Weihnachten

Berliner Geschäfte rüsten sich für großen Shopping-Endspurt

Die Berliner Einzelhändler sind mit ihrem Umsatz am vierten Advent zufrieden. Besonders beliebt: Gutscheine in allen Facetten. So richtig zu Ende ist das Weihnachtsgeschäft deshalb erst im neuen Jahr.

Foto: Reto Klar

Die Umsätze im Einzelhandel werden vom Wetter diktiert. Zumindest, wenn es um das Kaufverhalten am vierten Advent geht. „Das schlechte Wetter der letzten Tage hat noch mehr Kunden in die Kaufhäuser getrieben, als ohnehin zu erwarten waren“, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg.

Doch abgesehen von dem verstärkten Käuferandrang habe das Wetter der vergangenen Wochen Einfluss darauf, was gekauft wird und was nicht. „Bei diesen warmen Temperaturen kauft kaum jemand Winterkleidung.“ Daunenjacken, Mützen, Handschuhe und Schals stünden dieses Jahr schlecht im Kurs. Auch Wintersportartikel würden bei Plusgraden und Nieselregen weniger gekauft. „Dafür freuen sich unsere Elektronikhändler“, sagt Busch-Petersen.

Dieser Trend gelte in ganz Berlin. Auch bei Karstadt am Hermannplatz in Neukölln „werden überaus viele Elektroartikel verkauft“, sagt Geschäftsführer Andreas Joslyn. „Außerdem verkaufen sich natürlich Spielwaren und Plüsch besonders gut, und unser Weihnachtsmarkt läuft sehr gut.“

Verkaufsschlager seien aber ohne Konkurrenz die Gutscheine. Nach Erkenntnissen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) werden in diesem Jahr zu Weihnachten so viele Gutscheine verschenkt wie noch nie zuvor. Nicht nur das: auch ihr Durchschnittswert hat sich erhöht und liegt inzwischen bei 100 Euro. Damit hat er sich seit 2010 verdoppelt.

Einzelhandel rüstet sich für Zeit nach Weihnachten

Das führt zwar dazu, „dass der Umsatz da ist“, so Busch-Petersen, „die Bilanz stimmt aber erst, wenn die Gutscheine eingelöst werden“. Deswegen erwarten den Berliner Einzelhandel in den Tagen nach Weihnachten noch einmal umsatzstarke Zeiten. „Wirklich einschätzen, wie das Weihnachtsgeschäft gelaufen ist, kann man daher erst im neuen Jahr“, sagt Busch-Petersen.

Im Dezember war der vierte Advent der zweite verkaufsoffene Sonntag in Berlin. Laut einer Studie des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK befürworteten die Hälfte aller Befragten Sonntagsöffnungen an vier oder mehr Tagen im Jahr. Rund 28 Prozent forderten eine generelle Freigabe der Ladenöffnung am Sonntag, während gut 20 Prozent ein komplettes Verbot des Sonntagsverkaufs befürworteten. Der vierte Advent ist noch umsatzstärker, die Geschäfte noch besser besucht als am zweiten Advent, als in Berlin das letzte Mal das ganze Wochenende lang eingekauft werden konnte.

So verzeichnen zum Beispiel sämtliche Berliner Karstadt-Filialen noch höhere Besucherzahlen als vor zwei Wochen, wie Joslyn bestätigt. Auch im KaDeWe standen die Kunden schon am Mittag Schlange. Und auf dem Kurfürstendamm drängten sich die Menschen. Trotz des starken Andrangs „rechnen wir auch am Montag und Dienstag noch mit fast genau so vielen Kunden“, erklärt eine Sprecherin des Einkaufszentrums „Das Schloss“ in Steglitz. „Gerade viele Familien kommen erst am Montag oder Dienstag zum Einkaufen.“ Dazu komme, dass in den letzten Tagen vor Weihnachten manche kleinere Geschäfte schon geschlossen und ihre Betreiber in den Urlaub gegangen seien. Dieser Umstand spüle noch mehr Kunden in die großen Einkaufscenter.

Auch Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), geht in diesem Jahr von besonders vielen Last-minute-Shoppern aus. Der Kalender beschere schließlich dem Kunden zwischen dem vierten Advent und Heiligabend zwei zusätzliche Einkaufstage. Insgesamt prognostiziert der Verband für das gesamte deutsche Weihnachtsgeschäft einen Umsatz von 85,5 Milliarden Euro. Das wären 1,2 Prozent mehr als vor einem Jahr.