Nach GDL-Streik

34 Flüge fallen in Tegel aus - S-Bahnen fahren wieder

14 Stunden haben die Lokführer gestreikt und den S-Bahn-Verkehr in Berlin zum Erliegen gebracht. Ab 4 Uhr rollten viele Züge wieder. Am Flughafen Tegel begann am Mittag der nächste Streik.

Foto: pa/Robert Schles

Nach dem Streik ist vor dem Streik: Nach der Arbeitsniederlegung der Lokführer am Mittwoch bis zum frühen Donnerstagmorgen haben am Mittag Germanwings-Piloten ihren Streik begonnen.

34 der deutschlandweit 100 gestrichen Starts und Landungen waren in Tegel geplant, wie die Lufthansa-Tochter mitteilte. Damit fiel knapp die Hälfte der 73 Berlin-Verbindungen weg. Mehrere Tausend Passagiere waren betroffen. Die Fluggesellschaft hatte aber die meisten Fluggäste vorab per Mail oder SMS erreicht, andere hatten von sich aus umgebucht.

„Es lief völlig geordnet und ruhig ab“, sagte Flughafensprecher Lars Wagner. Ohne die gestrichenen Germanwings-Flüge standen am Freitag noch 524 Flüge auf dem Plan. Die Flughafengesellschaft rechnet nicht mit größeren Auswirkungen des Streiks am Freitag.

Vor allem Inlandsflüge betroffen

Der zwölfstündige Ausstand hatte am Mittag begonnen. Damit will die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit den Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen erhöhen. Betroffen waren nach Angaben der Fluglinie vor allem Inlandsflüge. Die Urlauberflüge aus dem Ausland – überwiegend aus den Mittelmeerländern – fanden dank eines Ersatzflugplanes komplett statt, sagte ein Germanwings-Sprecher.

Die Lufthansa will, dass ihre Piloten später in den bezahlten Vorruhestand gehen – die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit wehrt sich dagegen.

Die Gesellschaft veröffentlichte einen Ersatzflugplan im Internet.

S-Bahnen fahren wieder normal

Der S- und Regionalbahnverkehr in Berlin und Brandenburg läuft derweil seit dem Morgen wieder normal. Seit Betriebsbeginn habe es nur vereinzelt Ausfälle und Verspätungen gegeben, sagte ein Bahnsprecher. Die Situation sei besser als bei dem neunstündigen Streik vor einer Woche.

Im Berliner S-Bahnverkehr kam es am Morgen zunächst zu längeren Taktzeiten. Das traf vor allem den S-Bahnring mit S41/2. Er war am Mittwoch vollständig lahmgelegt worden.

Die Nord-Süd- und Ost-Westverbindungen wurden dagegen teilweise bereits von Betriebsbeginn an normal bedient. Lediglich die S45 fiel bis 9 Uhr vollständig aus.

Auch am Hauptbahnhof kam der Fernverkehr am Morgen wieder in Fahrt. Fast alle Züge hatten zwar zunächst Verspätung, meist aber nur etwa 15 bis 30 Minuten. Schlechter sah es zunächst noch im Regionalverkehr aus. So fiel am Morgen zum Beispiel der R3 nach Wünsdorf aus.

Zugauskunft häufig nicht aktuell

Fahrgäste hatten es teilweise schwer, sich vorher auf die Verkehrslage einzustellen. Die elektronische Zugauskunft sei nicht in allen Fällen aktuell, hieß es. Die vielen Fahrplanänderungen konnten nicht gleichzeitig ins System eingepflegt werden.

Im Regionalbahnverkehr in Brandenburg half es, dass die Strecken weitgehend von liegen gebliebenen Zügen frei waren – die Bahn hatte dazu schon vor dem Streik einige Züge aus dem Plan genommen. So habe der Verkehr auch nahezu stabil begonnen, nur vereinzelt gab es in Brandenburg Verspätungen und Ausfälle.

Deutsche Bahn: ein Drittel der IC-, EC- und ICE-Züge gefahren

Die Deutsche Bahn zeigte sich mit dem deutschlandweiten Bahnverkehr am Donnerstagmorgen zufrieden. „Es gibt keine Meldungen über Probleme größerer Art“, sagte eine Bahnsprecherin am. Vereinzelt müssten die Fahrgäste im Berufsverkehr mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen. „Im Großen und Ganzen läuft der Verkehr deutschlandweit aber wirklich gut“, fügte sie hinzu.

Die Bahn teilte am Donnerstagmorgen mit, es sei alles dafür getan worden, um die Züge an den Startbahnhöfen bereitzustellen. Lokführer hätten teilweise erst noch zu ihren Einsatzorten gebracht werden müssen.

Der Ersatzfahrplan im Fernverkehr habe sich dabei ausgezahlt, ebenso wie die ausgedünnten Zugverkehre im Regionalverkehr, erklärte die Bahn. Während des Streiks sei so sichergestellt worden, dass trotz massiver Einschränkungen weiterhin etwa ein Drittel der IC-, EC- und ICE-Züge gefahren seien.

Die Lokführergewerkschaft GDL hatte am Mittwoch einen 14-stündigen Ausstand begonnen – ihren längsten Streik im diesjährigen Tarifkonflikt. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn sowie die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 37 von 39 Stunden. Kern des Konflikts ist aber, dass sie dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Diese will jedoch die größere EVG weiter vertreten. Die Bahn lehnt konkurrierende Abschlüsse für die gleiche Berufsgruppe ab.

Konkurrenzgewerkschaft RVG: keine Lösung in Sicht

Der GDL-Streik hat den Tarifstreit bei der Deutschen Bahn aus Sicht der Konkurrenzgewerkschaft EVG einer Lösung nicht nähergebracht. Der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kircher, sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk auf die Frage nach dem bisherigen Ergebnis des Ausstands: „Eigentlich noch nichts, denn es gibt noch keine Antwort der GDL auf unser Angebot zu klären, wie denn die Mehrheitsverhältnisse bei der Bahn sind.“ Beide Gewerkschaften streiten, wer für welche Berufsgruppen bei der Bahn zuständig ist.

GDL-Chef Claus Weselsky sagte am Morgen im ZDF-Morgenmagazin: „Schlussendlich weiß jeder, dass es hier nicht um Macht geht, sondern um eine einzige Frage: Ist dieser Konzern bereit, die Realität anzuerkennen, dass die GDL mehr als 51 Prozent Mitglieder in den Eisenbahnverkehrsunternehmen hat? Ist die Bahn bereit anzuerkennen, dass Tarifpluralität herrscht und nicht Tarifeinheit?“

Die wichtigsten Informationen zum Bahn-Verkehr in Berlin

>> Die S-Bahn informiert im Internet über die aktuelle Betriebslage - hier.

>> Die Live-Auskunft der Deutschen Bahn - hier.

Telefonisch ist die Service-Hotline der Deutschen Bahn unter der 08000 99 66 33 zu erreichen.

Das Protokoll des Streiks am Mittwoch

Mobil-Nutzer gelangen hier zum Streik-Protokoll