Schwerer Autounfall

Berliner Familie stirbt bei Frontalzusammenstoß in Namibia

Nur die 16-jährige Tochter überlebte den Crash an der Atlantikküste, ihre ältere Schwester starb im Wrack, ihre Eltern waren sofort tot. Ein Toyota-Geländewagen war frontal in ihr Auto gerast.

Foto: Erwin Leuschner / Allgemeine Zeitung Namibia

Bei einem schweren Autounfall an Namibias Atlantikküste sind kurz vor dem Jahreswechsel drei Berliner ums Leben gekommen. Die örtliche Polizei veröffentlichte am Donnerstag die Namen der insgesamt sechs Todesopfer. Demnach handelt es sich bei den toten Deutschen um ein Arzt-Ehepaar aus Berlin sowie deren Tochter. Die zweite, minderjährige Tochter überlebte als einzige mit leichten Verletzungen. Das Auswärtige Amt in Berlin und die deutsche Botschaft in Windhuk hatten den Tod der Deutschen schon am Silvestertag bestätigt. Der Unfall habe sich am Montag ereignet, sagte ein Botschaftssprecher.

Die Familie war mit einem weißen Ford Ranger auf der C34 unterwegs, einer verdichteten Salzpiste, die unmittelbar zwischen Atlantik und Namib-Wüste an der Küste des südwestafrikanischen Staates verläuft. Auf Höhe des Abzweigs nach Jakkalsputz nahe des Ferienortes Henties Bay kam ihnen nach ersten Erkenntnissen gegen 17 Uhr auf ihrer eigenen Fahrbahn ein Toyota-Geländewagen aus der Küstenstadt Swakopmund entgegen. Dorthin fuhr die Familie nach einem Aufenthalt in Henties Bay.

Eine Tochter überlebte

Der Fahrer des Toyota hatte offenbar zu einem Überholmanöver angesetzt. Die Fahrzeuge stießen frontal zusammen. Die Doppelkabine des Ford wurde durch die Wucht des Aufpralls bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Die Eltern der beiden Mädchen waren sofort tot. Rettungskräfte der Swakopmunder Feuerwehr versuchten, die ältere Tochter aus dem Wrack zu befreien, sie erlag aber noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen. Nur ihre minderjährige Schwester überlebte.

„In meinen 30 Jahren als Sanitäter war dies einer der entsetzlichsten Unfälle, die ich je gesehen habe“, sagte Brian Louw, Direktor eines privaten Rettungsdienstes aus Henties Bay der deutschsprachigen namibischen „Allgemeinen Zeitung“. „Es ist tragisch, dass ein Mädchen aus dem Ausland als Waise zurückbleibt.“ Die Minderjährige wurde in Swakopmund behandelt und dann ins Krankenhaus in die Nachbarstadt Walvis Bay gebracht. Sie sollte schnellstmöglich nach Deutschland ausgeflogen werden.

Auch im Toyota starben drei Menschen, alle Namibier. Der Wagen fing nach dem Unfall sofort Feuer, meterhohe Flammen schlugen aus dem Wrack, starke Rauchentwicklung machte die Unfallstelle weithin sichtbar. Ersthelfern gelang es noch, den Fahrer ins Freie zu ziehen. Die anderen Insassen verbrannten. Rettungskräfte brachten den Schwerverletzten ins Krankenhaus. Gegen ihn ermittelt nun die namibische Polizei Nampol.

Warnung vor rücksichtslosem Fahrstil

Namibia gilt als sicheres Reiseland, allerdings gibt es weltweit nirgends so viele Unfalltote im Verhältnis zur Einwohnerzahl wie in dem südwestafrikanischen Land. Auch das Auswärtige Amt mahnt eindringlich zur Vorsicht, warnt auf seiner Website explizit vor Frontalzusammenstößen. Im Boulevardblatt „Namibian Sun“ erhob Brian Louw vom Rettungsdienst schwere Vorwürfe gegen die namibischen Autofahrer. Ihr Verhalten sei „unglaublich“. Selbst auf Straßen mit durchgezogener Linie wird in Namibia oft hochriskant überholt. Dazu kommt, dass entlang der Küste Namibias häufig Nebel die Sicht behindert, wenn der Wind kalte Atlantikluft Richtung Wüste schiebt.

Insbesondere während der namibischen Weihnachtsferien geschehen zahlreiche schwere Unfälle. In dieser Zeit ist Hochsommer. Viele Namibier fahren zur Abkühlung an die Küste. Auch Touristen aus dem südlichen Afrika schätzen das dortige Freizeitangebot. Der starke Reiseverkehr in Verbindung mit dem riskanten Verhalten der Fahrer forderte allein zwischen dem 22. November und 28. Dezember 31 Verkehrstote, teilte der Namibische Unfallfonds MVA mit.

Insgesamt hätten sich in dieser Zeit 433 Verkehrsunfälle im Land ereignet, bei denen 851 Menschen verletzt wurden. Die namibische Polizei kontrolliert während der Feiertage Autofahrer besonders intensiv, unter anderem auf Alkoholisierung. Außerdem stehen an Unfallschwerpunkten entlang der Küste während der Hochsaison vier moderne Rettungswagen bereit. Die West Coast Safety Initiative dokumentiert Unfälle an der Küste - so auch diesen.

In Namibia berichtete der Sender nbc TV über den Unfall:

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