Wintereinbruch

Erster Schnee bringt die S-Bahn ins Stottern

Kaum fällt in Berlin der erste Schnee, gibt es wieder Probleme bei der S-Bahn. Im Internet hagelte es Spott für das Unternehmen, doch das Unternehmen wehrt sich gegen die Kritik.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Schnee in den Weichen hat am Montag den Verkehr auf mehreren S-Bahnstrecken stark behindert und teilweise sogar lahmgelegt. Auf der Linie S8 musste ein Schienersatzverkehr mit Bussen eingerichtet werden, auf anderen Strecken wurden Passagiere gebeten, in die Busse der BVG und die Regionalbahn umzusteigen.

In den sozialen Netzwerken sorgten die Probleme für Spott – und für die Frage, warum die S-Bahn auf den Winter so schlecht vorbereitet ist. Diesen Vorwurf wies ein Bahnsprecher zurück. Vor Flugschnee könne man sich nicht schützen. Der leichte Schnee setze sich in den Weichenzungen fest, die Weiche könne nicht richtig schließen, deshalb gebe es für den heranfahrenden Zug keine Freischaltung. Dagegen helfe auch eine Weichenheizung nicht. „Der Schnee muss mit einem Besen herausgefegt werden.“

Der Bahnsprecher wehrt sich gegen Kritik, die S-Bahn bekomme die Probleme nicht in den Griff: „An vier Weichen kam es zu Problemen. Das ist bei der großen Zahl der Weichen in ganz Berlin nicht viel.“ Trotzdem seien die Auswirkungen für die Bahnkunden, die am Gleis warten oder in einen Bus umsteigen müssten, natürlich ärgerlich. Besonders betroffen waren Fahrgäste im Südosten Berlins wegen einer Weichenstörung in Baumschulenweg sowie in Pankow, wo wegen einer Störung in Blankenburg Schienenersatzverkehr eingerichtet wurde.

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Der Fahrgastverband Igeb, der die S-Bahn in der Vergangenheit immer wieder heftig kritisiert hatte, sieht den Start in den Winter in diesem Jahr dennoch entspannt: „Die Situation beunruhigt mich nicht wirklich“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Jens Wieseke. Es habe beim ersten Schnee nicht den Total-Ausfall vergangener Jahre gegeben, sondern lediglich ein „Stottern“. „Wir müssen wieder lernen, bei einer solchen Witterungslage zu sagen: Dann warte ich eben mal zehn Minuten.“ Ihn beunruhigten eher die Weichen- und Signalstörungen der vergangenen Tage, die nicht durch das Wetter verursacht wurden.

Fahrgäste, die noch am Vormittag lange auf die nächste Bahn warten mussten, sahen das anders: „Jetzt war wirklich Zeit genug, um den Schnee in den Griff zu bekommen“, sagte eine S-Bahn-Kundin, deren Bahn um elf Uhr am Westkreuz eine Viertelstunde verspätet war. Dass es lange dauerte, bis die Weichen freigefegt wurden, sieht auch Igeb-Sprecher Wieseke kritisch: Früher sei die Bahnhofsaufsicht ausgebildeter Betriebseisenbahner gewesen. „Der konnte viel schneller eingreifen und eine Weiche säubern.“ Heute kommen die Schneeräumkräfte von mehreren zentralen Orten in der Stadt, um die Weichen zu reinigen.

Züge müssen warten, bis die Strecke frei ist

Zudem habe es mit mehr Personal schneller die Möglichkeit gegeben, Pendelverkehre einzurichten, sagte Wieseke. Jetzt hingegen müssten die Züge warten, bis die Strecke frei sei. Dabei räche sich, dass viele Strecken-Abschnitte in Berlin eingleisig seien: „Jede Verspätung schlägt auf den Gegenzug durch.“ Auch deshalb gab es am Montag noch zahlreiche Verspätungen, als die Weichenstörungen bereits behoben waren. Ein S-Bahn-Fahrer sagte der Berliner Morgenpost am Mittag, dass die Bahn den Fahrplan weiterhin nicht einhalten könne: „Hier herrscht Chaos.“

Schlitten gehören zu den Verkaufsschlagern

Ansonsten genossen die Berliner den Schnee. Fabian, der mit seinem Vater am Montag am Teufelsberg auf der Skipiste rodelt, ist nicht ganz zufrieden: „Der Schnee ist zu locker“, sagt der Zehnjährige. Sein Vater stimmt ihm zu: „Die Unterlage fehlt, der Neuschnee ist schnell weggerodelt.“ An einigen Stellen kommt bereits die Erde durch. Vater und Sohn haben trotzdem Spaß: „Wir bleiben noch länger hier.“

Schlitten gehörten beim Traditionsunternehmen Eisen-Döring am Kaiserdamm am Montag zu den Verkaufsschlagern: Zwölf habe er verkauft, sagte Helmut Döring am Nachmittag. Er habe aber noch Nachschub für diejenigen auf Lager, die den Dienstag auf einer der Berliner Rodelpisten verbringen wollen – bei Neuschnee. Etwa ab Mitternacht kommt nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam in der Prignitz Schneefall auf, der gegen Morgen den Berliner Raum erreicht.

Dabei sind bis zum Vormittag vor allem in den westlichen Landesteilen ein bis fünf Zentimeter Neuschnee möglich. „Die Höchsttemperaturen werden von minus vier auf null Grad am Nachmittag steigen. „In der Sonne kann es aber schon kräftig tauen“, so Thomas Endolat, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes. Allerdings werde dieses Wintervergnügen damit schon wieder beendet sein. „Am Mittwoch erwartet uns richtiges Schmuddelwetter“, sagt der Meteorologe.

Eisschicht ist noch viel zu dünn

Auf manchen Teichen in den Berliner Parks und Gartenanlagen hat sich in den vergangenen Tagen bereits eine dünne, mit Schnee bedeckte Eisfläche gebildet. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt davor, das dünne Eis zu betreten. Die Eisschichten müssten mindestens 15 Zentimeter dick sein, damit sie tragfähig seien, so die DLRG. Doch eine solche Eisschicht hat sich selbst auf den kleinsten Gewässerflächen noch längst nicht gebildet.

Die Silvesternacht am Brandenburger Tor wird laut Endolat zwar kalt – aber wahrscheinlich nicht eisig. „Wir erreichen etwa zwei bis drei Grad. Es ist mit leichtem Niederschlag zu rechnen“, so der Meteorologe weiter. Die gute Nachricht sei jedoch, dass der Nieselregen gegen Abend aufhören werde und die Besucher der Festmeile zumindest nicht nass würden. Allerdings: „Eine klare Sicht auf das Feuerwerk wird es wohl auch in diesem Jahr nicht geben“, sagt der Wetter-Experte. In Berlin ist ein Teil der Straße des 17. Juni für Deutschlands größte Silvesterparty gesperrt – bis einschließlich 2. Januar. Besuchern wurde empfohlen, zur 20. Jahreswechsel-Feier an Berlins Wahrzeichen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen. Zu den Silvesterfeierlichkeiten werden wieder etwa eine Million Touristen am Brandenburger Tor erwartet.

BSR mit 2100 Beschäftigten und 540 Fahrzeugen im Einsatz

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) kämpft seit dem frühen Montagmorgen gegen den Schnee und die Glätte. „Wir sind massiv im Einsatz – mit insgesamt 2100 Beschäftigten und 540 Fahrzeugen in mehreren Schichten“, so Sebastian Harnisch, Sprecher des Unternehmens. Um zwei Uhr morgens sei es mit dem Winterdiensteinsatz richtig losgegangen; zuerst auf den Hauptstraßen und auf der Stadtautobahn, danach auf Fußgängerüberwegen und auf Nebenstraßen. Außerdem ist die BSR für Haltestellen, Radwege sowie einige wichtige Plätze und Fußgängerzonen verantwortlich. Die Gehwege räumt die Stadtreinigung nicht. „Das ist Aufgabe der Anlieger“, betonte Harnisch.

Auch für die Nacht zum Dienstag hat sich die BSR zum Großeinsatz gerüstet. „Es gibt eine Extra-Nachtschicht. Außerdem beginnt die Frühschicht bereits um drei Uhr statt wie sonst gegen sechs Uhr“, sagte Harnisch. „Wir sind rund um die Uhr mit Räumen und Streuen im Einsatz“, so der BSR-Sprecher weiter. Die BSR verantwortet unter anderem den Winterdienst auf insgesamt 10.800 Kilometer Fahrbahnen und 58.000 Fußgängerüberwegen.

Schnee-Chaos auf den Straßen blieb aus

Das befürchtete Schnee-Chaos auf den Straßen der Hauptstadt sei am Montag ausgeblieben, sagte eine Sprecherin der Berliner Polizei. Die Ferienzeit könne dabei eine Rolle spielen. „Es sind nicht viele Leute unterwegs“, sagte die Sprecherin weiter. Auf den Straßen in Brandenburg war die Situation in den Morgenstunden ähnlich entspannt. Ihre Autos hatten die meisten Berliner offenbar gut auf den Wintereinbruch vorbereitet, es habe wenige Anrufe von Kunden gegeben, die noch schnell Winterreifen aufziehen lassen wollten, wie Mitarbeiter mehrerer Reifendienste berichteten.

Schnee und eisige Temperaturen machen es Amseln, Spatzen & Co. in dieser Jahreszeit schwer, Nahrung zu finden. Doch wer füttern will, könne auch viel falsch machen, sagte Derk Ehlert, Wildtierbeauftragter des Landes Berlin am Montag. Auf keinen Fall sollten etwa alte Speisereste oder salziges Brot auf dem Balkon oder der Fensterbank landen. Am besten sei es, eine Mischung aus Körnern, Früchten und Rosinen anzubieten. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Futterstelle stets sauber bleibt und ab und zu mal gereinigt wird.

„Die ökologischste Variante ist jedoch, den Garten mal nicht ganz so porentief aufzuräumen“ erklärte Ehlert. Die Vögel könnten dann nach Belieben im alten Laub Würmer, Insekten oder alte Äpfel finden.

Keine Störungen an den Flughäfen

Auch der Luftverkehr konnte am Montag weitgehend störungsfrei abgewickelt werden. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld seien nur zwei Flugverbindungen ausgefallen. Diese beiden Lufthansa-Maschinen seien in Frankfurt und München wegen des dortigen Wetters nicht gestartet, sagte der Berliner Flughafensprecher Lars Wagner. Darüber hinaus habe es vereinzelt Verspätungen von durchschnittlich 30 Minuten gegeben. Es handle sich dabei um für die Jahreszeit übliche Einschränkungen. „Wir sind völlig im Lot“, sagte Wagner. Nachts sei rund um die Uhr Schnee geschippt worden. Zudem seien die Flughäfen gut mit Räumfahrzeugen ausgestattet.