Metrolinien

Tempo 14,2 - Berlins langsamste Busse aller Zeiten

Die Metrobusse der BVG schleichen durch Berlin. Das durchschnittliche Tempo auf den Metrolinien ist auf ein Rekordtief gesunken. Experten fordern eine bessere Ampelschaltung.

Foto: Reto Klar / ZGB

Der M41 hat es sogar auf das Cover einer Schallplatte geschafft. Das Stück „M41, du kommst nie allein“ einer Neuköllner Band klingt ein bisschen nach Neue Deutsche Welle. „Du bist der Bus, der im Rudel fährt, und an unseren Nerven zerrt“, heißt es da lakonisch im Text, und diese Zeile sitzt. Denn so flott wie der Song ist der M41 nicht, regelmäßig schleichen auf der Linie zwischen Hauptbahnhof und Sonnenallee drei oder vier Busse hintereinander her. Das Resultat außer Musik: Verspätungen und strapazierte Nerven.

Doch ob M41, M46 oder M29: Berlins Metrobusse werden nicht schneller. Mit Beginn des neuen Jahres sind die gelben Gefährte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) innerhalb des S-Bahn-Rings mit nur durchschnittlich 14,2 Stundenkilometern unterwegs – in der Nachkriegszeit ein Tiefstwert. Das ergibt eine Fahrplanauswertung des Bundes für Naturschutz und Umwelt Berlin (BUND), die am Freitag vorgelegt wurde.

Pünktlichkeitsvorgabe verfehlt

Anfang der 60er-Jahre lag das Tempo demzufolge bei knapp 17 Kilometern pro Stunde, Mitte der 90er-Jahre waren es immerhin noch 15. Dass die Werte inzwischen im Keller sind, liegt laut BUND an den Dauerbaustellen auf den Linien M27 und M46. „Häufig wird bei einer Baustelle zuerst die Busspur aufgehoben“, kritisiert BUND-Experte Simon Heller. Doch das ist nur ein Aspekt. Auch zugeparkte Busspuren, mehr Fahrgäste und unzureichende Ampelschaltungen sind Gründe für die Misere. In den letzten Jahren konnten die BVG-Busse den vorgeschriebenen Pünktlichkeitswert von 87 Prozent nie erreichen. Die Metrobusse, die auf den stark befahrenen Hauptstraßen unterwegs sind, bekommen das Verkehrschaos am stärksten zu spüren.

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Besonders die Umsetzung des Beschleunigungsprogramms lahmt. In dessen Rahmen wurden bislang 70 Prozent der 1400 relevanten Ampeln für Busse und Trams mit einer Vorrangschaltung ausgerüstet. Bei dieser werden die öffentlichen Verkehrsmittel bevorzugt, im Idealfall halten sie dann nur noch an den Haltestellen. Doch seit 2012 kamen im Durchschnitt nur noch 23 Ampeln pro Jahr hinzu. Bei der Tram ist die Umrüstung vollzogen, für die Busse nicht, mehr als 400 Ampeln fehlen noch. Im aktuellen Nahverkehrsplan konstatiert der Senat: Die ursprünglich geplante Realisierung von 100 Ampeln jährlich war unrealistisch. Die Senatsverkehrsverwaltung räumt gegenüber der Berliner Morgenpost Probleme ein: die Abstimmung zwischen den verschiedenen Institutionen, Maßnahmen für Fußgänger und Radfahrer, die berücksichtigt werden müssen, außerdem„Personalengpässe“ bei der Verkehrslenkung Berlin. Die Behörde soll personell aufgestockt werden, ob das bei der Busbeschleunigung hilft, bleibt abzuwarten. Bis dahin gilt: Langsame Busse kosten Berlin Geld. Laut BUND könnten Beschleunigungsmaßnahmen pro Jahr 37.500 Beförderungsstunden einsparen, dies entspreche einem Bestellerentgelt von 1,5 Millionen Euro. Zudem könnten bis zu fünf Prozent Neukunden gewonnen werden, was zusätzliche Fahrgeldeinnahmen von 1,4Millionen Euro bedeute. Als Vorbild wird München genannt. Dort seien viele Linien unter hoher Effizienz und Transparenz beschleunigt worden.

Vorrangschaltungen an Ampeln oft aus

In Berlin hapert es aber offenbar schon an Kleinigkeiten. Aus BVG-Kreisen ist zu vernehmen, dass manche Ampeln zwar Vorrangschaltung haben, diese aber nach einmaligem Abschalten – etwa wegen eines Staatsbesuchs – nicht wieder eingeschaltet wurden. So offenbar geschehen an der Kreuzung Potsdamer Platz/Leipziger Straße. Die Forderung der BVG sind gar nicht durchgängige Vorrangschaltungen, sondern nur zu Stoßzeiten wie im Schülerverkehr. „Die technischen Möglichkeiten gibt es, sie werden nur nicht genutzt“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Wie sämtliche Experten hält die BVG Vorrangschaltungen für eine, nicht aber für die alleinige Lösung. Beispiel Sonnenallee, wo der M41 fährt. „Dort bräuchte es ein Bündel an Maßnahmen“, so Reetz. Etwa eine eigene Busspur oder sogenannte Kaps, vorgezogene Haltestellen, mit denen sich die Fahrzeuge leichter in den Verkehr einfädeln können. Laut BVG wird derzeit ein Maßnahmenpaket für die Sonnenallee abgestimmt, nach der Umsetzung soll der Takt dann von fünf auf zeitweise vier Minuten verkürzt werden.

Geht es nach dem Fahrgastverband Igeb, würde auf der Sonnenallee eine Tram gebaut. Den M41 nutzen täglich 40.000 Fahrgäste, „das entspricht vom Aufkommen her einer Straßenbahn-Linie“, sagt Sprecher Jens Wieseke. Auch wenn es eine solche wohl niemals geben wird, die Vorstellung ist charmant. Der M41, der „Bus, der im Rudel fährt“, wäre dann überflüssig, er wäre nur noch eine Erinnerung auf Schallplatte.