Leserforum

Wie gesund ist Berlin? Diskutieren Sie mit!

„Wie gut ist das Berliner Gesundheitssystem?“ heißt das Thema, über das wir in der Reihe „Morgenpost vor Ort“ mit Ihnen diskutieren wollen. Auch Gesundheitssenator Czaja wird auf dem Podium sitzen.

Foto: /Hannibal Hanschke / pa/dpa

Berlin wächst, Berlin wird älter – und damit steigt auch die Zahl der Patienten, die in Krankenhäusern und ambulanten Praxen behandelt werden müssen. Eigentlich kein Grund zur Sorge, denn die Stadt hat eine so hohe Ärztedichte wie kaum ein anderes Bundesland. Auf einen berufstätigen Arzt kommen 187 Einwohner. In der ambulanten ärztlichen Versorgung gilt Berlin als überversorgt.

Doch warum kommt es trotz allem zu langen Wartezeiten bei Fachärzten und warum sind die Rettungsstellen der Krankenhäuser überfüllt? Immerhin könnten von den 1,2 Millionen Patienten in Berliner Rettungsstellen 800.000 auch von einem niedergelassenen Arzt versorgt werden. Und sind einige Bezirke mit Klinikbetten besser ausgestattet als andere?

Über diese und andere Fragen wollen wir im Rahmen der Reihe „Morgenpost vor Ort“ mit Ihnen, unseren Lesern, und unseren fünf Experten diskutieren. „Wie gut ist das Berliner Gesundheitssystem?“ heißt das Thema am kommenden Dienstag, 18. November, um 19.30 Uhr im Hörsaal der Kaiserin-Friedrich-Stiftung am Robert-Koch-Platz 7. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist für die Leser der Berliner Morgenpost kostenlos, allerdings müssen Sie sich anmelden (siehe Info).

219 Millionen Euro Investitionsbedarf

Das große Problem bei der ärztlichen Versorgung in Berlin ist die Verteilung der Praxen. Während sich in Bezirken wie Charlottenburg-Wilmersdorf Praxis an Praxis reiht, sind andere Gebiete der Stadt wie Marzahn-Hellersdorf medizinisch unterversorgt. Ärzte berichten von völlig überfüllten Wartezimmern und Ärztevertreter klagen sogar, dass angesichts einer wachsenden Patientenzahl die Grundversorgung durch Hausärzte in Gefahr ist. Ist das Zulassungssystem für Arztpraxen alltagstauglich oder „bürokratischer Unsinn“? Auch über diese Frage wollen wir in unserer Expertenrunde und mit Ihnen diskutieren.

Der Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hat sich in diesem Jahr gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen der ungleichen Verteilung angenommen. So dürfen zum Beispiel Praxen in ausreichend versorgten Gebieten, die aus Altersgründen aufgegeben wurden, nicht wieder nachbesetzt werden und Praxisumzüge können nur noch in schlechter versorgte Bezirke stattfinden. Auch das System der Bereitschaftsdienstpraxen an Krankenhäusern soll ausgebaut werden. Das könnte die Rettungsstellen entlasten, die viele Patienten versorgen, die in einer ambulanten Praxis gut aufgehoben wären. Doch wer wochenlang auf einen Termin bei einem Facharzt wartet, geht dann oft lieber in eine Rettungsstelle, wo er mehrere Fachdisziplinen auf einem Fleck hat, innerhalb von wenigen Stunden. Deswegen wollen wir in unserem Leserforum auch die Frage stellen, ob Berlin mehr Polikliniken braucht.

Neben der ambulanten Versorgung wird auf dem Podium auch die Situation der Krankenhäuser Thema sein. Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus hat allein für die Berliner Plankrankenhäuser einen Investitionsbedarf von 219 Millionen Euro errechnet. Ausgehend von 765.000 jährlich behandelten Fällen. Doch die Lücke zwischen dem ermittelten Bedarf und den Mitteln, die im Haushalt zur Verfügung stehen, ist groß: Für 2014 standen knapp 70 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung. Rettungsstellen, in die es hineinregnet, sind nur ein Indiz für fehlende Investitionen. Wo muss dringend investiert werden? Und wie passt eine wachsende Stadt zu der im Krankenhausplan vorgesehenen Bettenzahl?

Als Experten diskutieren auf dem Podium am Dienstag, den 18. November:

Mario Czaja (CDU), seit Dezember 2011 Senator für Gesundheit und Soziales

Andrea Grebe, seit März 2013 Vorsitzende der Geschäftsführung bei Vivantes, mit neun Krankenhäusern der größte Klinikbetreiber in Berlin

Karin Stötzner, seit 2011 Patienten- und Pflegebeauftragte für Berlin

Ulrich Fegeler, seit 1989 Kinderarzt in Spandau, seit 2007 ist er Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte

Andreas Abel, Redakteur der Berliner Morgenpost, zu seinen Schwerpunkten zählen auch Themen der medizinischen Versorgung und der Gesundheitspolitik

Hajo Schumacher (Moderator), Autor und Kolumnist der Berliner Morgenpost