Lichtenberg

Jahn will Ex-Stasi-Zentrale zu Demokratie-Campus entwickeln

25 Jahre nach dem Mauerfall wird gestritten, wie künftig die DDR-Vergangenheit aufgearbeitet werden soll. Der Hüter der Stasi-Unterlagen will dafür auch die Ex-Stasi-Zentrale in Lichtenberg nutzen.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat sich gegen Jammern über die DDR-Vergangenheit gewandt. „Wir sollten nach vorne schauen und nicht verhaftet sein im Leid der Vergangenheit“, sagte der einstige Oppositionelle am Montagabend bei einer Diskussion über die künftige Nutzung der Ex-Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg.

Jahn verteidigte seine Pläne, das riesige Areal zu einem Campus für Demokratie zu entwickeln. „Das ist nicht nur der Ort der Repression, sondern auch der friedlichen Revolution.“

Am 15. Januar 1990 hatten Bürgerrechtler das verhasste Ministerium erstürmt und einen Großteil der Akten vor der Vernichtung gerettet.

Der Bundesbeauftragte versicherte, es solle „kein staatliches Aufarbeitungskombinat entstehen“. Er verwies auf die Kraft des historischen Ortes für Menschen, sich Geschichte anzueignen und aus ihr zu lernen.

Keine „Konzentration der DDR-Aufarbeitung“

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hielt dem entgegen, er wolle keine Konzentration der DDR-Aufarbeitung. „Der Ort soll nicht zum Kompetenzzentrum für die zweite deutsche Diktatur werden.“ Die vielen bürgerschaftlichen Initiativen an verschiedenen Orten seien ihm wichtig. Sie verdienten eine vernünftige Finanzierung.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Lengsfeld findet es mutig, an dem Ort aktive Bildungsarbeit zu betreiben. „Ich unterstütze das mit ganzem Herzen.“ Hier könne erkundet werden, wie der DDR-Geheimdienst funktionierte.

Diskutiert wurde im Haus 22, dem einstigen Offizierskasino des Stasi-Ministeriums unter Erich Mielke. Nach Vorstellungen der Jahn-Behörde könnte das Gebäude zum Informationszentrum mit Bibliothek zur SED-Diktatur, Buchladen, Seminarräumen und einem Lesecafé mit Terrasse werden. Genaue Zeitpläne und Kostenschätzungen sind noch nicht bekannt.

In Haus 1, dem einstigen Dienstsitz von Mielke, gibt es ein Stasi-Museum des Vereins ASTAK, zudem haben sich mehrere Initiativen angesiedelt. Mielkes früherer Dienstsitz kann auch besichtigt werden. Zudem ist das Archiv mit den im Original erhaltenen Stasi-Unterlagen in dem früheren Komplex der Staatssicherheit untergebracht. Hier ist im Gespräch, in der Nähe die Forschungsabteilung der Stasi-Unterlagen-Behörde zu etablieren.