Berliner Baumeister

Sohrab Zafari schafft Ruhe mit Raum und Licht

Raum und Licht. Sohrab Zafari kommt immer wieder darauf zurück. Mehrfach wiederholt der 42-Jährige im Laufe des Gesprächs die Konstanten seiner Architektur.

„Das Wichtigste sind Raum und Licht“, sagt Sohrab Zafari klar. Keine Frage, dieser Planer ist sich seiner Sache sicher. Und die Sache ist für ihn eindeutig: „Für mich gibt es nur gute und schlechte Architektur“, sagt er. Die gute Architektur besteht für ihn aus perfekt und reduziert gestaltetem Raum und optimal genutztem Licht. Doch damit nicht genug, zeichnet sich gute Architektur für Zafari vor allem dadurch aus, „dass sie eine Seele hat und die Menschen berührt“, ja, bestenfalls sogar beglückt. Das mag ein wenig altmodisch klingen, ist es aber ganz und gar nicht, wie das erste größere Projekt seines Berliner Büros „Zafari Atelier“ zeigt.

Der strahlend weiße und verschachtelte Neubau an der Waisenstraße in Mitte wirkt je nach Blickwinkel immer wieder anders. Mal monolithisch starr, mal bewegt, mal schlicht. Der Gebäudekomplex aus vorderem Wohnhaus mit seinen versetzten raumhohen Fenstern, den kantigen Sprüngen der oberen Geschosse sowie den hinteren Townhäusern ist modern und zeitlos. Auch im Inneren. Jede der unterschiedlich großen Wohnungen, von denen Zafari auch drei in Absprache mit den Eigentümern gestaltet hat, ist anders. Aber immer spielt der Planer mit den Möglichkeiten des Lichts, das direkt und indirekt zur Geltung kommt. Auch im Eingangsbereich, wo Zafari vereinzelt schmale Lichtbänder aus LED-Leuchten in den ungeschliffenen Sichtbeton von Wand und Decke integriert.

Der Standort für diesen Neubau könnte spannender nicht sein. An einer der ältesten Straßen Berlins unweit der letzten Reste der mittelalterlichen Stadtmauer konnte Zafari für einen privaten und wohlhabenden Bauherren auf einem keilförmigen Grundstück seine Idee zeitgenössischer Architektur realisieren. Und dabei bewährte Bautradition im besten Sinne weiterentwickeln.

Das überrascht nicht weiter, Sohrab Zafari kommt aus dem Iran – ein Land mit bedeutender Architekturgeschichte. Statt sich „technologische Materialschlachten zu liefern“ besinnt sich Zafari, wie er sagt, dann auch lieber auf die Basis der Architektur. Nicht das Spektakel ist sein Ziel, sondern die präzise Gestaltung und Nutzung der Räume – und die Ruhe, die er schaffen will. „In unserer schnelllebigen Zeit brauchen wir wieder Rückzugsräume, die klar und schlicht sind.“ So lässt der Baukünstler in einer der Luxuswohnungen beispielsweise den Kühlschrank hinter einer schlichten Schrankwand in der Freitreppe zur Dachterrasse verschwinden. Die Tür zur erforderlichen Feuertreppe in einem der Wohnräume verbirgt sich unsichtbar hinter einer Schieferwand neben dem Kamin. Nur zwei von vielen Details des Designs.

„Die Baustelle war immer mein Spielplatz“, sagt Zafari. Als Sohn eines Bauingenieurs in der iranischen Metropole Teheran lernte er schon von seinem Vater „das Gefühl für Raum und Licht“, wie er heute sagt. Nach Deutschland kam Zafari bereits im Alter von 13 Jahren. Seine Eltern wollten ihn zur Zeit des Irak-Iran-Kriegs in den 80er-Jahren in Sicherheit wissen und schickten den Jungen zu einem Onkel nach Stuttgart. In Heidelberg studierte er Architektur, lernte seine Frau kennen „und gründete eine Familie“.

Die ersten Aufträge als selbständiger Architekt waren das Übliche: kleinere Umbauten, Anbauten und Innenarchitektur. Als „prägende Erfahrung“ betrachtet er noch heute sein Minimalhausprojekt. „Ich habe ein 55 Quadratmeter großes Künstleratelier zu einer Wohnung umgebaut, in der wir mit unseren beiden kleinen Kindern von 2004 bis 2006 gelebt haben“, sagt Zafari. Er wollte beweisen, dass es in der Architektur nicht um Größe, sondern um die Qualität der Räume gehe, in denen man lebe.

Dass seine Architektur an der Waisenstraße sich im gehobenen Luxussegment bewegt und nur dank eines bestimmten Budgets realisierbar war, leugnet Zafari natürlich nicht. Er sieht das pragmatisch: „Natürlich ist es für mich toll, meine Ideen von guter Architektur umsetzen zu können und auch in Berlin mal die Normen zu sprengen.“

Seit 2007 lebt und arbeitet Zafari in Berlin. Torsten Bröhan von der Bröhan Design Stiftung hatte ein Objekt Zafaris, den Holzhocker Foulded, in seine Sammlung aufgenommen und den Architekten angeregt, an die Spree zu kommen.

Berlin sei immer eine Stadt gewesen, in der viel experimentiert wurde. Auch in der Architektur. „Momentan ist die Entwicklung hier allerdings nicht wirklich spannend“, sagt Zafari. Und er ergänzt, dass das aber auch an den Architekten liege. „Wir müssen mehr wagen. Denn auch hier ist besondere Architektur möglich.“