Urteil

Überfall vorgetäuscht – Bäckerei-Verkäuferin muss in Haft

Eine Verkäuferin machte mit einem Komplizen gemeinsame Sache: Sie ließ sich in einer Bäckerei mit einer Waffe bedrohten, öffnete den Tresor. Nun muss sie wie ihr Mittäter ins Gefängnis.

Nach einem vorgetäuschten Überfall auf eine Bäckerei in Wedding müssen eine damalige Verkäuferin des Geschäfts und ihr Komplize hinter Gitter. Gegen die 31-Jährige verhängte das Berliner Landgericht am Freitag eine Gefängnisstrafe von einem Jahr. Der gleichaltrige Mitangeklagte erhielt für den fingierten Raub sowie drei weiterer Taten eine Gesamtstrafe von vier Jahren.

Im Falle der Bäckerei wurden die Angeklagten des Diebstahls sowie der Nötigung schuldig gesprochen. Die Frau sei „kein echtes Raubopfer“ gewesen, begründete das Gericht das Urteil.

Maskiert und mit einer täuschend echt wirkenden Spielzeugpistole war der vielfach Vorbestrafte am 8. November 2013 in einer Bäckerei aufgetaucht. Er drückte der Mitangeklagten die Waffe an den Hals und verlangte Geld. Die Verkäuferin sei dem Mann „direkt in die Arme gelaufen“, hieß es im Urteil. „Es wurden 1900 Euro aus dem Tresor erbeutet, das ist ein Pappenstiel“, sagte der Vorsitzende Richter. Zwei weitere Personen, die sich im Geschäft aufhielten, seien bedroht worden.

Die beiden Angeklagten hatten sich im Prozess weitgehend geständig gezeigt. Die Frau sagte, es sei eine „Schnapsidee“ gewesen. Sie habe dem drogenabhängigen Komplizen lediglich helfen wollen und nicht von der Tat profitiert. Die 31-Jährige hatte auf eine Bewährungsstrafe gehofft. Da die Frau vorbestraft ist und bei dem fingierten Überfall bereits unter Bewährung stand, kam aus Sicht des Gerichts keine mildere Strafe in Betracht. Das Urteil entsprach im Wesentlichen dem Antrag des Staatsanwalts.