Wohnungsmarkt in Berlin

Auch städtische Vermieter schöpfen Mieterhöhungen aus

Nicht nur private Vermieter reizen in Berlin den gesetzlichen Spielraum bei Neuvermietungen aus. Auch die landeseigenen Wohnungsunternehmen gehen bei neuen Mietern an die gesetzlichen Grenzen.

Foto: Glanze

Berlins sechs landeseigene Wohnungsbaugesellschaften nutzen in den meisten Fällen ihren gesetzlichen Spielraum für Mieterhöhungen aus. Bei fast zwei Drittel der Neuvermietungen verlangen die Unternehmen von den neuen Bewohnern mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto hervor.

In den ersten sechs Monaten 2014 haben Gewobag, Degewo, Howoge, Stadt und Land, Gesobau und WBM zusammen 9432 frei gewordene Wohnungen neu vermietet. Davon wurden 3836 an einkommensschwache Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins abgegeben.

Diese Personen müssen, wie im Mietenbündnis mit Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) vereinbart, auch nur die ortsübliche Vergleichsmiete bezahlen. Diese lag 2013 laut Mietspiegel für ganz Berlin bei durchschnittlich 5,54 Euro pro Quadratmeter im Monat.

Bei den öffentlichen Wohnungsunternehmen zahlten Neumieter ohne Wohnberechtigungsschein nach Angaben von Müllers Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup 2013 im Durchschnitt zwischen 5,65 Euro bei der Stadt und Land und 6,30 Euro bei der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM).

Es sei davon auszugehen, dass „höchstens 5596 neue Vertragsabschlüsse bis zu 10 Prozent beziehungsweise 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete abgeschlossen wurden“, so der Staatssekretär. Die Wohnungsgesellschaften beachteten aber die gesetzliche Grundlage, wonach ein Vermieter ordnungswidrig handelt, wenn er den Mietzins bei Neuvermietungen um mehr als 20 Prozent anhebe.

Insgesamt hat die angespannte Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt die Lust der Mieter der städtischen Unternehmen aufs Umziehen gedämpft. 2013 wechselten noch 7,4 Prozent der Mieter der 275.000 landeseigenen Wohnungen ihre Bleibe. Im Jahr zuvor lag die Fluktuationsquote noch bei 8,3 Prozent. Am wenigsten ziehen die Mieter der WBM aus ihren meist zentral gelegenen Wohnungen aus. Die Fluktuation ist dort mit 5,8 Prozent die niedrigste.