Dreharbeiten

Sperrgebiet Glienicker Brücke – Zurück zum Kalten Krieg

Die Glienicker Brücke wird für Dreharbeiten von Spielbergs neuem Agenten-Thriller „St. James Place“ bis Montagnachmittag wieder zum Sperrgebiet. Der Film soll am 16. Oktober in die US-Kinos kommen.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Die Linke warf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) jüngst im Umgang mit der Ukraine-Krise vor, die Rückkehr zum Kalten Krieg zu forcieren. Auf der Glienicker Brücke ist der am Donnerstagabend wieder ausgebrochen. Absperrungen hindern Auto- und Radfahrer und sogar Fußgänger am Überqueren.

Kein Durchkommen – weder nach Potsdam noch nach Wannsee. Selbst Schiffe verkehren eingeschränkt. Schranken und ein Kontrollpunkt sind aufgebaut. Ein Bild, das bis Montagmittag an die streng bewachte Grenzbrücke von vor mehr als 25 Jahren erinnert. Es ist genau die Szene, die Hollywoodregisseur Steven Spielberg für seinen Agententhriller – Arbeitstitel „St. James Place“ – einfangen will.

Seinen Fokus richtet Spielberg auf die weiße Demarkationslinie, die Ost und West trennte. In den Morgenstunden des 10. Februar 1962 wurde sie vom in Russland inhaftierten CIA-Spion und Air-Force-Piloten Francis Gary Powers und dem in New York aufgeflogenen KGB-Agenten Rudolf Iwanowitsch Abel überschritten. Schwere Schritte bei Schneefall, in entgegengesetzte Richtungen. Es ist dieser erste geheime Austausch, der der Brücke ihren Beinamen Agentenbrücke einbrachte. Nun agiert ein internationales Filmteam von 400 Menschen auf wenigen Metern.

Wie im Film „Schindlers Liste“, in dem es um die im Nationalsozialismus verfolgten Juden geht, hat sich Spielberg wieder auf Zeitgeschichte verlegt. Mit prominentem Aufgebot. Amy Ryan („The Wire“) spielt eine der Hauptrollen. Und Oscarpreisträger Tom Hanks („Sakrileg“) wird in die Rolle des New Yorker Anwalts James Donovan schlüpfen. Der hatte in jahrelangen Verhandlungen den Austausch vorbereitet. Sein Gesprächspartner auf der anderen Seite war der bekannte Ost-Berliner Anwalt Wolfgang Vogel, der auch an den zwei Agentendeals auf der Glienicker Brücke 1985 und 1986 beteiligt war.

Filmfans haben keine Chance

Koproduziert wird „St. James Place“, der auf dem Drehbuch der Brüder Joel und Ethan Coen („The Big Lebowski“) basiert, vom Studio Babelsberg. Technik, Kulissenbau, Organisation – alles kommt von den Babelsbergern. Für die ist das Mitwirken an einem Projekt aus der kalifornischen Traumfabrik nichts Neues: Blockbuster wie „Inglourious Basterds“ oder „Cloud Atlas“ haben Babelsberger HIntergrund. So bleibt am Donnerstagvormittag Locationmanager Klaus Darrelmann gelassen, als eine Flotte von mehr als 50 Lastwagen in der Königstraße anrückt. Hebebühnen für die Beleuchtungstechnik werden unter den Augen der Wachleute ausgeladen.

„Gedreht wird nur nachts, wir fahren deshalb eine riesige Lichtanlage auf“, erklärt Darrelmann. Jogger müssen schon am Mittag Bögen um Hindernisse schlagen. Leitern, Kabel und sperriges Gerät stapeln sich auf dem Bürgersteig. Auf der Straße rollt der Verkehr noch ungehindert. 1000 Rad- und 15.000 Autofahrer pendeln täglich laut Zählung über die Brücke. Aus dem Bus der Linie 316 schauen Fahrgäste irritiert. Sie haben die Stacheldrahtrollen, Betonblöcke und Spanischen Reiter entdeckt. „Die gehören zur Seteinrichtung“, sagt Darrelmann. Details will er nicht ausplaudern. Er verweist auf seine Verschwiegenheitsklausel. Filmfans hätten keine Chance, während der Dreharbeiten ein Autogramm von Hanks zu ergattern, betont Darrelmann. „Alles ist weiträumig abgesperrt.“

Allein die Aufschriften auf Boxen und Autotüren verraten die Beteiligten: Mit dabei die Filmtierschule Schweuneke, deren Kisten sich am Geländer reihen. Die Filmtierschule aus Havelsee versorgt mit ihrem „Tierpark“ Krimiserien wie „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“. Die Wagen von „Star Dinner Express“ biegen in eine Seitengasse. Die Mahlzeiten der Berliner Caterer werden nicht nur die Mägen von Hanks und Spielberg, sondern auch von Schauspieler Sebastian Koch oder „Intimacy“-Star Mark Rylance füllen. Filmproduktionen von „Memory Effekt“ bis zum „Weißen Band“ finden sich auf der Referenzliste des Caterers.

Kürzung bei Förderung geplant

Babelsberg mit seinem Know-how zieht in der Filmbranche. Damit könnte bald Schluss sein, fürchtet Studiochef Christoph Fisser. Bei der Akquise von Großprojekten komme der Filmförderung wesentliche Bedeutung zu. Auch der Spielberg-Film wird unterstützt. 500.000 Euro steuert das Medienboard Berlin-Brandenburg bei. Die geplante Kürzung des Deutschen Filmförderfonds von 60 auf 50 Millionen Euro sorgt in den Studios für Aufregung.

Sprecher Eike Wolf verweist auf ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger, das die Allianz Deutscher Produzenten beauftragt hat. Danach bringe eine Million Euro Filmförderung mehr als 1,8 Millionen Euro an Steuereinnahmen. „Ohne die anteilige Finanzierung des Bundes wären Großproduktionen von Studio Babelsberg wie ‚Grand Budapest Hotel‘ und ‚The Monuments Men‘ nicht denkbar gewesen“, sorgt sich auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Brandenburg sucht Verbündete, um im Bundesrat eine Gegeninitiative anzuschieben.

Die Klappen für „St. James Place“ fallen nicht im Bundesrat, dafür in Marquard bei Potsdam: Im Schloss filmt Spielberg derzeit ebenfalls. Die Drehs in Breslau (Polen) und im Stasi-Knast in Berlin-Hohenschönhausen liegen hinter ihm. Der Spielberg-Film soll am 16. Oktober in die US-Kinos kommen.

Foto: JASON REED / REUTERS