Wettbewerb

Diese simplen Ideen sollen Staus in Berlin verhindern

Der Senat und die IHK suchten Ideen gegen den stockenden Verkehr in Berlin. Einfach und vor allem billig sollten sie sein. Klingt nicht leicht, doch dann kam Taxiausbilder Axel Rühle.

Foto: Christian Kielmann

Der Nachfolger von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) scheint gefunden. Er ist 46 Jahre alt und arbeitet unter anderem als Redakteur bei der Fachzeitschrift „RAL1015 – taxi news“. Noch nie gehört? Macht nichts. Der potenzielle Kandidat könnte sich einen Gang in die Politik sowieso nicht vorstellen. Axel Rühle muss lachen, als er von dem Vorschlag hört. „Das können andere besser“, sagt er.

Doch was Rühle gut kann: Lösungen für den Berliner Verkehrsinfarkt finden. Bei dem Wettbewerb „Schlau aus dem Stau“ belegte der Schöneberger mit seinen Ideen den zweiten und dritten Platz. Die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) hatte gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aufgerufen, leichte und schnell umsetzbare Vorschläge einzureichen.

Denn Berlin steht im Stau, das ist kein Geheimnis. Laut einer Statistik des ADAC verzeichnete die Hauptstadt im vergangenen Jahr 46.571 Staumeldungen, deutschlandweit Platz vier. Die Länge dieser Staus addiert ergaben in etwa eine doppelten Erdumrundung.

Das Know-how der Berufskraftfahrer abschöpfen

Dazu kommt: Berlin hat kaum Geld. Da liegt es auf der Hand, nach Lösungen zu suchen, die nichts kosten. Es sei möglich, so die IHK, den Verkehrsfluss durch intelligente Lösungen zu verbessern, auch ohne „Millionenbeträge“ investieren zu müssen. „Schlau aus dem Stau“ richtete sich vor allem an Berufskraftfahrer, es ging darum, „das Know-how von denjenigen zu nutzen, die täglich auf Berlins Straßen unterwegs sind“.

Axel Rühle kennt die Straßen seiner Stadt. Er bildete 15 Jahre lang Taxifahrer aus und fragte sich öfter, warum an manchen Stellen nicht schon längst etwas getan wurde. Zum Beispiel am Kleistpark. An der Kreuzung Hauptstraße und Grunewaldstraße bewirkt eine altmodische Markierung, dass die entgegenkommenden Autofahrer sich beim Linksabbiegen kreuzen.

Findet sich keine Lücke, blockieren diese sich gegenseitig, die Schlange wird immer länger, es staut sich. Rühles Idee: Eine neue Markierung soll das sogenannte „amerikanische“ Abbiegen, also ein Abbiegen „voreinander“ fordern. „An den meisten Kreuzungen wurde das in Berlin schon in den 90er-Jahren eingeführt“, sagt Rühle. „An dieser Stelle haben sie es irgendwie vergessen.“

„Idee eigentlich zu simpel“

Dieser Vorschlag brachte Rühle den zweiten Platz ein, was er fast ein bisschen enttäuschend findet. „Die Idee ist eigentlich viel zu simpel.“

Anders der Vorschlag, mit dem er sich Rang drei sicherte. Er sieht eine Veränderung der Fahrstreifen auf der Autobahnausfahrt Alboinstraße vor. Diese ist zweispurig und mündet auf dem Sachsendamm in die mittlere und rechte Fahrspur – eine Abbiegespur. Das führt zu viel Einfädeln nach links und einem Rückstau bis auf die A100.

Die Ausfahrt soll jetzt so markiert werden, dass die Fahrer auf dem Sachsendamm sich gleich auf der mittleren und linken Spur einordnen können. Auch hier gilt: Es lässt sich ohne große Kosten und Verwaltungsaufwand umsetzen.

Baldige Realisierung versprochen

Insgesamt 80 Vorschläge kamen bei „Schlau aus dem Stau“ zusammen, die der Gewinner sollen noch bis Jahresende realisiert werden. Allein Rühle reichte 15 Ideen ein.

Auf die der Taxifahrer Heinz Klabunde und Ali Ihsan Mert kam aber auch er nicht: die Markierung einer Linksabbiegespur zur A111 auf dem Saatwinkler Damm mit einer Verschwenkung des Geradeausverkehrs. Der Grund: Wer hier geradeaus Richtung Flughafen Tegel will, steht wegen der A111-Abbieger oft im Stau.

„Das hat den ersten Platz verdient“, lobt Rühle, der als Preis ein Fahrsicherheitstraining und ein Navigationssystem bekommt. Über letzteres freut er sich, auch wenn er derzeit gar kein Auto hat.