Ausgezeichnete Schüler

Berlins Mathe-Asse siegen beim Bundeswettbewerb

Fünf Jugendliche erhalten einen 1. Preis. Die bundesweit 55 Preisträger werden nun im Februar 2015 in den Taunus reisen. Die Besten werden dann mit einem Stipendium der Studienstiftung geehrt.

Foto: Massimo Rodari

Mathelehrer möchte Branko Juran auf keine Fall werden. "Ich würde daran verzweifeln, dass die meisten Schüler vieles nicht verstehen", sagt er. Er könne sich einfach nicht in Menschen hineinversetzen, die kein Verständnis für Mathematik haben.

Branko ist 16 Jahre alt und einer von fünf Berliner Jugendlichen, die in der zweiten Runde des Bundeswettbewerbs Mathematik einen ersten Preis gewonnen haben. Bundesweit sind es 55 Mädchen und Jungen. Alle hatten von Mai bis September Zeit, zu Hause die vorgeschriebenen Aufgaben zu lösen. Am Mittwoch überreichte Hanns-Heinrich Langmann, Projektleiter für den bundesweiten Mathematikwettbewerb, den Gewinnern ihre Auszeichnung.

Die 55 Preisträger werden nun im Februar 2015 in den Taunus reisen. Dort findet die dritte Runde des Wettbewerbs statt. Die Teilnehmer müssen ein einstündiges Gespräch über Mathematik bestreiten. Die Besten werden dann mit einem Stipendium der Studienstiftung geehrt.

Tolle Mathematik-Lehrer

Branko hat sich schon als kleiner Junge sehr für Mathematik interessiert. Seine Eltern, der Vater ist Mathelehrer, hatten viel Verständnis für diese Leidenschaft. "Seit der dritten Klasse bin ich dann auch in der Schule gefördert worden", sagt der 16-Jährige. Inzwischen lernt er am Heinrich-Hertz-Gymnasium in Friedrichshain. Die Schule hat ein mathematisch-naturwissenschaftliches Profil und eine lange Tradition bei der Förderung von Mathe-Assen. Branko schwärmt von seinen Lehrern. "Ihr Unterricht hat ein hohes Niveau." Zusätzlich zu den Mathestunden bekommt er Einzelförderung von einem Mathematikprofessor und einem Dozenten der Humboldt-Universität. Branko ist jetzt in der zehnten Klasse. Nach dem Abitur will er Mathematik studieren.

Zwei der anderen Preisträger aus Berlin studieren bereits Mathematik. Deniz Ochmann, er ist 17 Jahre alt und war Schüler des Herder-Gymnasiums in Charlottenburg, hat im Oktober ein Studium an der Humboldt-Universität aufgenommen. Lukas Salchow, er ist bereits 21 Jahre alt, studiert seit einem Jahr an der Technischen Universität Berlin. Lukas hat das Abitur an der Katholischen Schule Sankt Marien in Neukölln abgelegt. Auch Deniz und Lukas können von Mathelehrern berichten, die sie gefördert und unterstützt haben. Deniz sagt, dass die Förderung an der Grundschule zwar begrenzt war. "An der Herder-Schule war es dann aber ganz anders. Ich habe viele zusätzliche Aufgaben bekommen, die mich weitergebracht haben." Auch zu Wettbewerben sei er angemeldet worden. Projektleiter Hanns-Heinrich Langmann ist zufrieden mit dem 2014er-Jahrgang. An der ersten Runde des Bundeswettbewerbs Mathematik hätten sich 1222 Schüler und junge Studenten beteiligt, sagt er. 270 von ihnen seien so gut gewesen, dass sie zur zweiten Runde zugelassen werden konnten. "Das sind deutlich mehr als in den vergangenen Jahren", sagt Langmann. Er ist überzeugt, dass die Zahl der Teilnehmer am Wettbewerb sogar noch steigen könnte, wenn mehr Lehrer ihre Schüler darauf aufmerksam machen würden. "Den Pädagogen kommt hier eine Schlüsselrolle zu."

"Über den Tellerrand blicken"

Deniz, Lukas und Branko können das bestätigen. Sie haben schon mehrmals am Bundeswettbewerb teilgenommen und erste Preise dafür bekommen. "Es war gut, dass unsere Mathelehrer uns davon erzählt und uns bei der Anmeldung unterstützt haben", sagt Deniz. Wichtig sei außerdem, dass Schüler im Matheunterricht erfahren, warum sie bestimmte Aufgaben rechnen können sollten, was für einen praktischen Nutzen das habe. "Ich gebe Nachhilfestunden und stelle immer wieder fest, dass die Schüler gar nicht wissen, was sie da tun", sagt er. Dabei sei es nötig, "über den Tellerrand zu denken". Viele würden stattdessen nur Regeln auswendig lernen und Mathe doof finden, wenn sie feststellen, dass es viele Aufgaben gibt, die allein mit diesen Regeln nicht zu lösen sind.

Branko wünscht sich, dass seine Schule noch stärker unterstützt wird von der Bildungsverwaltung. "Es ist sehr schwer, genügend gute Fachlehrer zu bekommen", sagt er. Außerdem habe er den Eindruck, dass die Schule immer wieder um ihr Profil kämpfen müsse. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will den Mathematikunterricht verbessern. "Die Grundlagen für erfolgreiches Lernen in Mathematik werden in den ersten beiden Schuljahren gelegt", sagt sie. Das neue Lehrerbildungsgesetz sehe deshalb vor, dass alle Grundschulpädagogen künftig auch Mathematik studieren müssen. Experten hätten zudem Materialien entwickelt, die Lehrern dabei helfen sollen, Schüler mit einer Mathe-Schwäche zu erkennen und mit entsprechenden Aufgaben zu fördern. Schon bald sollen alle Grundschulen mit diesen Materialien arbeiten können.

Nicht nur Mathematik im Kopf

Auch auf die Fortbildung der Mathematiklehrer wird großer Wert gelegt. Seit kurzem gibt es mit der MINT-Akademie an der Levetzowstraße ein Kompetenzzentrum für einen fächerübergreifenden Unterricht in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Lehrer bekommen dort Materialien für einen individualisierten Unterricht. Die Akademie entwickelt zudem fächerübergreifende Unterrichtsmodule, die den Pädagogen auf dem Landesbildungsserver Berlin-Brandenburg zur Verfügung gestellt werden.

Die drei Berliner Preisträger haben übrigens nicht nur Mathematik im Kopf. Branko spielt Klavier und auch Gitarre, Deniz und Lukas interessieren sich für Politik und Geschichte. "Ich lese gerade Kant", sagt Lukas. Wie Deniz gibt auch er Schülern Nachhilfe in Mathematik. Beiden macht das Spaß. Auch Branko kann sich vorstellen, bald anderen in seinem Lieblingsfach zu helfen. Nur Mathematiklehrer werden, das will keiner von ihnen.

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