Deutsche Bahn

Lokführerstreik - Viele Züge schon vor Beginn ausgefallen

Die Lokführergewerkschaft GDL legt erneut die Bahn lahm - diesmal ab Mittwoch 14 Uhr bis Donnerstagmorgen 4 Uhr. Bestreikt wird auch die Berliner S-Bahn. Schon seit Mitternacht gilt ein Notfahrplan.

Tausende Pendler und Bahnreisende müssen an diesem Mittwoch zum zweiten Mal binnen acht Tagen auf massive Zugausfälle einstellen. Die Fahrgäste trifft der zweite bundesweite Lokführer-Streik. Er beginnt um 14 Uhr und dauert bis 4 Uhr am Donnerstagmorgen. Dann werden laut GDL wieder flächendeckend die Züge im Fern- und Regionalverkehr wie auch bei den S-Bahnen stehen bleiben.

Bereits seit Mitternacht gilt ein eingeschränkter Fahrplan im Fernverkehr. Es fielen bereits zahlreiche Züge aus. Mit einem Notfahrplan versucht die Bahn, die Auswirkungen des Streiks zu mildern. Das Service-Personal in den Bahnhöfen und in der Reisinformation wurde verstärkt.

„Ab Mittwochmorgen fahren nicht nur die Züge des Fernverkehrs nach einem Ersatzfahrplan, seit 9 Uhr gibt es auch im Regionalverkehr einen eingeschränkten Fahrplan“, sagte Bahn-Sprecher Matthias Franke am Mittwochmorgen. Ziel sei es, trotz des Streiks so viele Reisende wie möglich ans Ziel zu bringen.

Bis um 4 Uhr am Donnerstag soll der Streik dauern, das heißt: Auch am Morgen danach ist noch mit Behinderungen im Berufsverkehr zu rechnen. Die Bahn versucht jedoch, diese so gering wie möglich zu halten: "Deswegen wird es heute schon ab 9 Uhr zu Einschränkungen kommen. Das hat den Zweck, dass wir morgen zu Betriebsbeginn die Züge dort haben, wo sie wieder eingesetzt werden." Ziel ist es, dass der Berufsverkehr dann möglichst reibungslos anlaufen.

Schon jetzt Berlin und Brandenburg betroffen

Auch in Berlin und Brandenburg kommt es deshalb schon vor Streikbeginn zu zahlreichen Zugausfällen. Seit 9 Uhr muss auch dort bei den Regionalbahnen mit Verspätungen gerechnet werden. Bahn-Sprecher Heinrich Schierbaum sagte im Inforadio: "Es fallen auch in Berlin viele Züge aus, wir empfehlen Reisenden im Fernverkehr, sich auf bahn.de zu informieren, die Ersatzfahrpläne sind dort veröffentlicht." Insgesamt werden schon vor 14 Uhr mehr als die Hälfte aller Züge ausfallen.

Nach 14 Uhr „werden noch einzelne Verbindungen bedient werden, aber wir empfehlen Reisenden, auch auf andere Verkehrsmittel – im Berliner Raum zum Beispiel die BVG – auszuweichen", sagte Schierbaum. Betroffen ist wie schon am 7./8. Oktober auch die Berliner S-Bahn.

Diesmal möchte die Bahn sicherstellen, dass nach Streikende der Zugverkehr bei Fern-, Regional- und S-Bahnen reibungsloser anläuft als in der vergangenen Woche. Auch nach dem Streikende hatte es zahlreiche Ausfälle und Verspätungen gegeben, die sich über den ganzen Tag hingezogen hatten. Fahrgäste sollen sich auf jeden Fall vor Fahrtbeginn telefonisch, über das Internet oder Smartphone informieren (s.u.).

Busse und Trams fahren - Staus im Berufsverkehr

Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) fahren in Berlin wie gewohnt. Trotz des deutlich stärkeren Fahrgastandrangs soll es bei dem landeseigenen Nahverkehrsunternehmen aber keine zusätzliche Fahrten etwa bei der U-Bahn geben. „Wir wollen vor allem Verlässlichkeit anbieten. Das heißt, wir verlängern die Züge, wo es geht. Der Fahrplan bleibt aber wie gewohnt“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost.

Besonders betroffen vom Lokführerstreik werden erneut Zehntausende Berufspendler sein, die aus dem Umland zur Arbeit nach Berlin und zurück fahren. Sie können meist nicht auf Verkehrsmittel der BVG umsteigen und müssen daher das Auto nutzen. Es wird erwartet, dass es auf den Zufahrtsstraßen nach Berlin zu deutlich mehr Verkehr kommt. Schon vor 8 Uhr bildeten sich lange Staus auf der B1 und B5 in Richtung Berlin-Zentrum. Auch auf der A 111 ab Stolpe sowie auf der A 113 ab Stubenrauchstraße geriet der Verkehr ins Stocken.

Reisende können sich Fahrkarte erstatten lassen

Für den Fernverkehr hat die Deutsche Bahn (DB) kurzfristig einen Notfahrplan herausgegeben, alle Zugverbindungen sind auf der Internetseite www.bahn.de abrufbar. Zusätzlich bietet die Bahn eine Live-Auskunft an, bei der Sie Ihre spezielle Bahnverbindung bis zu zwölf Stunden im Voraus abfragen können.

Fahrgäste, die wegen des Streiks ihre Reise nicht wie geplant antreten können, können sich ihre Fahrkarte oder Reservierung kostenlos in DB-Reisezentren oder DB-Agenturen erstatten lassen.

Die zum Bahnkonzern gehörende S-Bahn Berlin GmbH will zumindest für einzelne Umlandverbindungen einen Ersatzverkehr anbieten. Von 13.30 Uhr an bis nachts 1 Uhr sollen demnach Busse auf den Außenästen der Linien S25 (Teltow Stadt-Hennigsdorf) und S8 (Zeuthen–Birkenwerder) fahren. Über Einzelheiten informiert das Unternehmen über die Kunden-Hotline (030-29743333) und auf der Internetseite (www.s-bahn-berlin.de) .

Erst in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche hatte ein neunstündiger Streik den Bahnverkehr gelähmt und auch tagsüber noch zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen geführt. Die GDL fordert fünf Prozent mehr Geld und eine zwei Stunden kürzere Wochenarbeitszeit. Sie will auch für Zugbegleiter, Bordgastronomen sowie Disponenten verhandeln, die in den Leitzentralen Züge und Personal koordinieren. Daran scheiterten bislang die Verhandlungen.

Nutznießer der Auseinandersetzung bei Bahn - und nun auch bei der Lufthansa - sind offenbar vor allem die Fernbusse. Die Branche boomt ohnehin dank billiger Ticktpreise seit Freigabe des Marktes im vergangenen Jahr. Die Deutsche Bahn rechnet daher im Fernverkehr mit einem Gewinneinbruch von bis zu 120 Millionen Euro. Am Mittwoch hatte der französische Konzern Veolia, einer der wenigen Bahn-Konkurrenten im Fernverkehr, die Einstellung seiner einzigen Verbindung Leipzig-Berlin-Rostock angekündigt.

Die Berliner S-Bahn informiert zu den Einschränkungen auf ihrer Internetseite oder über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Reisende der Deutschen Bahn können sich über die Lage im Fern- und Regionalverkehr auf der Internetseite des Unternehmens informieren.

Wer sich lieber telefonisch informieren möchte, kann die allgemeine Servicenummer der Bahn unter 0180 6996633 (20 Cent /Anruf aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk maximal 60 Cent pro Anruf) anrufen.

Sportliche Berliner werden aufs Rad setzen, um sich vom Streik unabhängig zu machen. Aber: Wer aufs Fahrrad umsteigen möchte, sollte auf jeden Fall wasserdichte Kleidung dabei haben: Die Wetterdienste sagen für Mittwoch Regen voraus, und auch die Temperaturen sollen nur auf maximal 17 Grad klettern.