Doppeltes Plus

BVG steuert auf Gewinnjahr zu - Mitarbeiter profitieren

Die Berliner Verkehrsbetriebe erwarten für dieses Geschäftsjahr eine „nachhaltige schwarze Null“. Damit würde das Ziel zwei Jahre früher erreicht als geplant. So kann die BVG ein Lohnplus zahlen.

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Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werden offenbar erstmals seit langer Zeit am Ende dieses Jahres einen echten Gewinn erzielen. „Die BVG erwartet für das Geschäftsjahr 2014 eine nachhaltige ‚schwarze Null‘“, bestätigte Unternehmenssprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost. Eine „schwarze Null“ – also eine ausgeglichene Bilanz bei allen Einnahmen und Ausgaben sowie unterm Strich ein mögliches kleines Plus – hatte BVG-Chefin Sigrid Nikutta bereits bei ihrem Amtsantritt im Herbst 2010 als „strategisches Ziel“ für 2016 ausgegeben. Nun wird dieses Marke offenbar bereits zwei Jahre früher als geplant erreicht. Noch vor vier Jahren hatte die BVG im operativen Geschäft ein Verlust von 62,6 Millionen Euro erzielt. Profitieren werden von der positiven Entwicklung zunächst einmal die rund 13.300 Mitarbeiter der BVG. Wie gemeldet, haben sich nach kurzen und zudem völlig geräuschlosen Tarifverhandlungen der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) und die Gewerkschaften am Montag auf einen Lohnabschluss für das kommende Jahr geeinigt. Und das ohne einen Streiktag.

500 Euro als Anerkennung

Demnach werden die Tarifentgelte in dem landeseigenen Unternehmen ab 1. Januar 2015 um drei Prozent angehoben. Zudem erhält jeder der aktuell rund 11.500 Beschäftigten bei der BVG und den knapp 1800 Mitarbeitern bei der BVG-Tochter Berlin Transport (BT) im Dezember dieses Jahres eine Einmalzahlung von 500 Euro. Auszubildende bekommen einmalig 100 Euro. Das Weihnachtsgeld erhöht sich im kommenden Jahr um 100 Euro auf 1300 Euro. Mit den Entgeltsteigerungen würden die Arbeitgeber BVG und BT ihre Mitarbeiter an der allgemeinen Lohnentwicklung teilhaben lassen. Der Einmalbetrag zum Jahreswechsel sei eine Anerkennung für die „besonders erfolgreiche Geschäftsentwicklung“ in diesem Jahr, heißt es beim Arbeitgeberverband, der die Tarifverhandlungen im Auftrag der BVG geführt hat.

Die Beschäftigten können sich in gleich doppelter Hinsicht freuen: Sollten doch ihre Löhne und Gehälter ursprünglich „nur“ um 1,5 Prozent steigen. So zumindest das Ergebnis eines bereits im Frühjahr 2012 erzielten Abschlusses. Da jedoch der Tarifvertrag am 30. Juni 2015 ausläuft und der neue Rahmenvertrag, der den BVG-Mitarbeitern jährlich ein festes Lohnplus von 2,5 Prozent zusichert, erst am 1. Januar 2016 beginnt, tat sich zeitlich eine sogenannte Regelungslücke auf. Bei den Verhandlungen darüber erzielten die Unterhändler von Verdi und der dbb-Tarifunion nun einen kräftigen Nachschlag auch schon für die erste Jahreshälfte. Und dieses nach nur zwei Verhandlungsrunden, wie es anschließend hieß. Die Verdi-Spitze selbst war offenbar so überrascht von dem rasch erzielten Erfolg, dass sie sich, anders als sonst, offiziell nicht dazu äußerte.

Lohnplus über für andere landeseigene Unternehmen

Die BVG-Mitarbeiter können sich auch deshalb freuen, weil ihr Lohnplus von drei Prozent auch über dem Ergebnis für andere landeseigene Unternehmen liegt. Nach dem im Vorjahr zwischen Verdi und den kommunalen Arbeitgebern vereinbarten Abschluss sollen die Gehälter etwa bei den Mitarbeitern der Berliner Stadtreinigung, der Bäderbetriebe oder der Vivantes-Kliniken zum 1. März um 2,4 Prozent steigen. Nach BVG-Angaben kann ein Busfahrer mit einem Lohnplus von durchschnittlich 62 Euro im Monat rechnen. Ein Disponent in der Leitstelle, der den Einsatz von Bussen und Bahnen sowie deren Fahrer koordiniert, darf sich auf ein Einkommenszuwachs von 66 Euro im Monat freuen. Fahrzeugschlosser bekommen demnach im Schnitt 71 Euro monatlich mehr (alles Bruttobeträge vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen).

Angaben über das Gesamtvolumen des Lohnabschlusses machte der Kommunale Arbeitgeberverband nicht. Schätzungen nach dürften es aber Mehrkosten von etwa 15 Millionen Euro im Jahr sein. Für 2013 hat die BVG in ihrem Geschäftsbericht Personalkosten von insgesamt knapp 494 Millionen Euro ausgewiesen, hinzu kommen weitere 92 Millionen für Ruhestandsgelder und Gehaltsaufschläge für BVG-Mitarbeiter, die noch vor 2005 im Unternehmen eingestellt wurden.

Fahrgastverband Igeb fordert mehr Investitionen in die Infrastruktur

Angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung und der steigenden Nutzerzahlen fordert der Berliner Fahrgastverband Igeb die BVG auf, auch stärker in ihre Infrastruktur zu investieren. „Ich gönne jedem Mitarbeiter das Lohnplus. Es wäre aber schön, wenn die BVG mit gleicher Vehemenz auch etwas für ihren Wagenpark tut“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Vor allem bei der U-Bahn seien viele Fahrzeuge zu alt. Dadurch käme es immer wieder zu technischen Defekten. „Und natürlich wünschen wir uns, dass sich nicht gleich wieder die Fahrpreise erhöhen“, sagte Igeb-Sprecher Wieseke.

Die nächste Preisanhebung ist indes bereits beschlossen. Zum 1. Januar verteuern sich die Tickets im Verkehrsverbund um durchschnittlich 2,3 Prozent. Die Einzelfahrscheine für das Berliner Stadtgebiet (Tarifzone AB) sowie für Berlin und das Umland (Tarifgebiet ABC) kosten dann 2,70 Euro beziehungsweise 3,30 Euro – und damit jeweils zehn Cent mehr als heute. Auch die Monatskarten verteuern sich: auf 79,50 Euro (Berlin) sowie 98,50 Euro (Berlin und Umland).