Prozess in Berlin

Brutale Prügel-Attacke auf Helfer - Freispruch für 22-Jährigen

Ein 55-Jähriger will zwei belästigten Frauen in Kreuzberg helfen und wird selbst Opfer. Seitdem ist er ein Pflegefall. Wer ihn so schwer verletzte, ist laut Landgericht nicht zweifelsfrei zu klären.

Nach einer brutalen Attacke auf einen 55 Jahre alten Passanten, der zwei belästigten Frauen helfen wollte, ist ein 22-Jähriger vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freigesprochen worden. „Es ist nicht sicher nachweisbar, ob er Mittäter war“, urteilte das Berliner Landgericht am Montag. Der Angeklagte habe aber erkannt, dass das Opfer regungslos am Boden lag. Weil er nicht half, sei er der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Er soll deshalb 500 Euro an den Schadensfonds für Opfer von Gewalttaten zahlen.

Der Passant war bei dem Angriff im Mai 2012 in Berlin-Kreuzberg lebensgefährlich am Kopf verletzt worden. Er ist seitdem zu 80 Prozent schwerbeschädigt. „Ein Mann hat seine Hilfsbereitschaft mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen bezahlt, es ist eine Tragödie“, sagte der Vorsitzende Richter. Dem Angeklagten sei aber nicht zu widerlegen gewesen, dass ein anderer Mann den Helfer derart verletzte. Die Staatsanwaltschaft hatte das anders gesehen und drei Jahre Jugendhaft gefordert.

„Wer das war, konnte nicht geklärt werden“

Der Angeklagte und ein bislang unbekannter Mann hatten an einem Parkhaus im Stadtteil Kreuzberg zwei junge Frauen behelligt. „Sie wurden aggressiv angebaggert“, heißt es im Urteil. Zwei Radfahrer und der Passant seien daraufhin eingeschritten. Einer der beiden jungen Männer habe dem 55-Jährigen einen starken Schlag oder Tritt versetzt. In Richtung des Opfers sagte der Vorsitzende Richter: „Wer das war, konnte nicht geklärt werden, es tut mir leid.“

Der Passant erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Fünf Monate lang befand er sich in Kliniken. An die Tat habe er keine Erinnerung, sagte seine Anwältin. Die Folgen seien gravierend: Er könne nur verwaschen sprechen und leide an Störungen der Bewegung. „Er ist ein Pflegefall.“ Der Angeklagte hatte erklärt, sein damaliger Begleiter, den er lediglich mit einem Vornamen benannte, sei der Angreifer gewesen. Der Richter sagte, er hoffe, dass sich bei dem Angeklagten „eines Tages das schlechte Gewissen meldet und er sagt, wer der Täter ist“.