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S-Bahn-Chef kann Kritik an Vergabe nicht verstehen

Bei der Vergabe des S-Bahn-Betriebs ist der letzte Mitbewerber abgesprungen. Peter Buchner will das zwar nicht bestätigen, hat dafür aber auch kein Verständnis.

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Wenn Peter Buchner zu Vorträgen lädt, kommt fachkundiges Publikum. Am Donnerstagabend referierte der Chef der Berliner S-Bahn vor rund 50 Gästen über die Zukunft seines Unternehmens. Das will seine Fahrzeuge in Zukunft mit dem Fahrerassistenzsystem „Fassi“ ausrüsten. Es hilft den Zugführern, energiesparender zu fahren. „Wir werden ‚Fassi’ auch in die neuen Fahrzeuge einbauen“, sagte Buchner, „wenn wir die Ausschreibung gewinnen sollten.“ Da lachte der gesamte Saal.

Denn natürlich hat auch Buchner registriert, was diese Woche bekannt wurde: Wie mehrere Branchen-Insider bestätigten, hat sich mit National Express der letzte Bewerber in der Ausschreibung um den Betrieb der Ringbahn und deren Zubringer-Linien ab 2017 zurückgezogen. Die Deutsche Bahn steht damit ohne Konkurrent da. Bestätigen wollte Buchner nichts. „Ich weiß nicht, ob es stimmt, es interessiert mich auch nicht.“

Schon vor Monaten hatte das britische Unternehmen National Express das Verfahren des Senats kritisiert: Es sei zu komplex, es habe zu viele Änderungsvorgaben gegeben, was auch die Bewerber aus Frankreich und Asien zur Aufgabe gezwungen habe. Und bei der Finanzierung sei die Deutsche Bahn als Staatskonzern im Vorteil. 400 Wagen für rund 800 Millionen Euro muss der neue Betreiber mitbringen.

Buchner: „Bin ein Freund von Wettbewerb“

Auch aus den Reihen der Opposition im Abgeordnetenhaus kam die Kritik, dass ein Wettbewerb in dieser Ausschreibung offenbar nicht gewünscht war. „Dass die Ausschreibung auf uns zugeschnitten gewesen sein soll, weil wir die einzigen sind, die Fahrzeuge kaufen können, kann ich nicht verstehen“, konterte Buchner, „bei früheren Ausschreibungen waren fast alle Mitbewerber der Deutschen Bahn Töchter von Staatsunternehmen“. Er sei ein Freund von Wettbewerb, „man sollte seine Fähigkeiten immer messen müssen.“ Kritik an der Komplexität des Verfahrens wollte er nicht gelten lassen. „Das sollte ein interessierter Bewerber schon hinbekommen.“

Derweil müsse die S-Bahn selbst noch eine andere „Riesen-Herausforderung“ meistern. Weil sich die Vergabe immer weiter verzögerte und neue Fahrzeuge bis 2017 nicht rechtzeitig fertig würden, fährt die S-Bahn per Direktvergabe noch bis 2023 auf dem Ring. Dafür müssen alte Wagen für 160 Millionen Euro modernisiert werden. Es seien eine Menge Probleme zu lösen, so Buchner. Denn manche der alten Teile lassen sich offenbar nicht mehr nachkaufen.

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