Umstrukturierung

Berliner Polizei will mehr Präsenz auf der Straße

Eine neue Abteilung für Demonstrationen und Großveranstaltungen soll die Beamten auf der Straße entlasten. Die freien Kräfte sollen in die eigentliche, alltägliche Arbeit der Polizei fließen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Berliner Polizei wird wegen der steigenden Kriminalität und den Herausforderungen der wachsenden Stadt umstrukturiert. Wie Behördenpräsident Klaus Kandt am Donnerstag ankündigte, sollen mit der Schaffung einer neuen Polizeidirektion „Einsatz“ alle anderen sechs Berliner Direktionen entlastet werden.

Ziel der Reform ist, dass das Personal dort wieder deutlich mehr Zeit für die eigentliche, alltägliche Arbeit der Polizei hat – die Verbrechensbekämpfung. „Die Polizei wird sich auf die wachsende Stadt und das moderne Berlin ausrichten“, so Kandt.

Die Maßnahme ist Ergebnis einer umfangreichen Projektarbeit und soll bis spätestens 2019 umgesetzt sein. Danach könnten den Polizeidirektionen und Abschnitten über den Zeitzuwachs hinaus auch noch mehr als 100 Mitarbeiter zusätzlich zur Verfügung stehen. Der Polizeipräsident spricht von einer Zahl im „kleinen dreistelligen“ Bereich – ungeachtet der bereits 250 zugewiesenen zusätzlichen Stellen. Als Vorbild der Reform nannte Kandt etwa die niederländische Polizei, die seiner Meinung nach „eine der modernsten in Europa“ sei.

Deutliche Auswirkungen für Polizeiarbeit

Und das sieht die Umstrukturierung im Kern vor: Die bisherige Direktion „Zentrale Aufgaben“ wird zu der Direktion „Einsatz“ mit insgesamt 126 Mitarbeitern in der Führung entwickelt. Darin sind künftig auch alle Einsatzhundertschaften zusammengefasst. Zusätzlich wird eine dritte Bereitschaftspolizeiabteilung aufgebaut. Die Einsatzkräfte kommen von den einzelnen Direktionen. Die bisherigen dezentral arbeitenden Verkehrsdienste und die Hundestaffeln werden ebenfalls in der neuen Direktion angesiedelt.

Für die praktische Polizeiarbeit hat das deutliche Auswirkungen. Etwa bei einem Staatsbesuch werden bislang große Teile der Arbeit von der Direktion 1 geleistet, da der Staatsgast am Flughafen in Tegel landet. Ein Großteil der Mitarbeiter ist ausschließlich mit dieser zusätzlichen Aufgabe beschäftigt. Diese Arbeit wird in Zukunft die Direktion „Einsatz“ übernehmen. Auch die Direktion 3 in Mitte und die Direktion 5, unter anderem zuständig für Friedrichshain und Kreuzberg, sollen so von der Arbeit, die etwa bei Demonstrationen anfällt, entlastet werden. Denn die neue Direktion „Einsatz“ übernimmt auch die Führung für Einsätze wie die Besetzung der Gerhart-Hauptmann-Schule oder Aufzüge etwa zum Nahost-Konflikt. Hinzu kommen die großen Veranstaltungen rund um den 1. Mai. Dort liegt bislang die gesamte Einsatzführung beim Stab des Polizeipräsidenten.

Kandt: „Die Berliner Polizei wird so effizienter arbeiten können“

Mit der Neustrukturierung soll der 1. Mai 2016 erstmals von der neuen Direktion „Einsatz“ polizeilich betreut und begleitet werden. Die Führungsebene um den Polizeipräsidenten wird dagegen drastisch verschlankt: Von bislang 212 Mitarbeitern wird sie auf 107 Kräfte reduziert, die Aufgaben künftig auf Strategie und Kontrolle beschränkt. Der letzte Schritt wird der Umzug der Direktion „Einsatz“ an die Gallwitzallee in Lankwitz sein, die Leitung der Direktion 4 zieht an den Platz der Luftbrücke.

„Die Berliner Polizei wird so effizienter arbeiten können“, sagte Polizeipräsident Kandt. „So können wir die zunehmende Einsatzlage besser bewältigen.“ Er betonte, dass das Projekt kein „Sparmodell“ sei – denn die Einsätze wachsen: 2010 wurden 2428 Veranstaltungen angemeldet, im laufenden Jahr waren es bis zum 31. Oktober bereits 4137. Kandt geht von mehr als 5000 Anmeldungen für Veranstaltungen bis Ende 2014 aus.