Berlin

Lokführer-Streik - Der Notfahrplan für Berlin

Bis Montag, 4 Uhr, geht bei der Bahn im Nah- und Fernverkehr nichts mehr. Doch einige Linien verkehren noch. So kommen Sie trotz des Streiks mit Zügen ans Ziel.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Auch Sonntag und Montag müssen sich Fahrgäste im Nah- und Fernverkehr auf Zugausfälle, Verspätungen sowie überfüllte Busse und U-Bahnen einstellen, da der 50-stündige Streik der Lokführergesellschaft GDL noch bis zum frühen Montagmorgen andauern wird. Am Sonnabend hat der Ausstand in Berlin für massive Behinderungen im Zugverkehr gesorgt. Allerdings konnte die Deutsche Bahn mit einem Ersatzfahrplan etwa ein Drittel aller Züge dennoch auf die Reise schicken. Auch bei der S-Bahn waren noch einige Züge wie etwa die S1, S2 oder S7 unterwegs, allerdings im Takt von 20 bis zu 40 Minuten.

Immerhin: In der kommenden Woche müssen sich Bahnreisende vorerst auf keine weiteren Behinderungen einstellen. Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, kündigte eine siebentägige Streikpause ab Montag an. „Ich denke, dass wir über die nächste Woche reden und dass wir dort eine Pause einlegen von mindestens sieben Tagen“, sagte Weselsky am Samstagabend im ZDF-„heute-journal“.

In der Stadt waren die Bahnsteige größerer Stationen wie etwa Friedrichstraße, Alexanderplatz oder Zoologischer Garten am Sonnabend jedoch wie leergefegt, nur wenige Menschen warteten dort auf einen Zug. Die Betroffenen reagierten zunehmend gereizt auf den neuerlichen Ausstand. „Es nervt einfach nur noch“, sagte Martin Painter am S-Bahngleis vom Bahnhof Zoo. Er stand mit Frau und Kind ratlos vor dem Ticketschalter und studierte den Fahrplan. „Wir dachten, dass der Streik heute wieder vorbei ist, und wissen jetzt nicht, wie wir nach Spandau kommen sollen.“ Wie viele andere Reisende musste er einen Umweg in Kauf nehmen und auf Bus und U-Bahn ausweichen.

Der Streik trifft Ferienreisende

Direkt zu Beginn der Herbstferien in Berlin und Brandenburg traf der Streik besonders Fernreisende. „Wir wollten eigentlich an die Ostsee fahren, müssen jetzt aber schauen, ob das heute noch klappt“, sagte Ali Schlosser. Mit mehreren großen Koffern wartete er mit seinen zwei Halbbrüdern am Bahnhof Zoo auf seine Eltern, die sich am Infostand der Deutschen Bahn nach möglichen Verbindungen erkundigten. „Man hat langsam den Eindruck, der einzige Job der GDL bestehe darin, zu streiken. Sie sollten es jetzt einfach nicht übertreiben“, sagte Schlosser.

Von den Zugausfällen profitierten vor allem Fernbusanbieter. Auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) an der Messe Berlin war die Wartehalle am Sonnabendmorgen fast bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. Nach Angaben einer Sprecherin des Unternehmens Meinfernbus, gab es für das Wochenende mehr als drei Mal so viele Buchungen wie sonst. Rund 100 zusätzliche Fahrten wurden angeboten. Bereits nach der Ankündigung des Ausstands am Freitag waren die Server der Fernbusanbieter reihenweise zusammengebrochen, Webseiten waren nicht mehr zu erreichen. Der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer, Matthias Schröter, sprach von „purem Wahnsinn“.

Lange Schlangen am Berliner Hauptbahnhof

Am Berliner Hauptbahnhof bildeten sich an den Informationsständen der Deutschen Bahn lange Schlangen. Chaos habe es am Sonnabend aber nicht gegeben, die meisten Reisenden hätten sich schon zuvor mit der Situation arrangiert, sagte ein Bahn-Sprecher. Auch der Ersatzfahrplan funktioniere. Die Infotafeln am Hauptbahnhof zeigten überwiegend Regionalzüge an, etwa nach Cottbus, Brandenburg oder Magdeburg.

Die Stimmung unter den Reisenden war hier jedoch gelassen. „Ich bin vollkommen solidarisch mit den Lokführern“, sagte eine 70 Jahre alte Pensionärin aus Steglitz, die auf dem Weg nach Ludwigsburg war. „Wir haben zwar einen Urlaubstag in Berlin verloren und müssen einen Umweg von drei Stunden auf uns nehmen, sind aber noch entspannt“, sagte Ingrid Schamberger aus Thüringen, die mit drei Freundinnen unterwegs war.

In der Innenstadt führte der Ausfall der S-Bahnen zu volleren Bussen, Trams und U-Bahnen. „Wir merken, es ist deutlich voller“, sagte Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe. Wegen des Wochenendes sei der Andrang aber überschaubar. „Wir müssen niemanden stehen lassen.“ Der subjektive Eindruck vieler Fahrgäste war jedoch ein anderer. Besonders die Busse hoch frequentierter Linien wie M45, 100 oder TXL hatten mit Überfüllung zu kämpfen. An manchen Haltestellen konnte daher niemand mehr zusteigen, es kam zu Verspätungen.

Die Arbeitsniederlegung der Lokführer hatte bundesweite Auswirkungen, verschärft wurde die Lage durch den Beginn der Ferien in sieben Bundesländern sowie das Ende in zwei anderen. In Norddeutschland fielen 80 Prozent der Fernzüge aus, im gesamten Bundesgebiet waren es 70 Prozent.

Die GDL will den Streik bis Montag durchziehen

Dennoch bekräftigte die Lokführergewerkschaft GDL, ihren Streik bis Montagmorgen durchziehen zu wollen. Die Bahn halte weiter daran fest, Verhandlungen unter Vorbedingungen zu führen, die für die GDL unannehmbar seien, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Sonnabend. Die Gewerkschaft werde daher „nicht eher ruhen, bis der Arbeitgeber die Forderungen des Zugpersonals endlich ernst nimmt und verhandelbare Angebote vorlegt“. Die Bahn dringt indes darauf, mit der GDL über ihre Vorschläge vom Freitag zu verhandeln.

Die GDL habe das jedoch abgelehnt, „ohne mit uns auch nur eine Minute darüber zu sprechen“, sagte ein Bahn-Sprecher. Das zeige, dass es der Lokführergewerkschaft „nur auf Macht und Einfluss“ ankomme.

Diese S-Bahnlinien fahren noch

Die Bahn hält trotz des Streiks ein Notangebot aufrecht. Etwa ein Drittel aller Züge soll fahren. Auch bei der S-Bahn sind noch einige Züge unterwegs.

Folgende Linien verkehren noch:

- S1 Oranienburg–Wannsee: ca. alle 20 Minuten mit zwei Taktlücken

- S2 Bernau–Blankenfelde: alle 40 Minuten

- S3 Erkner–Köpenick und Karlshorst–Ostkreuz: Erkner - Köpenick alle 40 min., Karlshorst - Ostkreuz alle 20 min., zwischen Köpenick und Karlshorst Schienenersatzverkehr.

- S46 Königs Wusterhausen–Tempelhof: alle 20 min. mit einer Taktlücke, Pendelverkehr zw. Tempelhof und Schöneberg alle 15 min.

- S5 Strausberg–Ostbahnhof: alle 20 Minuten.

- S7 Ahrensfelde–Lichtenberg und Wannsee–Potsdam Hauptbahnhof: Ahrensfelde–Lichtenberg alle 20 Minuten mit einer Taktlücke, Wannsee–Potsdam alle 20 Minuten.

- S9: Flughafen Schönefeld–Landsberger Allee: alle 20 Minuten.

Folgende S-Bahn-Linien fallen komplett aus:

- S41, S42, S45, S47, S8, S85, S25, S75,

Busersatzverkehr auf folgenden Strecken:

S25 (Süd) Teltow Stadt–Südende

S25 (Nord) Tegel-Hennigsdorf

S8 Blankenburg-Hohen Neuendorf

Die S-Bahn informiert aktuell im Internet über die Ausfälle.

Auch über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter informiert die S-Bahn.

Die Deutsche Bahn hält ebenfalls einen Notfahrplan aufrecht, darunter auch bei den Regionalexpresszügen. Aktuelle Informationen zur Situation in Berlin gibt es HIER.

Zusätzlich hat die Deutsche Bahn eine Liveauskunft geschaltet.

Telefonische Auskunft gibt es unter der Nummer 08000-99 66 33.

Foto: Britta Pedersen / dpa