Admiralspalast

Randale im Theater - Polizei hat Berliner Schüler ermittelt

Sie bewarfen Schauspieler, bedrohten und prügelten Brandenburger Schüler, beschädigten einen Bus. Nach der Randale von Berliner Schülern im Admiralspalast hat die Polizei Verdächtige ermittelt.

Foto: Krauthoefer

Eine Theatervorstellung zu stören, indem man gezielt Papierkugeln auf die Darsteller wirft – das könnte möglicherweise noch als „Dummejungenstreich“ durchgehen. Doch die Bedrohung von zwei 13-Jährigen mit einem Messer und der Faustschlag ins Gesicht eines Sechstklässlers fallen sicher nicht in diese Kategorie. Gleiches gilt für die Beschädigung eines Reisebusses mit einem Hammer.

Die Polizei hat deshalb Ermittlungen aufgenommen und konnte am Mittwoch, einen Tag nach der Randale von Berliner Schülern im Admiralspalast, mehrere Verdächtige namhaft machen. Was die Schüler der Ernst-Reuter-Oberschule in Gesundbrunnen bewogen haben könnte, die Sechstklässler aus Eberswalde (Kreis Barnim) zu attackieren, ist allerdings weiter unklar. „Zu den Motiven liegen noch keine Erkenntnisse vor“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag.

Die Leitung der Ernst-Reuter-Schule an der Stralsunder Straße wollte sich trotz mehrfacher Anfrage dieser Zeitung nicht zu den gewalttätigen Zwischenfällen äußern, sie verwies auf die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Dort zeigte man sich alarmiert und verlangte Aufklärung.

Der Vorgang dürfe auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden, hieß es von Seiten der Behörde. „Die Aufarbeitung hat bereits begonnen. So werden selbstverständlich Schüler und Lehrer befragt. Besonders wichtig ist uns aber, dass die Schulen miteinander in Kontakt treten. Das ist bereits geschehen“, sagte Sprecher Thorsten Metter am Donnerstag. Über Konsequenzen für einzelne Schüler könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nichts gesagt werden, so Metter.

Ermittlungen der Polizei dauern an

Die polizeilichen Untersuchungen zu den Vorgängen in und vor dem Admiralspalast – also wegen Körperverletzung, versuchter schwerer Körperverletzung und Sachbeschädigung – dauern noch an. Das Fachkommissariat der zuständigen Polizeidirektion 3 konnte bis Donnerstag neun Schüler der Sekundarstufe ermitteln. Drei von ihnen werde eine Tatbeteiligung vorgeworfen, nach weiteren werde noch gesucht, so die Polizei.

Wohl aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Polizei keine Angaben darüber, ob unter den Zwölf- und 13-Jährigen auch jene Schüler seien, die die beiden Eberswalder Schüler mit einem Messer bedroht haben sollen. Fest steht inzwischen, dass es sich bei den verdächtigten Schülern um Siebtklässler handelt und nicht, wie anfangs vermutet, um Schüler der Klassenstufen acht und neun. Diese Annahme, hervorgerufen durch erste Angaben der Eberswalder Lehrerinnen, hat sich laut Polizei nicht bestätigt. Kriminalbeamte haben die identifizierten Kinder angehört und die strafunmündigen Schüler dann ihren Erziehungsberechtigten übergeben.

Kritik an zögerlichem Handeln

In Ermittlerkreisen zeigte man sich indes verwundert darüber, dass die drei Lehrerinnen der Karl-Sellheim-Schule, die die angegriffenen Schüler als Aufsichtspersonen begleitet hatten, nicht früher die Polizei verständigt hatten. „Eine rasche Alarmierung über den Notruf 110 hätte nicht nur die Aufklärung erheblich erleichtert. Möglicherweise hätten die Angriffe – zumindest in Teilen – noch unterbunden werden können“, sagte ein ermittelnder Beamter. Es sei nur schwer nachvollziehbar, dass die Polizei erst nach der Rückkehr nach Eberswalde verständigt und Strafanzeige erstattet wurde. Auch die beiden Begleiter der Ernst-Reuter-Oberschule in Wedding hatten nicht die Polizei eingeschaltet, ebenso wenig die Veranstalter der abgebrochenen Theateraufführung.

Obwohl den 27, 51 und 54 Jahre alten Pädagoginnen der Karl-Sellheim-Schule die Bedrohung zweier ihrer Schüler mit einem Messer und der tätliche Angriff auf den Zwölfjährigen bekannt war, ließen sie die Schülergruppe zunächst in den Bus einsteigen. Das Fahrzeug war überdies mit einem Nothammer beworfen und dadurch beschädigt worden. Diesbezügliche Nachfragen bei der Schulleitung in Eberswalde blieben unbeantwortet. Die Leiterin lehnte auch am Donnerstag eine Stellungnahme ab.

Wie berichtet, waren die Brandenburger Schüler nach dem Abbruch der Aufführung auf Anweisung ihrer Lehrerinnen zunächst im Theatersaal geblieben. Sie sollten den Abzug der beiden Berliner Klassen abwarten. Dennoch kam es im Innenhof des Theaters und am Torbogen, der zur Friedrichstraße führt, zu verbalen Anfeindungen, die im Faustschlag gegen den Zwölfjährigen mündeten.

Foto: Steffen Pletl