Parteispende

Unternehmer Hans Wall unterstützt die AfD

Der Unternehmer und Berliner Mäzen Hans Wall ist der AfD beigetreten und unterstützt die umstrittene Partei mit Spenden. Die Wall AG distanziert sich vom politischen Engagement des Firmengründers.

Foto: M. Lengemann

Die Nachrichten trafen das Unternehmen unvorbereitet, die Reaktion erfolgte prompt. „Die Wall AG distanziert sich von dem politischen Engagement des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden“, beeilte sich Firmensprecher Daniel Abbou zu sagen.

Den Anlass für die Distanzierung lieferten Aussagen des Firmengründers Hans Wall, wonach er in die unter Rechtspopulismusverdacht stehende Alternative für Deutschland (AfD) eingetreten sei und sie auch finanziell unterstütze. „Früher hat mir Westerwelle aus dem Herzen gesprochen“, sagte Wall dem Manager Magazin.

Vor allem die Enttäuschung über die Schuldenübernahme im Rahmen der Eurorettung habe ihn jedoch zum Wechsel bewogen. Wall hat dem Magazin zufolge der AfD bereits Geld gespendet, für den Firmengründer sei sie „die Partei des deutschen Mittelstands“.

Dass er sich schon vor Jahren aus den Firmengeschäften zurückgezogen hat, wurde dabei nicht erwähnt. Die Aufregung in der Berliner Firmenzentrale war daraufhin groß. „Hans Wall hat seine Anteile an der Wall AG im Jahr 2009 verkauft“, sagte Abbou. Seit März 2012 sei er nicht mehr Mitglied im Aufsichtsrats der AG. Er habe somit keinerlei Anteile, Funktionen oder Verantwortung mehr in der Firma und agiere einzig als Privatperson. „Die Wall AG hat aktuell oder in der Vergangenheit nicht an die AfD gespendet und wird dies auch in Zukunft nicht tun“, sagte Abbou.

Einzug ins Europa-Parlament

Die Unterstützung der Partei durch prominente Wirtschaftsführer – neben Wall Senior outete sich auch der Unternehmer und ehemalige Chef des Bundesverbandes der Industrie (BDI), Heinrich Weiss, als AfD-Unterstützer – wird als weiterer Versuch der Euro-Kritiker gewertet, in das bürgerliche Lager von CDU und FDP einzudringen. Als populärstes Vorbild dient dafür Hans-Olaf Henkel. Der ehemalige IBM-Manager und ebenfalls ehemalige Vorsitzende des BDI zog auf einem Berliner Listenplatz im Mai dieses Jahres zusammen mit Parteichef Bernd Lucke in das Europa-Parlament ein.

Hans Wall, der für eine Begründung nicht zu erreichen war, wirkte in Berlin neben seiner langjährigen wirtschaftlichen Tätigkeit auch immer als Mäzen. Als Vorsitzender des Vereins „Denk mal an Berlin“ setzt er sich für den Wiederaufbau des Glockenturmes der Parochialkirche ein. Im Jahr 2000 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für sein ehrenamtliches Engagement. Die AfD will in Berlin auch bei der nächsten Abgeordnetenhauswahl 2016 antreten. Nachdem die Alternative für Deutschland unmittelbar nach ihrer Gründung im April 2013 noch knapp am Einzug in den Bundestag gescheitert war, ist sie danach in drei Landes- und das EU-Parlament eingezogen. In Brandenburg, Sachsen und Thüringen sitzt die Partei mittlerweile im Parlament.

Berliner CDU distanziert sich

Immer wieder wird sie mit Rechtspopulismus in Verbindung gebracht. So auch im Berliner Landesverband. Bis September vergangenen Jahres traten nach Angaben des damaligen Chefs René Stadtkewitz etwa 350 Mitglieder aus der rechtspopulistischen und islamfeindlichen Partei „Die Freiheit“ zur AfD über. Derzeit bewegt sich die Partei in Berlin nach Angaben ihres Sprechers Götz Frömming bei knapp 900 Mitgliedern, bis zum Jahresende sollen es 1000 sein. Der Zulauf sei nach wie vor groß. „Bei unseren 14-täglichen Treffen mit Neu-Mitgliedern sind jedes Mal 20 bis 30 Leute da“, sagte Frömming. Sie stammten aus allen Gesellschaftsschichten – wie auch Hans Wall, der schon länger bei Parteiveranstaltungen zu sehen sei.

Vor allem die CDU befürchtet, dass ihr die AfD Stimmen streitig macht. CDU-Landeschef Frank Henkel hat sich deshalb bereits scharf von der Alternative für Deutschland abgegrenzt und schließt eine Koalition mit der AfD kategorisch aus: „Eine Partei, deren Vorsitzender den Sicherheitsapparat der SED-Diktatur lobt, kann kein Koalitionspartner für die CDU sein. Eine zweite Linkspartei im europafeindlichen Gewand brauchen wir nicht“, sagte Henkel im Interview mit der Berliner Morgenpost. Das gelte auch für die nächste Wahl zum Abgeordnetenhaus.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.