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Jetzt will auch die BVG vor Berliner Katastrophen warnen

Schon seit 2012 informiert die Feuerwehr per Push-Nachricht vor größeren Gefahren. Doch erst 50.000 Berliner haben die KATWARN-App auf ihrem Smartphone. Jetzt macht auch die BVG mit.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Statt „U6 Alt Tegel in 4 Min“ könnte demnächst auch der Warnhinweis „Großbrand in Reinickendorf – bitte Fenster und Türen schließen“ auf einer der rund 1500 Anzeigen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aufleuchten. Seit Mittwoch beteiligt sich der landeseigene Betrieb als erstes großes Nahverkehrsunternehmen in Deutschland an dem Katastrophen-Warnsystem KATWARN. „Künftig werden wir über alle unsere Informationskanäle die Warnhinweise der Berliner Feuerwehr und des Deutschen Wetterdienstes an unsere Fahrgäste übermitteln“, kündigte der Sicherheitschef der BVG, Ingo Tederahn, an.

1500 Daisy-Anzeigen

Informationskanäle, das sind nicht nur die Anzeigen des Dynamischen Auskunfts- und Informationssystem (kurz Daisy), die auf fast allen U-Bahnsteigen (zurzeit 895 Daisy-Anzeigen) und an vielen Bus- und Straßenbahnhaltestellen (604 Anzeigen) angebracht sind. Möglich sind auch Lautsprecherdurchsagen in den Fahrzeugen oder Hinweise auf der Internetseite der BVG. Das Ziel: Möglichst viele Menschen sollen möglichst schnell über Gefahren in der Stadt gewarnt werden. Doch BVG-Sprecher Markus Falkner sieht einen doppelten Nutzen für die Fahrgäste: „Wir können auf Warnmeldungen auch betrieblich reagieren. So werden wir etwa unsere Fahrgäste nicht an U-Bahnhöfen aussteigen lassen, über denen eine giftige Rauchgaswolke liegt.“

Berlin ist bundesweit Vorreiter

Seit 2012 ist das vom Fraunhofer Institut entwickelte und von der Feuersozietät Berlin Brandenburg finanzierte System in Betrieb. Berlin war dabei mit Hamburg bundesweit Vorreiter, inzwischen werden Meldungen in mehr als 30 Städten und Landkreisen verschickt. Als Kurznachricht aufs Handy oder per E-Mail erhalten die Bürger von der örtlichen Feuerwehr-Leitstelle Warnungen etwa vor Großbränden, Bombenfunden oder Giftwolken – und das postleitzahlengenau. „Warnmeldungen gibt es dabei nicht nur für den Wohnort, sondern auch für den Kita-Standort oder den Urlaubsort“, so Ortwin Neuschwander vom Innovationszentrum Öffentliche Sicherheit am Berliner Fraunhofer-Institut (Fokus). Mit Hilfe der BVG gelänge es nun, jetzt deutlich mehr Menschen mit den Warnmeldungen kurzfristig zu erreichen.

Erst 50.000 Nutzer

Und nicht nur vor Bränden, sondern auch vor Wetterunbilden wie Orkan oder Blitzeis wird gewarnt. „Das Besondere in Berlin ist, dass wir auch kleineren Unwetterlagen informieren“, sagte Linda Jäckel vom Deutschen Wetterdienst aus Potsdam, der die Daten bereitstellt. Allerdings: Bisher haben erst 50.000 Berliner die App (gibt es kostenlos für iPhone und Android-Smartphones, für Windows ab Dezember) heruntergeladen oder sich per SMS (Servicenummer 0163-755 88 42, dann KATWARN und Postleitzahl eingeben) angemeldet. Das sollten unbedingt mehr sein, wünscht sich Landesbranddirektor Wilfried Gräfling. „Seit der Bund die Förderung eingestellt hat, gibt es das Warnsystem mit Sirenen ja nicht mehr.“ 2013 wurden 13 Warnungen versandt, zwei vor Großbränden, elf bei extremen Wetterlagen.

Weitere Informationen auf der Internetseite www.katwarn.de

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