche zwei Leben zu früh: Das von Maria P. – und das ihrer noch ungeborenen Tochter. Die hochschwangere 19-Jährige wurde vergangenen Donnerstagabend in der Köllnischen Heide, einem Waldstück in Adlershof, lebend verbrannt. Zuvor war sie mit zwei Stichen in den Unterleib verletzt worden. Nur 48 Stunden nach der brutalen Tat saßen zwei Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Einer ist Eren T., der Marias Ex-Freund und nach eigenen Angaben der Vater des ungeborenen Mädchens war. Der zweite Festgenommene ist ein Bekannter von Eren T.

Stück für Stück wird die Nacht, in der Maria P. umgebracht wurde, von der Polizei nachkonstruiert. Das Ausmaß an Brutalität kann jedoch keiner nachvollziehen. Selbst erfahrene Experten sind von dem drastischen Vorgehen der Täter schockiert. „Der Täter hat nicht nur die Frau umgebracht, sondern auch versucht, das eigene Kind in ihrem Leib zu ermorden – das ist sehr ungewöhnlich und zeigt große Brutalität“, sagt die Psychologin und Psychiaterin Isabella Heuser der Berliner Morgenpost. Heuser ist Leiterin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité am Campus Benjamin Franklin in Lichterfelde. In dem Fall von Maria P. ist sie selbst nicht involviert, trotzdem ist sie sich sicher, dass der Mord geplant war.

„Der junge Mann hatte ein Messer dabei. Maria wurde mit Benzin übergossen. Und er hat sich Hilfe mitgenommen. Das alles spricht dafür, dass die Tat vorbereitet war – was sie umso grauenhafter macht.“ Wegen der andauernden Ermittlungen machten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag keine Angabe zur Frage, wie das Benzin an den Tatort kam, was Rückschlüsse auf einen Vorsatz hinsichtlich der Verbrennung liefern dürfte. Auch ob die junge Frau mit Gewalt in den abgelegenen Wald verschleppt wurde, blieb am Montag ungewiss. Es scheint jedoch fragwürdig, ob eine junge Frau freiwillig kurz vor der Entbindung nachts mit ihrem Ex-Freund in einen Wald fahren würde.

„Das Kind war ihm egal“

Am Montag war erst wenig über die Beziehung zwischen Maria P. und ihrem Ex-Freund bekannt. Laut ihrem Facebook-Profil kam sie 2012 mit Eren T. zusammen. Gegenüber der „B.Z.“ sagte eine Freundin, die Schwangerschaft wäre der Grund für die spätere Trennung gewesen. Nach Angaben von Justizsprecher Martin Steltner war die Schwangerschaft nach den derzeitigen Erkenntnissen in jedem Fall der Konfliktpunkt zwischen dem einstigen Paar. Der Tatverdächtige habe die Schwangerschaft beziehungsweise das Kind nicht akzeptiert. Ob der 19-Jährige, der nach Morgenpost-Informationen bis zu seiner Festnahme im Kiez zwischen Karl-Marx-Straße und Richardstraße wohnte, die Schwangere bedroht oder zur Abtreibung gedrängt hatte, ist unklar.

Nach Psychologin Heusers Einschätzung wollte Eren T. jedoch an erster Stelle seiner Freundin „etwas Schlimmes antun“. Das Kind sei ihm dabei „egal“ gewesen. Dieser Fall sei daher nicht als Infantizid zu verstehen. Bei Infantizid – dem Töten von Neugeborenen – seien normalerweise depressive Mütter die Täterinnen. „Die Babys werden aber in der Regel nicht aktiv getötet, sondern zurückgelassen“, so Heuser weiter. Frauen, die ihre Kinder töten, fühlen sich oft von ihrer Rolle als Mutter überfordert und handeln aus einem Gefühl der Hilflosigkeit heraus. Anders sei dieser Fall, wo jemand nach Heusers Einschätzung „sadistisch gemordet“ habe.

Vermisstenanzeige aufgegeben

Vorbestraft war der ebenfalls 19-Jährige jedoch nicht. Er fiel Ermittlern so früh auf, nachdem er selbst Freitagnacht zur Polizei gegangen war. Dort gab er an, sich über seine Ex-Freundin Sorgen zu machen und eine Vermisstenanzeige aufgeben zu wollen. „Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, um Verdacht auf seinen Bekannten zu lenken“, so Steltner. Doch im Gespräch mit den Polizisten verstrickte sich der 19-Jährige in Widersprüche – und wurde schließlich als Tatverdächtiger festgenommen.

Einen Tag später wurde auch sein mutmaßlicher Komplize gefasst. Bei ihm handelt es sich nach Informationen dieser Zeitung um Daniel M., der im Gegensatz zu Eren T. bereits wegen geringfügiger Straftaten auffiel. Es scheint seltsam, dass ein polizeilich unbelasteter Mann plötzlich so einen Mord ausüben kann. Doch nicht jede Auffälligkeit wird von der Polizei gleich registriert. Die Psychologin Isabella Heuser vermutet, Eren T. wäre seinem sozialen Umfeld sehr wohl aufgefallen. Zum Beispiel könne sie sich gut vorstellen, dass er Probleme mit Emotionsregulierungen hat. „Unzurechnungsfähig ist er aber nicht. Er hat sich zu jedem Zeitpunkt steuern können. Dieser Täter ist absolut schuldfähig“, sagt Heuser. „Mir scheint dieser Mensch wie jemand, dem jegliche Empathie fehlt.“

Eren T. hat eingeräumt, Vater des ungeborenen Kindes zu sein. Und zwar, bevor die noch ausstehende DNA-Analyse dies zweifelsfrei geklärt hat. Zum Tatvorwurf äußert sich der Beschuldigte nach wie vor nicht.