Verkehr

Bahnhof Friedrichstraße bleibt bis 2016 eine Baustelle

Vor zwei Jahren löste sich ein schwerer Betonbrocken aus der Decke des Bahnhofs und fiel zu Boden. Die Sanierungsarbeiten werden erst in zwei Jahren abgeschlossen sein.

Foto: Steffen Pletl

Der Bahnhof Friedrichstraße in Mitte wird offenbar länger eine Baustelle bleiben als bislang bekannt. Die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten an der Hallendecke werden im nächsten Jahr zwar beginnen, „mit nachlaufenden Tätigkeiten“ aber erst 2016 abgeschlossen sein, teilte die Deutsche Bahn auf Anfrage der Berliner Morgenpost jetzt mit.

Derzeit werde die Sanierung der Auflager für die Bahnsteigkonstruktion planerisch vorbereitet, hieß es weiter. Die Arbeiten befänden sich im Zeitplan. Genau zwei Jahre ist es her, als in dem täglich von bis zu 210.000 Reisenden frequentierten Bahnhof ein 25 Kilogramm schwerer Betonbrocken mitten in die Halle herabstürzte.

Das Teil hatte sich plötzlich aus der Stahlbetonkonstruktion gelöst und die Deckenverkleidung aus Rigips wie Papier durchschlagen. Eine Frau erlitt bei dem Zwischenfall einen Schock, wie durch ein Wunder wurde niemand in der eigentlich zu jeder Tageszeit stark belebten Halle unter den Bahnsteigen verletzt.

Geschäfte mussten schließen

Die Ursache für den Vorfall fanden Experten der Deutschen Bahn, die den Bahnhof betreibt, relativ rasch: Die Lager, auf denen die Fern- und Regionalbahngleise über der ebenerdigen Halle ruhen, waren während der Bahnhofssanierung Mitte der 90er-Jahre mit Beton verbaut worden, der keine Schwingungen ausgleichen konnte.

Es kam dadurch zu Spannungen, in deren Folge sich das Betonteil löste. Begleitet von umfangreichen Einschränkungen ließ die Bahn bereits 2012 und 2013 die Hallendecke erst einmal provisorisch sichern. Baugerüste wurden dafür aufgestellt, Geschäfte mussten wochenlang schließen.

In einem Pilotprojekt wurden im April und Mai dieses Jahres vier Auflagerpunkte bereits saniert. Für eine dauerhafte Lösung müssen aber noch weitere 240 Lager erneuert werden. Die Kosten dafür gibt die Bahn mit insgesamt zehn Millionen Euro an. Eine Haftung der Baufirmen für die fehlerhaften Arbeiten in den 90er-Jahren gibt es nicht, weil die Gewährleistungsfristen abgelaufen sind.

Betroffen von den Arbeiten sind die Deckenbereiche unter den Fern- und Regionalbahngleisen 1 bis 4, nicht jedoch unter den Gleisen 5 und 6, auf denen die Züge der S-Bahn fahren. Zur Vorbereitung der Arbeiten wurde bereits jetzt die Hallendecke an einigen Stellen geöffnet und mit Folien wieder verschlossen, hieß es.

Zeit der Schließung gut genutzt

In diesen Bereichen müssten die Geschäfte – insgesamt gibt es 49 im Bahnhofsbereich – aus Sicherheitsgründen zeitweise schließen. „Im Zusammenhang mit dem Umbau nutzen die Mieter die Gelegenheit, das Shopdesign und die Ladeneinrichtung zu modernisieren“, sagte ein Bahnsprecher.

Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt im Frühjahr würden jetzt in die Planung für alle weiteren Auflager einfließen, so der Unternehmenssprecher weiter. Die Bauarbeiten selbst sollen in der zweiten Jahreshälfte 2015 erfolgen. In dieser Zeit plant die Bahn ohnehin eine längere, voraussichtlich dreimonatige Sperrung der Stadtbahntrasse für den Fern- und Regionalverkehr.

Wie berichtet, müssen Verbindungselemente zwischen den Brückenteilen auf dem Streckenabschnitt zwischen Friedrichstraße und Hauptbahnhof saniert werden. Im Jahr darauf soll dann aus denselben Gründen eine Sperrung der S-Bahngleise erfolgen.

Brandmelde- und Sprinkleranlage werden erneuert

Die Brücken auf der stark befahrenen Viaduktstrecke mit seinem sehr engen Kurvenradien waren erst im Zusammenhang mit dem neuen, 2006 eröffneten Hauptbahnhof gebaut worden. Nachdem alle Reparaturversuche keinen dauerhaften Erfolg zeigten, plant die Bahn nun eine komplette Erneuerung der Verbindungselemente.

Die Sperrung der Halle will die Bahn auch nutzen, um Brandmelde- und Sprinkleranlagen im Bahnhof Friedrichstraße zu erneuern. Auch eine neue Deckenverkleidung soll dann im Zuge der Arbeiten eingebaut werden.