Kriminalität

Immer mehr Überfälle auf „Spätis“ - Opfer wehren sich

Die Zahl der Überfälle auf Spätverkaufsläden nimmt stetig zu. Allein im Dezember wurden fünf Raubüberfälle auf Spätis verübt. Mit unterschiedlichem „Erfolg“. Denn immer häufiger wehren sich die Opfer.

Die Zahl der Überfälle auf Spätverkaufsläden nimmt stetig zu. Allein im Dezember wurden bis zum gestrigen Sonntag fünf Raubüberfälle auf Spätis verübt. Mit unterschiedlichem „Erfolg“. Denn immer häufiger wehren sich die Opfer.

Erst am vergangenen Sonnabend leistete ein 57 Jahre alter Besitzer Widerstand gegen einen Räuber. Er jagte ihn mit einer Thermoskanne in die Flucht. Gegen 21 Uhr betrat ein Mann das Geschäft an der Schönfließer Straße in Prenzlauer Berg. Nach Polizeiaussagen richtete er eine Wasserspritzpistole auf den Ladeninhaber. Sofort darauf spritzte er dem Geschäftsmann eine noch nicht identifizierte Flüssigkeit ins Gesicht.

Das Überfallopfer reagierte blitzschnell, griff sich eine Thermoskanne und warf sie dem Kriminellen mit voller Wucht ins Gesicht. Völlig überrascht flüchtete der Unbekannte aus dem Geschäft, wo zwei Komplizen auf ihn warteten. Das Trio rannte dann in Richtung Driesener Straße. Der Geschäftsmann kam mit Augenreizungen ins Krankenhaus.

Spätis als besonderes Angriffsziel

Warum Spätis derzeit verstärkt im Visier von Kriminellen stehen, darüber kann die Polizei nur Vermutungen anstellen. Ein Grund könnte sein, dass sie durch die Öffnungszeiten bis spät in die Nacht ein besonderes Angriffsziel bieten. Überwiegend geforderte Beute seien Bargeld, Zigaretten und Alkohol. „Alles, was einen Wert hat und schnell wieder verkauft werden kann, ist von Interesse“, sagte ein Polizeisprecherin.

Ungewöhnlich auch die Methode, mit der der Besitzer eines Spätkaufs vergangenen Freitagmorgen einen Räuber verjagte. Ein Maskierter hatte laut Polizei gegen 4.30 Uhr das Geschäft an der Wichertstraße in Prenzlauer Berg betreten und die Ladeninhaberin mit einer Schusswaffe bedroht. Da die 42-Jährige allerdings kaum Deutsch spricht, verstand sie erst nicht, was der Unbekannte wollte. Hinter dem Tresen saß der 54 Jahre alte Ehemann der Besitzerin. Aus der Deckung heraus warf dieser dem Maskierten eine Milchtüte an den Kopf. Der Räuber flüchtete daraufhin ohne Beute in Richtung Prenzlauer Allee.

Bei einem versuchten Raub blieb es am Montag vor einer Woche. Ein unbekannter Täter betrat gegen 1 Uhr nachts das Geschäft an der Gneisenaustraße in Kreuzberg. Er bedrohte den 21 Jahre alten Angestellten mit einer Schusswaffe und forderte Bargeld. Als der Verkäufer sich vom Tresen wegbewegen wollte, gab der Täter einen Warnschuss ab. Durch den Lärm aufgeschreckt, kam der Ladeninhaber aus den hinteren Büros in den Verkaufsraum. Der Täter gab zwei weitere Schüsse ab und flüchtete in Richtung Bergmannstraße. „Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich bei der Schusswaffe um eine scharfe Waffe“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Mit Messer und Flache gegen Räuber

Ein weiterer Späti-Mitarbeiter setzte sich vor zehn Tagen gegen einen Überfall zur Wehr. Es war in den frühen Morgenstunden gegen 2.20 Uhr, als ein unbekannter Täter den Laden an der Gitschiner Straße in Kreuzberg betrat. Er bedrohte den 53 Jahre alten Angestellten mit einer Schusswaffe und forderte Bargeld. Anstatt der Forderung nachzukommen, bewaffnete sich der Mitarbeiter mit einem Messer und einer Flasche. Dann ging er auf den Eindringling zu und forderte ihn auf, zu verschwinden. Der überraschte Täter feuerte erneut seine Waffe ab. Erst dann lief er in Richtung Ausgang. Als ihn der Angestellte verfolgte, gab er einen zweiten Schuss ab. Die Schüsse verfehlten den 53-Jährigen. Der Täter flüchtete ohne Beute.

Dass der Angestellte unverletzt blieb, sei ein Glücksfall und keineswegs der Verdienst des Mannes gewesen, sagte ein Polizeisprecher. „Courage zeigen ist wichtig und richtig, um jeden Preis den Helden zu spielen allerdings nicht.“

Im Oktober hatte sich ein 67 Jahre alter Kioskbesitzer gegen fünf Männer gewehrt, die maskiert und bewaffnet seinen Laden ausrauben wollten. Gegen 19 Uhr betraten fünf Maskierte den Laden von Hadi U. an der Marienfelder Allee im gleichnamigen Ortsteil. Mit vorgehaltener Schusswaffe forderten sie die Tageskasse. Auch als einer der fünf Räuber einen Warnschuss abgab, ignorierte er diese Forderung. Als einer der Täter hinter den Tresen gelangen wollte, nahm Hadi U. einen Schraubenzieher in die Hand und baute sich drohend auf. Dann ergriffen die Räuber ohne Beute die Flucht.