Online mitgestalten

Bei „Linie Plus“ können Berliner den Nahverkehr verbessern

Die Berliner Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs können nun das Netz selbst mitgestalten und verändern - zumindest online beim Portal „Linie Plus“. Die BVG zeigt sich aufgeschlossen für Anregungen.

Foto: Portal für Ideen im Nahverkehr

Eine Verlängerung der U-Bahnlinie 4 bis zum Hauptbahnhof? Seit dieser Woche sind die Berliner aufgerufen, ihre Kreativität im Bereich Nahverkehr online auszuspielen. „Linie Plus“ heißt das Portal, auf dem Vorschläge für Änderungen oder Verbesserungen bei Bus und Bahn gesammelt werden. „Wir haben gemerkt, dass das Interesse an einem solchen Portal für Berlin sehr groß ist“, sagt Gründer Johannes Bouchain, der ein ähnliches Angebot bereits für Hamburg entwickelte. Die Nutzer können ein Verkehrsmittel wählen und dann auf einer Karte neue Linien oder Haltestellen einzeichnen, bestehende Linien verändern oder sonstige Vorschläge machen. Partner ist der Berliner Fahrgastverband Igeb.

Seit dem Start von „Linie Plus“ wurden bereits 64 Vorschläge gezeichnet. Die Ideen reichen von einer neuen Straßenbahn zwischen Potsdam und Wannsee bis zu einem Konzept, wie Tegel über den Bus 126 besser erschlossen werden könnte. Ein Drittel der Nutzer gibt Anregungen für die U-Bahn. „Unser Ziel ist nicht nur, dauerhaft Vorschläge zu sammeln“, sagt Bouchain. Vielmehr sollen die Ideen in einem zweiten Schritt über eine Voting-Funktion bewertet und dann eingehender besprochen werden. „Wir könnten uns Expertengespräche mit Verkehrsplanern im Rahmen von Veranstaltungen vor Ort vorstellen“, sagt Bouchain.

Spielwiese für Hobbyplaner

Natürlich ist das Portal vor allem eine Spielwiese für Hobbyplaner. Und in Berlin sicherlich eine willkommene Möglichkeit, mal seine Meinung zum oft geschmähten Nahverkehrssystem abzugeben. Eine Plattform für Unzufriedene und Besserwisser also? Die Igeb findet das nicht. „Es ist wichtig, die Fahrgäste mit einzubeziehen. Sie nutzen das Angebot schließlich jeden Tag und sind nah dran“, sagt Sprecher Jens Wieseke.

Der Bedarf an verkehrlichen Veränderungen im wachsenden Berlin ist groß. Im aktuellen Nahverkehrsplan sieht der Senat unter anderem eine Tram-Anbindung zum Ostkreuz vor. Inwiefern „Linie Plus“ einen Beitrag leisten kann, muss sich zeigen. „Der Anspruch ist nicht, dass alle Vorschläge umgesetzt werden“, sagt Bouchain, „Wir wollen keinen alternativen Verkehrsentwicklungsplan vorlegen, sondern zeigen, in welche Richtung die Wünsche der Bürger gehen.“ Senat und Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzen natürlich auf ihre eigenen Verkehrsplaner, zeigen sich aber offen für Anregungen. „Wir wollen nicht ausschließen, dass uns manches positiv überraschen könnte“, so die BVG.