Wirtschaft

Hotelverband fordert neues Kongress-Zentrum für Berlin

Seit der Schließung des ICC spüren die Hotels die Einbußen bei den gut zahlenden Kongressgästen. Hotellerie und Opposition fordern vom Senat eine rasche Entscheidung über Sanierung oder einen Neubau.

Das für die Stadt so wichtige Geschäft mit Kongressbesuchern rutscht in die Krise, seit das Internationale Congress Centrum (ICC) am Messedamm Mitte des Jahres geschlossen worden ist. Die Berliner Hotels registrieren einen Rückgang an Übernachtungen aus dem Kongressgeschäft. „Das macht uns wirklich Sorgen“, sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Willy Weiland, der Berliner Morgenpost. Kongressgäste geben bei einem Berlinaufenthalt mehr als doppelt so viel aus wie ein normaler Tourist, und sie kommen in der Regel unter der Woche.

>> Das Interview mit Dehoga-Präsident Willy Weiland im Wortlaut <<

Weil Kongressgäste meist sehr viel mehr für ihr Hotelzimmer bezahlen als Touristen, steigt nach den Worten Weilands trotz des anhaltenden Touristenbooms der wirtschaftliche Druck auf Berlins Hoteliers. Die Preise stagnieren. Im Durchschnitt bezahlt jeder Berlinbesucher 80 Euro für seine Übernachtung. Die offizielle Statistik weist für die Hotellerie ein Umsatzplus von 2,2 Prozent im ersten Dreivierteljahr 2014 aus, die Zahl der Übernachtungen stieg um 5,9 Prozent.

Der Dehoga-Präsident führt die Delle im Kongressgeschäft auch auf die Schließung des ICC zurück. Es muss dringend saniert werden, ein neues Nutzungskonzept gibt es noch nicht. „Die bestehenden Kapazitäten reichen nicht aus“, kritisierte Weiland. Die geplante Erweiterung des Hotels „Estrel“ in Neukölln könne die Lücke nicht schließen. Und der City Cube, der als Ersatz für das ICC gebaut wurde, habe sich schnell zu einer weiteren Messehalle entwickelt und stehe nur bedingt der Kongressnutzung zur Verfügung. „Mit dem Ergebnis, dass Kongresse abgelehnt werden müssen“, sagte Weiland. Die großen Schlüsselmessen der Stadt expandierten in den City Cube. Das sei wirtschaftlich für die Messe richtig und nachvollziehbar, eröffne aber nachteilige Voraussetzungen für den Kongressmarkt Berlin.

Neues Kongresszentrum für 2500 Menschen

Burkhard Kieker, Chef der Tourismusagentur „Visit Berlin“, sieht das Problem ähnlich. „Berlin war im Kongressgeschäft sehr erfolgreich“, so Kieker, „Nun prüfen wir, wie wir darauf reagieren müssen.“

Der Dehoga fordert ein neues Kongresszentrum mit einer Kapazität von mehr als 2500 Personen. Entweder müsse die Renovierung des ICC schnell vorangetrieben oder ein anderer Standort gesucht werden, sagte Weiland. Auch ein Ausbau des Terminals des früheren Flughafens Tempelhof sei denkbar, oder ein zweiter City Cube, der für Kongresse reserviert werden müsse. „Berlin benötigt ein attraktives Angebot in der Innenstadt. Und das nicht erst in fünf oder mehr Jahren.“ Denn das Kongressgeschäft könne man nicht an- oder ausknipsen. Berlin benötigt nach Ansicht von Experten Kapazitäten ab 2017. Weltweit ist das Wachstum in der Kongressbranche beträchtlich. Die Vereinigung der internationalen Kongresszentren APIC meldet für 2014 ein Umsatzplus von 4,7 Prozent.

Tempelhof als Standort

Die Grünen-Abgeordnete Nicole Ludwig kritisiert schon lange den Umgang mit dem ICC. „Es ist extrem unverantwortlich vom Senat, das Kongressgeschäft derart zu gefährden“, sagte sie. Wenn nicht bald eine Perspektive für Kongresse geschaffen werde, „dann ist das Geschäft weg“, so Ludwig. Mit der ICC-Sanierung könnte Berlin auch international eine klare Perspektive aufzeigen. CDU-Fraktionschef Florian Graf hält Tempelhof für den geeigneten Standort. Wenn man jetzt feststelle, dass die Kapazitäten begrenzt sind, sollte Berlin „das Flughafengebäude in Tempelhof instand setzen und so ausrichten, dass es Platz bietet für Kongresse, Events und Großveranstaltungen, aber auch als Kulturstandort“, sagte Graf: „Dafür müssen wir Geld in die Hand nehmen.“ Das Gebäude sollte die Berliner Messegesellschaft betreiben.