Nord-Süd-Tunnel

S-Bahn-Sperrung - Volle Ersatzbusse und verwirrte Fahrgäste

Seit Freitagabend ist der Nord-Süd-Tunnel für den Zugverkehr gesperrt. Am Montagmorgen kam es im Berliner Berufsverkehr zu Behinderungen. Doch viele Fahrgäste waren darauf eingestellt.

Foto: Lorenz Vossen

Seit Freitagabend bis voraussichtlich 4. Mai ist der Nord-Süd-Tunnel für den Zugverkehr komplett gesperrt. Betroffen sind rund 100.000 Fahrgäste, die dort täglich mit den Linien S1, S2 und S25 unterwegs sind. Sie müssen sich nun fast vier Monate lang neue Fahrwege suchen. Erschwerend kommt für sie hinzu, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf wichtigen U-Bahn-Linien gleichzeitig bauen.

Am Montagmorgen hat die Sperrung zahlreiche Pendler im Berufsverkehr kalt erwischt - andere Nutzer des Berliner Nahverkehrs haben die Behinderungen eingeplant und die bereitgestellten Ersatzbusse genutzt. Hinzu kamen Verspätungen auf den S-Bahn-Linien S45, S46, S47, S8, S85 und S9, wie die S-Bahn am Vormittag mitteilte.

So leer war die S1 ab Schöneberg an einem Montagmorgen wohl noch nie: Die meisten Fahrgäste sind ausgestiegen und haben die Ringbahn genommen.

An der Yorckstraße machen sich dann gut 50 Leute auf dem Weg zum Ersatzbus. Den finden Sie auch recht zielsicher trotz der eher dürftigen Wegbeschreibung.

Ersatzbusse quälen sich durch den Berufsverkehr

Immerhin: Der Bus steht schon bereit. Bernd, ein Angestellter aus Mitte, ist "den Umständen entsprechend zufrieden." Er muss nur bis zum Anhalter Bahnhof, trotzdem kostet ihn die Sperrung "mindestens eine Viertelstunde". Mehr Schwierigkeiten haben ein paar Touristen, sie verstehen nicht so ganz, wie sie jetzt zum Potsdamer Platz kommen sollen.

Auf dem Weg zum Potsdamer Platz quält sich der Ersatzbus durch den dichten Verkehr. Am Potsdamer Platz wird es im Fahrzeug merklich voller. Viele Leute bekommen nur einen Stehplatz, es ist heiß.

Selbst nach Ende des gröbsten Berufsverkehrs ist die U6 immer noch sehr voll. Nur mit Mühe lässt es sich noch einsteigen. Aber klar: Die Linie ist die direkteste Umfahrungsmöglichkeit auf der Nord-Süd-Strecke. Ein paar Leute verzichten, sie wollen den nächsten Zug nehmen.

Nahezu verlassen ist dagegen der Bahnhof Friedrichstrasse. "Wir haben kaum Kunden", sagt ein Verkäufer einer Bäckerei. "Und das jetzt drei Monate lang." Ob er das gut oder schlecht findet? "Man gewöhnt sich an alles."

Geändertes Linienkonzept verwirrt Fahrgäste

Das geänderte Linienkonzept der S-Bahn im Norden sorgte am Montagvormittag bei vielen Fahrgästen immer noch für Verwirrung: Statt der S25 fährt die S8 nach Hennigsdorf, statt der S2 die S9 nach Bernau und die S85 nach Buch. In der Gegenrichtung: S85 nach Schöneweide, S9 nach Schönefeld und S8 nach Grünau. Fahrgast Michael Winter aus Pankow: "Das Umfahrungskonzept der S-Bahn ist nicht leicht zu verstehen - vor allem die vielen Linienänderungen hier im Norden. Da muss man höllisch aufpassen, dass man nicht plötzlich im falschen Zug sitzt." An der Haltestelle für den SEV am Bahnhof Gesundbrunnen stehen auch zwei S-Bahn-Mitarbeiterinnen und geben Hinweise, wie man besten weiterkommt - nur wenige Fahrgäste nehmen diese Hilfe in Anspruch.

Was dagegen gut funktioniert - die Durchsagen der Triebfahrzeugführer im Zug mit dem Hinweis: Wer in die Innenstadt will, sollte auf die Ringbahn umsteigen. Sogar zum Teil auf Englisch wird dies den Fahrgästen mitgeteilt.

>>>Mobilnutzer finden den Plan für die Umfahrung hier <<<

S-Bahn richtet Ersatzlinien ein

Die S-Bahn richtet parallel zur gesperrten Strecke zwei Ersatzlinien mit Bussen ein (SEV Nord und Süd). Umsteigepunkt für beide Linien ist der Bahnhof Friedrichstraße. Die SEV-Busse sind aber keine Alternative für Reisende, die die gesamte gesperrte Strecke zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Yorckstraße überbrücken wollen. Wegen der in der Innenstadt häufig zugestauten Straßen benötigen die Busse im Vergleich zur S-Bahn mindestens 30 Minuten länger. Jens Hebbe, Fahrplanmanager bei der S-Bahn, empfiehlt den Fahrgästen die Baustelle möglichst mit der Ringbahn zu umfahren. Jedoch verkehren auf den Ringbahnlinien S41 und S42 wie zuvor nur Sechs-Wagen-Züge im üblichen Zehn-Minuten-Takt (im Berufsverkehr alle fünf Minuten).

Zusätzliche Kapazitäten will die S-Bahn vor allem im Norden durch ein geändertes Linienkonzept schaffen: So fährt ab Bernau statt der gewohnten S2 die S9 über Pankow und Ostkreuz nach Flughafen Schönefeld. Von Buch aus fährt ab Freitagabend die S85 über den östlichen Ring nach Grünau. Die S8 übernimmt zwischen Bornholmer Straße und Hennigsdorf die Aufgaben der S25. Das Angebot auf dem westlichen Ring wird während der Bauzeit durch eine bis nach Birkenwerder verlängerte Linie S45 verstärkt. Fahrgastvertreter bezweifeln indes, ob das Angebot auf der Ringbahn für die vielen zusätzlichen Reisenden ausreichen wird.

>>> Die wichtigsten Antworten zur S-Bahn-Sperrung