Berliner Arbeitsmarkt

Zahl ausländischer Leiharbeiter im Tourismus stark gestiegen

Es gibt in Berlin 72 Prozent mehr Leiharbeiter als noch 2009. Gewerkschaften beklagen schlechte Arbeitsbedingungen von Reinigungskräften. Sie bekämen teilweise nur 50 Cent pro Zimmer.

Foto: Franziska Kraufmann / dpa

In der Berliner Tourismusbranche arbeiten immer mehr ausländische Leiharbeiter – laut der Gewerkschaft Verdi oft unter problematischen Bedingungen. Häufig seien es Reinigungskräfte aus Italien und Spanien, die für Hotels in Berlin angeworben werden sollen, sagte Helge Biering von Verdi. „Ihnen wird das blühende Leben in Deutschland versprochen, und dann müssen sie arbeiten, arbeiten, arbeiten“, so Biering.

Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, wuchs die Zahl der ausländischen Zeitarbeiter in Berlin von Ende 2009 bis Ende 2013 um 72 Prozent auf 3702. Insgesamt stieg die Anzahl der Leiharbeiter laut Agentur für Arbeit in der Hauptstadt in diesem Zeitraum um etwa ein Viertel auf mehr als 31.000.

Auch dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin ist das Problem der ausländischen Zeitarbeiter bekannt, wie Sprecher Dieter Pienkny bestätigte. „Immer mehr Reinigungskräfte arbeiten unter miserablen Bedingungen. Sie bekommen nur 50 Cent pro Zimmer. Das ist Lohndrückerei.“ In die Migrationsberatungsstelle des DGB kämen vor allem Osteuropäer. „Die Kollegen haben mehrere tausend Fälle pro Jahr, wo es vielfach darum geht, dass keine Löhne gezahlt wurden und sie unter miserablen Bedingungen einquartiert wurden. Dieser Wildwuchs nimmt leider zu.“

Der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Berlin, Thomas Lengfelder, bestätigte, dass die Leiharbeiter in der Hotelbranche vor allem bei der Reinigung von Zimmern und öffentlichen Bereichen eingesetzt werden. Manchmal machten sie auch Nachtdienste an der Rezeption. Beschäftigt würden sie von Fremdfirmen, die nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz für die Einhaltung von Mindeststandards bei den Arbeitsbedingungen geradestehen. „Wenn es aber offensichtlich ist, dass die Leiharbeiter unter Tariflohn bezahlt werden, haftet der Hotelbetreiber mit“, sagte Lengfelder. „Man ist also gut beraten, zu kontrollieren.“

Arbeitgebervertreter widersprechen Ausnutzung von Kräften

Die Arbeitgeberseite dagegen sieht keine Ausnutzung der Arbeitskräfte: Vierteljährliche Umfragen im Auftrag des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) unter seinen 2800 Mitgliedern kamen zu dem Ergebnis, dass von diesen 91 Prozent übertariflich zahlten, sagte IGZ-Sprecher Wolfram Linke. Der Trend in der Branche sei, dass Unternehmen aufgrund des „leeren Arbeitsmarktes“ Fachkräfte bei den Zeitarbeitsfirmen suchten. Hohe Bezahlung sei eine Notwendigkeit für die Unternehmen.

Auch bei den Übernahme-Zahlen sind sich Gewerkschaftsbund und Branchenverband nicht einig. „34 Prozent der Zeitarbeitskräfte werden von den Kunden übernommen, bei Akademikern teilweise bis zu 70 Prozent“, so IGZ-Sprecher Linke. Pienkny vom DGB sagte wiederum: „Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schätzt, dass nur 15 Prozent der Leiharbeiter die Chance erhalten, in ihrem Betrieb ein festes Arbeitsverhältnis zu bekommen.“

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