Kommentar

Die Berliner Lehrer brauchen mehr Anerkennung

Tausende Pädagogen gehen in den Ruhestand, doch an den Berliner Universitäten werden viel zu wenig junge Lehrer ausgebildet. Ein gesellschaftliches Umdenken ist nötig, meint Regina Köhler.

Die politisch Verantwortlichen wissen seit Langem, dass Tausende Pädagogen in den Ruhestand gehen und in den kommenden Jahren viele neue Lehrer eingestellt werden müssen. Dass aber gerade die Grundschulen stark betroffen sind, an denen Schülerkarrieren ihren Anfang nehmen, haben sie offenbar lange verdrängt.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist nun unter Handlungsdruck. Diesen Druck gibt sie an die Berliner Universitäten weiter. Die sollen möglichst schnell mehr Lehrer ausbilden. Eine nachvollziehbare Forderung. Unverständlich bleibt allerdings, dass die Bildungsverwaltung es offenbar jahrelang hingenommen hat, dass sich an der Freien Universität jährlich rund 1000 junge Menschen für einen Studienplatz im Bereich Grundschulpädagogik beworben haben, aber nur etwa 80 aufgenommen werden konnten. Lediglich 65 von ihnen sind dann auch fertig geworden.

Jetzt musste auf einmal alles ganz schnell gehen. Die Universitäten mussten für dieses Wintersemester plötzlich nahezu doppelt so viele Bewerber aufnehmen wie bisher. Genügend Zeit, sich gut darauf vorzubereiten, bekamen sie nicht. Übervolle Hörsäle sind die Folge. Das Schlimmste aber, es mangelt an guten Dozenten für die Erstausbildung. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht allzu viele junge Menschen ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen, weil ihnen motivierte Ausbilder und Professoren fehlen und sie keine Lust haben, sich in überfüllte Seminarräume zu zwängen.

Doch wir brauchen nicht nur zusätzliche Ausbildungsplätze für Grundschulpädagogen. Ein gesellschaftliches Umdenken ist nötig: Dieser Beruf braucht endlich die Anerkennung, die ihm gebührt. In Berlin wurde diesbezüglich zwar ein erster Schritt getan. Senatorin Scheeres hat ein neues Lehrerbildungsgesetz auf den Weg gebracht. Grundschullehrer werden von nun an genauso lange ausgebildet wie Oberschullehrer, insgesamt fünf Jahre. Das führt zu einer Aufwertung dieses Berufs.

Möglichst schnell muss nun aber ein zweiter Schritt folgen: die bessere Bezahlung der Grundschulpädagogen. Bislang verdienen sie deutlich weniger als Studienräte oder Sekundarschullehrer. Angesichts der großen Herausforderungen – die Klassen werden immer heterogener, im Ganztagsbetrieb müssen Grundschullehrer nicht nur Stoff vermitteln, sondern zunehmend auch Sozialarbeit leisten – ist das nicht nachzuvollziehen.