Prozess in Berlin

26-Jähriger rast mit 115 km/h durch Wedding - Geldstrafe

Der Angeklagte war im November 2014 in einer Tempo-50-Zone mit 110 bis 115 Stundenkilometer unterwegs und verursachte einen schweren Unfall. Nun wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt.

Alexander W. hat sein Weihnachtsgeschenk schon drei Tage früher bekommen. Von einer jungen Verkehrsrichterin im Kriminalgericht Moabit. Sie verurteilte den 26-Jährigen am Montag wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen á 20 Euro. Das ist für das, was der Mitarbeiter eines Fitnessladens am 17. November 2012 verursacht hat, eine bemerkenswert milde Strafe.

Alexander W. war an diesem 17. November gegen 23.30 Uhr mit seinem Honda Civic in Wedding unterwegs. Ein Gutachter geht davon aus, dass er mit einer Geschwindigkeit von 110 bis 115 Stundenkilometern fuhr. Zugelassen waren maximal 50.

„Hatten Sie es eilig?“, fragt die Richterin den Angeklagten. „Wir waren verabredet. Und es war alles leer“, antwortete Alexander W. Er habe „in diesem Moment nicht auf den Tacho geschaut“. Er sei mit seinem Wagen sicher schneller als erlaubt gewesen. „Aber nicht so übertrieben, wie es jetzt dargestellt wird.“

Alexander W. kam vom Louise-Schroeder-Platz und wollte die Osloer Straße überqueren. „Ich hatte grün“, sagte er vor Gericht. Ein Fahrzeug habe ihm die Sicht eingeschränkt, weil der Fahrer wenden wollte. Und dann habe er plötzlich ein zweites Fahrzeug gesehen, das nach links abbiegen wollte. Es gab einen Moment der Unsicherheit. „Der Fahrer fuhr so ruckelig, es sah aus, als habe er den Wagen kurz abgewürgt“, beschrieb der Angeklagte den Unfallhergang weiter. In diesem Moment wechselte Alexander W. auf die rechte Spur und trat voll auf die Bremse. Aber da war es schon zu spät.

Aufprall mit Tempo 90

Obwohl es zwischen beiden Fahrzeugen noch einen Abstand von 41 Meter gab und die Räder tiefschwarze Bremsspuren auf der Straße hinterließen, krachte der Honda mit etwa 90 Stundenkilometer auf den Kia.

Das sei die große Gefahr, wenn mit derart überhöhten Geschwindigkeiten gefahren wird, sagte der Gutachter: „Die anderen Verkehrsteilnehmer können das nicht einschätzen. Und sie glauben, wie vermutlich auch bei diesem Fall, ganz normal weiter fahren zu können.“ Noch problematischer sei das im Dunkeln.

Der 40 Jahre alte Fahrer des Kia kann dazu nicht mehr aussagen, er ist inzwischen verstorben – was aber nichts mit dem Unfall zu tun hat. Am 17. November war er nicht angegurtet. Es grenzt an ein Wunder, dass er durch den Aufprall keine tödlichen Verletzungen erlitt. „Hätte es einen Beifahrer gegeben oder Mitfahrer auf der hinteren Bank“, so der Gutachter, „hätten die das mit Sicherheit nicht überlebt“. Der Kia habe „nach dem Aufprall ausgesehen wie ein zusammengeschobener Schrotthaufen“.

Verlobte im „künstlichen Koma“

Alexander W.s Verlobte, die neben ihm im Fahrzeug saß, wurde bei dem Unfall schwer verletzt. Sanitätern sei es nicht gelungen, sie aus dem zerstörten Honda Civic zu ziehen, sagte Alexander W. und wirkt auch vor Gericht noch sehr betroffen. Sie habe anschließend in ein „künstliches Koma“ versetzt werden müsse.

Auch Alexander W. musste sich nach dem Unfall wegen einer Gehirnerschütterung und diverser Prellungen im Krankenhaus behandeln lassen. Es wurde bei ihm jedoch kein Alkoholtest gemacht und auch kein Drogenscreening. Der Staatsanwalt wirkt verunsichert als er darauf angesprochen wird, blättert in den Akten, und sagt dann zur Begründung: „Es wies nichts auf eine Alkoholbeeinflussung hin.“

Die Richterin hielt Alexander W. zugute, dass er keine Eintragungen im Flensburger Verkehrsregister hat. Aber den Führerschein müsse sie trotzdem für ein Jahr einziehen, sagte sie fast bedauernd. Das sei unabwendbar angesichts einer derart stark überhöhten Geschwindigkeit.