Polizei-Notruf

Immer mehr Anrufer landen bei „110“ in der Warteschleife

Wer den Polizei-Notruf „110“ wählt, soll eigentlich innerhalb der ersten zehn Sekunden mit einem Beamten sprechen. Doch ein Viertel der Anrufer landet erst einmal in der Warteschleife.

Foto: Susanne Holz

Wer die „110“, den Notruf der Berliner Polizei, wählt, landet immer häufiger in der Warteschleife. Im zweiten Quartal dieses Jahres mussten knapp acht Prozent der Anrufer länger als 30 Sekunden warten, bis ein Beamter der Einsatzleitzentrale antwortete. Innerhalb von zehn Sekunden wurden nur 75 Prozent der Anrufe angenommen. Das ist der schlechteste Wert seit dem zweiten Quartal 2011. Die Behördenleitung hatte als Ziel vorgegeben, dass 90 Prozent der Anrufe innerhalb von zehn Sekunden angenommen werden sollen.

Diese Angaben machte die Innenverwaltung auf Anfrage der Grünen. Die Gesamtzahl der eingegangenen Notrufe lag danach im zweiten Quartal dieses Jahres bei 336.804. In 26.682 Fällen legten Anrufer auf, bevor der Notruf entgegengenommen wurde. Überlange Wartezeiten seien dafür aber nicht der Grund, heißt es. „Es wird davon ausgegangen, dass letztlich alle Notrufe, welche aufgrund einer objektiven Gefahrenlage erfolgen, die Polizei erreichen“, schreibt die Behörde. Im laufenden Jahr habe es bisher vier Beschwerden wegen überlanger Wartezeiten gegeben.

Gewerkschaft der Polizei spricht von „Schande“

Der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux sagte, die Berliner hätten ein „Recht auf schnelle Hilfe“. Die Ziele würden aber weder bei der Polizei noch bei den Rettungsdiensten erreicht. „Hier wird eindeutig an der falschen Stelle gespart“, sagte Lux. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete die nicht erreichte Zielvorgabe als „Schande“. Die Wartezeiten seien Ergebnis eines neuen Dienstzeitmodells. Mitunter seien nur zwei oder drei Annahmeplätze besetzt. „Aufgrund der dünnen Personaldecke fallen derzeit teilweise bis zu 150 Anrufe in der Stunde ab, das heißt, sie bleiben unbeantwortet, weil der Anrufer aufgelegt hat“, sagte Kerstin Philipp, GdP-Landesbezirksvorsitzende.

Die Innenverwaltung nannte „technische, ablauforganisatorische sowie auch personelle Probleme“. So habe sich ein Software-Update verzögert. Engpässe solle ein „Personalgewinnungsverfahren“ beseitigen.