Neubau

Bildungsministerium - Mit Blick auf Kanzleramt und Spree

Berlin steckt im Baufieber: Im Spreebogen wird das neue Bundesministerium für Bildung bezogen. Was überrascht: Das Gebäude ist im Zeit- und Kostenrahmen geblieben und wurde teils privat finanziert.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

"Besser geht's doch eigentlich gar nicht!" Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, findet auf dem ersten Rundgang nur lobende Worte für den neuen Dienstsitz des Ministeriums am Kapelle-Ufer 1 in Mitte.

Nicht nur, dass der Ministeriumsneubau erstmals seit 1990 die Möglichkeit bietet, alle 350 in Berlin beschäftigten Mitarbeiter, bislang auf drei angemietete Immobilien verteilt, nun an einem Ort zu vereinen. "Die Lage ist fantastisch, wir schauen über die Spree auf das Kanzleramt und den Bundestag", schwärmt die Staatssekretärin weiter. Zudem sei das Gebäude, in der Hauptstadt ja absolut keine Selbstverständlichkeit, im Termin- und Kostenrahmen geblieben.

Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit sind die ersten Mitarbeiter bereits in den Neubau gezogen, die übrigen werden bis zum Ende dieses Monats folgen. Die Beschäftigten erwartet am neuen Standort ein ansehnlicher Bau aus grünem Naturstein, Lärchenholz und ganz viel Glas.

Für allen erdenklichen Komfort ist zudem gesorgt: Es gibt barrierefreie, tagesbelichtete Büros, eine Kantine, eine Kleinkindbetreuung, einen begrünten Innenhof und sogenannte "Kommunikationsecken" auf jeder Etage, gemütliche Sitzecken, in denen die Kollegen zum Plausch zusammenkommen können.

Platz für die Bonner Kollegen

Die schöne neue Arbeitswelt ist zudem so großzügig bemessen, dass auch die 650 in Bonn Beschäftigten des Ministeriums noch Platz im Gebäude finden. "Wir stehen voll und ganz zum Berlin-Bonn-Gesetz", weicht die Staatssekretärin diplomatisch der Frage aus, ob sie die Aufteilung des Ministeriums zwischen Bonn und Berlin 25 Jahre nach dem Fall der Mauer noch für wünschenswert hält.

Das Entscheidende sei doch, dass es insgesamt Platz für 1000 Arbeitsplätze gebe. "Das Gebäude ist ja extra so konzipiert, dass man den frei stehenden Teil gut vermieten kann, hier steht ja nichts leer", rechtfertigt sie. Dass man zumindest im Hause von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) nicht davon ausgeht, dass sich an dieser Situation in naher Zukunft etwas ändert, belegen die Mietverträge mit den übrigen Nutzern des Hauses. Die Laufzeit der Verträge, die die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) mit den übrigen Nutzern abgeschlossen hat, beträgt fünf bis zehn Jahre.

Bei der Finanzierung des Gebäudes hat der Bund am Kapelle-Ufer Neuland betreten. Gebaut und betrieben wird der Ministeriumsbau erstmals als öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP), das heißt gemeinsam mit Privatunternehmen. 115 Millionen Euro hat der Neubau neben dem Hauptbahnhof und gegenüber von Kanzleramt und Reichstag mit einer Bruttogeschossfläche von rund 58.000 Quadratmetern gekostet. Das Ministerium hat für das Gebäude eine Nutzungsdauer bis zum 31. Juli 2041 vereinbart. Die Jahresmiete beträgt nach Auskunft der Staatssekretärin rund sechs Millionen Euro (kalt).

Einsparung von 28 Millionen Euro

"Die gewählte Variante der ÖPP-Umsetzung ist wirtschaftlich sinnvoll", so Cornelia Quennet-Thielen. Gegenüber der Kostenschätzung für eine Eigenrealisierung sei das Angebot des im ÖPP-Verfahren siegreichen Konsortiums unter der Führung der Unternehmen BAM Deutschland AG und Amber GmbH um rund 9,5 Prozent günstiger gewesen, heißt es in einer Broschüre des Ministeriums. Dies entspreche einer Einsparung von rund 28 Millionen Euro über den Vertragszeitraum von 30 Jahren.

Besonders stolz ist man im Hause der Ministerin Wanka, dass das vom Architekten Christian Pelzeter aus dem Büro Heinle, Wischer und Partner entwickelte Gebäude mit innovativsten Technologien ausgestattet wurde, um so die Energieversorgung nachhaltig zu gewährleisten. "Der Jahresprimärenergiebedarf liegt rund 50 Prozent unterhalb der Vorgabe der aktuellen Energieeinsparungsverordnung", so die Staatssekretärin.

ufgrund der Nachhaltigkeit werde das Haus die höchste Auszeichnungsstufe "Gold" nach dem Bewertungssystem "nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude" erhalten. Unter anderem wird das Haus über eine große gasbetriebene Brennstoffzelle im Keller versorgt. Ein Blockheizkraftwerk steht für die Strom-, Kälte- und Wärmeerzeugung parat, und Fotovoltaikanlagen auf den Dächern und an der Fassade erzeugen zusätzlich jährlich rund 100.000 Kilowattstunden elektrische Energie.

"Haus der Zukunft"

Um den Neubau des Ministeriums hatte es heftige Diskussionen gegeben, weil die legendäre Strandbar "Bundespressestrand" für das Bauvorhaben weichen musste. Zwar sei das Bildungsministerium ebenfalls ein Gebäude, das aufgrund der erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen nur im Foyerbereich für die Öffentlichkeit zugänglich sei, so die Staatssekretärin. Kantine und Kita seien deshalb auch lediglich für die Mitarbeiter und Mieter des Hauses reserviert.

Jedoch sei ja bereits das "Haus der Zukunft" in der konkreten Planung. In diesem angrenzenden Gebäude, das nach den Plänen des Berliner Büros Musikowski Architekten entstehen soll, könne sich die Öffentlichkeit über die Zukunftsthemen der Wissenschaft informieren. Zudem werde es dort auch ein öffentliches Restaurant sowie ein Bistro geben.

Anfang kommenden Jahres soll der Baubeginn für das "Haus der Zukunft" auf einer Grundfläche von 8000 Quadratmetern entstehen. Die Fertigstellung soll 2017 gefeiert werden. Wie das benachbarte Ministerium soll auch dieses Gebäude in öffentlich-privater-Partnerschaft entstehen. Die Baukosten für dieses Projekt werden mit 46 Millionen Euro beziffert.

Politik, Wissenschaft und Bürger zusammenbringen

Auch ein Gründungsdirektor für das Science Center ist schon verpflichtet worden. Reinhold Leinfelder hat zum 1. September 2014 die Verantwortung für die inhaltliche Ausgestaltung des Hauses übernommen. Der Professor für Geologie an der Freien Universität Berlin gilt als erfahrener Museumsdirektor und Ausstellungsmanager. Zu den Gesellschaftern des Hauses der Zukunft gehören die Alexander von Humboldt-Stiftung sowie die Deutsche Telekom Stiftung.

"Das Haus der Zukunft soll Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürger zusammenbringen, um Zukunftsthemen der Wissenschaft zu zeigen, zur Diskussion zu stellen und zu gestalten", heißt es in der Beschreibung des Projektes. Mit außergewöhnlichen Ausstellungen und Veranstaltungen soll es die Welt von morgen sichtbar machen.

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