Strafgeld

Lokführerstreik kommt die Berliner S-Bahn teuer zu stehen

Der Streik verursacht bei der S-Bahn Umsatzeinbußen in Höhe von 1,7 Millionen Euro. Außerdem will der Senat seine Zahlungen an das Unternehmen um 2 Millionen Euro kürzen - wegen Unpünktlichkeit.

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Der Berliner S-Bahn kommen die Lokführerstreiks der vergangenen Wochen teuer zu stehen. Allein im Oktober hatte die Bahntochter streikbedingt Umsatzeinbußen von 1,7 Millionen Euro verzeichnet.

Zudem will der Senat wegen der deutlich schlechteren Pünktlichkeit seine Zahlungen an die S-Bahn um rund zwei Millionen Euro kürzen. Das teilte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen mit.

Für November dürfte das Strafgeld für die S-Bahn Berlin GmbH kaum geringer ausfallen. Zu Monatsbeginn hatte die Lokomotivführergewerkschaft (GDL) zum längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn aufgerufen.

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Fast drei Tage lang fielen im Fern- und Regionalverkehr zahllose Zugfahrten aus. Die S-Bahn konnte in Berlin zwar einen relativ verlässlichen Notfahrplan anbieten, dennoch sind auch in der Hauptstadt viele Fahrten ausgefallen. Intern ist die Rede davon, dass nur knapp ein Drittel der von den Ländern Berlin und Brandenburg bestellten Leistungen an diesen Tagen erbracht werden konnten.

199.010 gefahrene Zugkilometer

Konkrete Ergebnisse liegen im Moment nur für den Monat Oktober vor, als die GDL gleich drei Mal zum Streik aufgerufen hatte. Nach S-Bahn-Angaben konnten infolge des Arbeitskampfes 199.010 Zugkilometer nicht gefahren werden. Das entspricht knapp einem Zehntel der monatlich bestellten rund 2,4 Millionen Zugkilometer. Darüber hinaus wirkte sich der Streik auch auf die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S-Bahn aus. Laut der aktuellen Qualitätsbilanz, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg im Auftrag der Länder erstellt, lag die Zuverlässigkeit der S-Bahn im Oktober bei 87,6 Prozent – und damit sechs Prozentpunkte unter der des Vormonats.

Bei der Pünktlichkeit der Züge, die tatsächlich fuhren, kam die S-Bahn nur auf eine Quote von 94 Prozent. Die vertraglich gefordert Quote von 96 Prozent wurde damit erneut verfehlt. Aufgrund der vielen Ausfälle und Verspätungen hat der Senat angekündigt, seine Zahlungen an die S-Bahn für Oktober um 1,975 Millionen Euro zu kürzen. Auf Grundlage eines Verkehrsvertrags überweist das Land 2014 an die S-Bahn Berlin GmbH rund 250 Millionen Euro.

BVG doppelt gestraft

Doch auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben unter dem Lokführerstreik gelitten. Und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen hatte die BVG an Streiktagen bis zu 70 Prozent mehr Fahrgäste. Um den Ansturm zu bewältigen, wurde faktisch jeder verfügbare Mitarbeiter und jedes Fahrzeug eingesetzt. In der Folge mussten die landeseigenen Verkehrsbetriebe mehr Überstunden als normal bezahlen, auch häuften sich technische Ausfälle. So gab es eine deutlich höhere Zahl an Türstörungen bei der U-Bahn. Als an Streiktagen die Menschen auch in überfüllte Züge drängten, wurden die Türen oft gewaltsam offen gehalten. Das verträgt der sehr sensible Schließmechanismus meist nicht. Viele U-Bahn-Wagen mussten in die Werkstatt.

Zum anderen konnte die BVG von den vielen zusätzlichen Fahrgästen nicht einmal profitieren. Das hängt damit zusammen, dass alle in der Stadt agierenden Nahverkehrsunternehmen ihre Ticketeinnahmen nach einem festen Schlüssel untereinander aufteilen. Da an Streiktagen aber insgesamt eher weniger Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, sinken auch die Fahrgelderlöse. Unterm Strich erzielt die BVG trotz höherer Leistungen weniger Einnahmen. "Jeder Streiktag beschert uns Zusatzkosten von rund 200.000 Euro", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost. Bei den vielen Streiktagen in den vergangenen Wochen dürften sich die Mehraufwendungen inzwischen auf rund zwei Millionen Euro summieren.

Angesichts dieser Zahlen fordert der Grünen-Verkehrspolitiker Stefan Gelbhaar, dass der Senat die gesparten S-Bahn-Mittel nicht für sich behält. "Dieses Geld muss direkt in den öffentlichen Nahverkehr investiert werden, etwa in den barrierefreien Umbau der Bahnhöfe und Haltestellen", sagte Gelbhaar der Berliner Morgenpost. Der Abgeordnete verwies zur Begründung seiner Forderung auf schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit. So habe die Landesregierung S-Bahn-Mittel etwa für die Modernisierung altersschwacher U-Bahn-Wagen eingesetzt. "Die Modernisierung hätte aber vom Land ohnehin bezahlt werden müssen. Am Ende floss nicht mehr, sondern weniger Geld in den ÖPNV."

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