#12hWache

Berliner Polizei twittert - Mit dem Blaulicht zum Kamel

Die Berliner Polizei hat erneut ihre Einsätze getwittert - zwölf Stunden lang. Ein Beispiel: Am Freitagnachmittag konnten die Beamten ein entlaufenes Kamel einfangen.

„Am Bhf Alexanderplatz versuchen offenbar vermehrt Betrüger Handyverträge zu verkaufen, die gar keine sind. Wir ermitteln.“

„Kollegen wurden nach einem beobachteten BtM-Handel im Görli vom Verdächtigen mit Tierabwehrspray angegriffen.“

„Unbekannter will Paket für angeblichen Nachbarn abholen: Dame fällt nicht auf Bestellbetrug herein, übergibt uns die Post.“

Nur drei von unzähligen Meldungen, die am Freitag von der Berliner Polizei im sozialen Netzwerk Twitter veröffentlicht wurden. Zum zweiten Mal in diesem Jahr nutzte die Berliner Polizei die sozialen Netzwerke, um ihre Arbeit transparenter zu machen.

Ein tierisches Problem twitterte die Berliner Polizei am Nachmittag um 13.30 Uhr. Demnach seien Beamte auf der Jagd nach einem Kamel in Friedrichshain. Kurz darauf konnte das Kamel wieder eingefangen werden, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich der Berliner Morgenpost. Das einjährige Kamel "Salima" sei nur auf der nahen Wiese grasen und wohlauf, hieß es.

Am Freitag von 12 Uhr an bis um Mitternacht haben Beamte auf den Polizeiabschnitten 32 und 53 zwölf Stunden lang alle Einsätze mit maximal 140 Zeichen beschrieben und veröffentlicht. Auf der Wache an der Keibelstraße nahe dem Alexanderplatz saßen zwei Mitarbeiter und auf dem Abschnitt 53 an der Friedrichstraße ebenfalls.

Dort saß auch eine Polizistin, die auf Türkisch die Vorkommnisse in diesen Bereichen getwittert hat. Zusätzlich ergänzten Beamte acht Funkwagenstreifen und das Kontaktmobil auf dem Alexanderplatz, um direkt von den Einsätzen via Tablet und Smartphone in Kurzform zu berichten. Aus einem Einsatzfahrzeug kamen die Kurzinformationen auch in englischer Sprache.

Menschen zeigen, was die Polizei leistet

„Im Moment ist es noch sehr ruhig am Alexanderplatz“, sagte Polizeihauptkommissarin Konstanze Dassler am späten Nachmittag. Sie saß im Kontaktmobil und schrieb die Vorkommnisse auf einem Tablet-Computer nieder. „Derzeit geben wir hauptsächlich Touristen Auskunft.“ Auch die auf dem Alexanderplatz bekannten Hütchenspieler ließen sich nicht blicken.

„Mit so einer Aktion wollen wir den Menschen zeigen, was die Polizei alltäglich leistet“, sagte Polizeisprecher Redlich. „Auf diesem Weg möchten wir auch die jungen Leute für einen Beruf bei der Polizei interessieren.“ Nur wenige Stunden nach Beginn der Aktion hatten die freiwilligen „Polizeischreiber“ eine lange Liste der alltäglichen Vorkommnisse veröffentlicht. Diebstähle, gewalttätige Übergriffe, Anzeigen von Geschädigten und die Suche nach vermissten Personen. „Wir hatten auch den Anruf einer Frau, die behauptet hatte, jemanden umgebracht zu haben“, sagte eine Beamtin. „Das hatte sich aber schnell als falsch erwiesen.“

Nach Angaben des Leiters der Projektgruppe Neue Medien, Oliver Klau, wird die zwölfstündige Twitter-Aktion wenig später auch ausgewertet. „Wir werden uns das Feedback und die Bewertungen im Internet ansehen“, sagte er. „Dann wird die Aktion ausgewertet.“

Berliner als Twitter-Dozenten

Bereits im Frühjahr dieses Jahres hatte die Berliner Polizei mit einer 24-stündigen Twitter-Aktion Werbung in eigener Sache gemacht. Deutschlandweit bislang einmalig. Nach Angaben Redlichs mit einer „sehr guten Resonanz“. „Es kamen Anfragen aus anderen Bundesländern und auch von anderen Behörden“, sagte er. „Wir haben auch Besucher von anderen Polizeidienststellen in Deutschland empfangen und über das Projekt informiert.“ Berliner Beteiligte wurden zwischenzeitlich auch als Dozenten angefragt. Selbst aus der Wirtschaft seien Anfragen gekommen.

Was seit 2012 als Projektgruppe Neue Medien firmiert, soll spätestens ab dem kommenden Jahr zum Polizeialltag gehören. Wann genau, steht aber noch nicht fest. „Es werden fünf zusätzliche Mitarbeiter in dem Bereich neue Medien tätig sein“, sagte der Polizeisprecher. „Sie werden dann für die Pressestelle arbeiten.“ In der Prüfung der Projektgruppe sei auch ein polizeiinternes Wissensmanagement, ähnlich wie Wikipedia, erklärte Redlich. „Auf diesen Seiten können die verschiedensten Informationen zu unterschiedlichen Themenbereichen der Polizeiarbeit gebündelt werden“, sagte er. „Jeder Mitarbeiter hat dann Zugriff darauf und kann sich mit seinen Erfahrungen aus dem Beruf einbringen.“

Derzeit veröffentlicht die Polizei auf zwei verschiedenen Kanälen. Auf @PolizeiBerlin werden bislang ausgewählte Meldungen regelmäßig veröffentlicht. Auf @PolizeiBerlin_E twittert die Polizei von großen Einsätzen, wie dem 1. Mai, oder anderen Demonstrationen.

Bis gegen 18 Uhr am Freitagabend, also ungefähr nach der Hälfte des Twitter-Tages hatte die Polizei ungefähr 200 Meldungen über Twitter veröffentlicht, darauf antworteten 351 Personen. 2000 Nutzer von Twitter haben die Veröffentlichungen als favorisierte Meldungen im Netz gekennzeichnet, 1100 mal wurden die Polizeimeldungen weitergeleitet und die Polizei hatte etwas mehr als 1000 neue Leser bei Twitter.

Die Tweets der Berliner Polizei und die Reaktionen unter dem Hashtag #12hWache