„Canadian Psycho“

In Berlin gefasster „Pornomörder“ Magnotta schuldig

Der kanadische Ex-Pornodarsteller Luka Magnotta ist schuldig gesprochen worden. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Er war in einem Neuköllner Internetcafé gefasst worden.

Foto: Steffen Pletl

Der 2012 in Berlin gefasste Kanadier Luka Magnotta ist des Mordes schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er habe seinen chinesischen Liebhaber Jun Lin vorsätzlich getötet, zerstückelt und anschließend dessen Körperteile an politische Parteien und Schulen in Kanada geschickt, erklärte die Geschworenenjury in Montreal am Dienstag.

Die Geschworenen hatten acht Tage lang über das Urteil beraten. Neben dem Vorwurf des vorsätzlichen Mordes wurde der 32-jährige Magnotta auch in vier weiteren Anklagepunkten schuldig gesprochen und erhielt die Maximalstrafen, die unter kanadischem Recht möglich sind. Nach 25 Jahren hat Magnotta die Aussicht auf eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung.

Der Angeklagte hatte sich nicht schuldig bekannt. Er gab zwar zu, seinen Liebhaber getötet zu haben, argumentierte aber, er könne wegen seiner Geisteskrankheit nicht strafrechtlich dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Sein Verteidiger stellte Magnotta als Schizophrenen dar, der zum Zeitpunkt der Tat Recht nicht von Unrecht unterscheiden konnte. Die Anklage hingegen sah einen lange geplanten und vorsätzlichen Mord. Ein besonders belastender Beweis war eine E-Mail des Kanadiers an einen britischen Journalisten, in der er den Plan sechs Monate vor dem Mord darlegte. „Es gab nie einen Zweifel, dass die Jury Magnotta des vorsätzlichen Mordes schuldig sprechen würde“, sagte Staatsanwalt Louis Bouthillier.

In einem Internet-Café in Neukölln gefasst

Magnotta stellte auch ein Video ins Internet, in dem zu sehen ist, wie er das Opfer ersticht und mit dem Torso Sex hat. Der Fall sorgte für internationale Aufmerksamkeit, nachdem im Mai 2012 ein abgetrennter Fuß in einem Paket an die regierende Konservative Partei gefunden worden war. Am selben Tag wurde auch eine Hand in einem Päckchen an die Liberale Partei Kanadas entdeckt.

Der Torso wurde später in einem Koffer in der Nähe der Wohnung Magnottas in Montreal gefunden. Die zweite Hand und der zweite Fuß wurden rund eine Woche später in Päckchen an zwei Schulen in Vancouver entdeckt. Nach internationaler Fahndung wurde Magnotta schließlich in einem Internet-Café in Berlin-Neukölln gefasst.

Der Vater des Opfers war aus China angereist und hatte den Prozess verfolgt. „Ich bin gekommen, um Ihr Gerichtssystem zu sehen, um zu sehen, wie der Gerechtigkeit Genüge getan wird und ich reise zufrieden ab, dass Sie meinen Sohn nicht im Stich gelassen haben“, sagte ein Anwalt im Auftrag des Vaters. „Ich bin gekommen, um Reue zu sehen, um irgendeine Art der Entschuldigung zu hören, und ich reise ohne etwas ab.“